Hans-Hermann Hertle: Chronik des Mauerfalls. Die dramatischen Ereignisse um den 9. November 1989

Chronik des Mauerfalls. Die dramatischen Ereignisse um den 9. November 1989

Verlag: Christoph Links Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Politik
ISBN-13 978-3-86153-541-6

Preis: 18,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 05. Dezember 2016]
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Ohne den Präventivschlag der Abriegelung Berlins 1961 mit dem Bau der Mauer wäre die Instabilität der DDR auf Dauer fundiert und stärker als in den folgenden Jahren gewesen. Die Existenzangst und die Befürchtung der Infragestellung der DDR blieben im Handeln des Politbüros bestehen. So war die internationale Lage durch ein erhebliches Anerkennungsdefizit seitens des westlichen Auslands geprägt.

Das Ziel internationaler Gleichwertigkeit und ein Kampf gegen den Gedanken der deutschen Einheit resultierten daraus und lassen den Bau der Mauer als lebensnotwendigen existentiellen Entschluss erscheinen. Die Legitimationsschwäche und Gefährdung der Selbständigkeit war überall gegeben, was auch zu einer im marxistischen Sinne aufgeladenen aber künstlichen Auffassung der eigenen Nation führen sollte, um den Unterschied des eigenen Systems zum bundesdeutschen Referenzsystem zu fundieren.

Die Kontrolle der Bürger konnte nun, nach dem Bau der Mauer, vervollkommnet werden. Eine freiwillige Anpassung an das System war notwendig geworden. Der Lebensstandard besserte sich und die Konsolidierung der Lage konnte auf zunächst sicherem Fundament über weitere Repressionen und Unterdrückungswellen frei fortgesetzt werden. Doch die Konsolidierung nach 1961, in ihrer Voraussetzung erzwungen, war nur eine oberflächliche und zeitlich determinierte. Wirtschaftliche Ineffektivität und Versorgungsmängel sowie andauernde Menschenrechtsverletzungen prägten das Bild bis zum Ende der DDR.

Der Fall der Mauer war von den DDR-Funktionären weder beabsichtigt noch vorhergesehen worden. Aus unkoordinierten Einzelaktionen entwickelte sich unter dem Druck der Massen eine Situation, die ihre eigene Dynamik bekam und schließlich zu vollendeten Tatsachen führte. Den Verantwortlichen wurde erst am nächsten Tag bewußt, was eigentlich geschehen war. Sie versuchten nun, die Kontrolle über die Grenze zurückzugewinnen und trafen Vorbereitungen für eine militärische Aktion - doch dafür war es schon zu spät. Wer aber hatte jene "Reiseregelung" erarbeitet, und warum wurde sie von Schabowski vorzeitig bekanntgegeben? Welche Rolle spielte die Staatssicherheit dabei? Was wußten die sowjetischen Militärs davon?

Hans-Hermann Hertle hat sechs Jahre lang daran gearbeitet, die genauen Umstände der Maueröffnung minutiös zu rekonstruieren. Er analysierte die entsprechenden Unterlagen in den Archiven, sichtete die Veröffentlichungen der Medien und befragte nahezu 100 Zeitzeugen, darunter die Entscheidungsträger jener historischen Nacht.

Hertles Buch läßt nicht nur den 9. November in neuem Licht erscheinen, sondern gibt zugleich einen Überblick über die Gesamtgeschichte der Berliner Mauer. Es hat den Status eines Standardwerkes errungen, das darstellt, daß wenn das Leben in Lüge die Grundstütze des Systems ist, es im Falle der DDR dazu führte, daß das Leben in der Wahrheit eine Grundbedrohung für das System bedeutete, die sich 1989 folgenreich zuspitzte und trotz aller härteren Verfolgung die Erlösung mit sich brachte.
Fazit
Die vorliegende Chronik stellt die umgearbeitete und populäre Fassung der wissenschaftlichen Studie dar. Sie liest sich spannend und informiert zuverlässig. Sie ist deshalb ein bedeutendes Dokument, dem zu entnehmen ist, daß das Maß der Instabilität von politischen Strukturen sich daran zeigt, wie diese Strukturen sich im Falle der versuchten Veränderung verhalten. Ein erfolgreiches Ergebnis der Veränderung ist die Wiedervereinigung Deutschlands, und der am 1. Dezember 1989 von der Volkskammer mit überwältigender Mehrheit gefasste Beschluss, die bisher in der Verfassung verankerte Führungsrolle der SED zu streichen. Die weitere Geschichte ist bekannt. Sie zu verstehen, ist das vorliegende Buch ein Muß!
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Vorgeschlagen von Daniel Bigalke [Profil]
veröffentlicht am 01. Juni 2009

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