Das Land Terre d'Ange, das im groben dem Land Frankreich entspricht, ist aber
nicht mit diesem identisch. Die Bewohner dieser mittelalterlichen Welt
entstammen einer Verbindung zwischen Göttern und Menschen. Die Menschen dort
leben und lieben, so wie es ihnen gefällt. Das steht in keinerlei Wiederspruch
zu der herrschenden Religion. Denn nach Jesus erschienen noch weitere Engel auf
der Erde, die sich mit den Menschen paarten und auf diese Weise verschiedene
Gemeinschaften, in diesem Fall Häuser genannt, schufen. Phèdre D’Angeline wurde
in einem der dreizehn herrschaftlichen Häusern geboren. Neben dem Namen, der aus
dem hellinistischen kommt und fluchbeladen sein soll, hat sie noch einen
weiteren Makel. In der Iris ihres linken Auges leuchtet ein roter Punkt. Dieses
Zeichen weist sie als Sadistin aus. Im Nachtpalais wird Phèdre zu einer
Konkubine und Schmerzexpertin ausgebildet, zu einer in der Gesellschaft
hochangesehenen Liebesdienerin. Sie liebt die Liebe und die Folter, arbeitet als
Spionin und Expertin der qualvollen Liebe.
Die Ausbildung zur Spionin verdankt sie dem Edelmann Delaunay, was dazu führt, dass sie den Namen Phèdre nó Delaunay annimmt. Die Ausbildung zur Kurtisane und zur Spionin hat natürlich ihre Vorteile. In der erotischen Lust sind die Männer gesprächiger und erzählen, wenn auch unbeabsichtigt, ihre Geheimnisse. Als ihr Gönner Analfi Delaunay einem heimtückischen Mord zum Opfer fällt, wird sie zusammen mit einem Leibwächter und Mönch in die Leibeigenschaft verkauft. So gelangen sie in den kühlen Norden, nur um dort zu erfahren, dass eine Invasion auf ihre geliebte Heimat bevorsteht. Gleichzeitig erfahren sie von einem Verrat auf allerhöchster gesellschaftlicher Ebene in Terre d'Ange. Um die Heimat zu warnen, steht eine Flucht an, die jedoch nicht so einfach zu bewerkstelligen ist. Es beginnt eine lange, gefahrvolle Reise, die sie zurück in die Heimat der dreizehn Häuser bringt. Fazit
Der Roman, zumindest der erste Teil kam mir sehr bekannt vor und erst als ich
nachher die Daten für die Besprechung aufnahm, fiel mein Blick auf den Hinweis
auf den Knaur Verlag, wo das Buch im Jahr 2002 /2003 als Zweiteiler erschien.
Die damaligen Titel lauteten Die Geheimnisse des Nachtpalais und In den Händen
der Feinde. Den ersten Teil hatte ich damals bereits gelesen und für
ausserordentlich gut befunden. Daher bin ich dem Verlag Lyx dankbar, dass der
Roman nun vollständig in einem Band vorliegt. Der Beginn der Trilogie ist der
Anfang einer intriganten Erzählung die sich erst ganz langsam dem Leser
erschliesst. Die Autorin Jacqueline Carey beginnt, indem sie gleich einem
mittelalterlichen Gobelin, eine Welt aufbaut und beschreibt, die in ihren
Einzelheiten unglaublich intensiv ist. Ähnliches kannte ich nur von Brian Aldis
und seinem 1978 bei Heyne erschienenen Werk Der Malacia-Gobelin. Die Erzählung
hat viel mit historischen, erotischen und thrillerähnlichen Geschichten
gemeinsam. Keine der drei genannten Eigenschaften beherrschen die Handlung.
Phèdre D’Angeline begleitet uns, oder besser gesagt, wir sie, in einer
eindrucksvollen Welt. Leserinnen wie Leser werden schnell von ihr gefesselt
sein, wenn sie den Lebensweg folgen und die Neigungen der Personen vorbehaltlos
annehmen. Jacqueline Carey überzeugt.
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