Ernst-Otto Czempiel: Weltpolitik im Umbruch: Die Pax Americana, der Terrorismus und die Zukunft der internationalen Beziehungen

Weltpolitik im Umbruch: Die Pax Americana, der Terrorismus und die Zukunft der internationalen Beziehungen

Verlag: Verlag C. H. Beck [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Politik
ISBN-13 978-3-406-49416-1

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Das vorliegende Buch des Frankfurter Politikwissenschaftlers Czempiel ist meines Erachtens sehr wichtig. Nach seinem bahnbrechenden Werk "Kluge Macht" aus dem Jahre 1999 legt er hier eine Neuauflage seines 1993 erschienenen Klassikers "Weltpolitik im Umbruch" neu auf. Seine wichtigste These ist, dass die Politik auf die Veränderungen in den 1990-ger Jahren, insbesondere den zunehmenden Einfluss der sogenannten "Gesellschaftswelt" nicht genügend reagiert habe. Das furchtbare Attentat vom 11. September 2001 in den USA sei vermeidbar gewesen, hätte sich die Politik auf diese Veränderungen seit 1990 eingestellt. Nun muss man Czempiel in seiner Gewichtung nicht folgen. Er gehört zur sogenannten "liberalistischen" Schule in den internationalen Beziehungen, die in der Beschaffenheit des Herrschaftssystems die eigentliche Ursache von Konflikten in den Internationalen Beziehungen sieht. Diese Sichtweise ist umstritten - man lese als Konstrast nur Publikationen von Werner Link, etwa "Die Neuordnung der Weltpolitik" von 1998, der zeigt, wie wichtig Realpolitik der Nationalstaaten immer noch ist.
Wichtig und unverzichtbar ist das Buch meines Erachtens aufgrund der Einschätzung der Politik der amerikanischen Administration unter Bush Junior (Kapitel 2 und 3). Czempiel beschreibt ausführlich die Politik der USA in den 1990-ger Jahren und knüpft an Beobachtungen seines eigenen Werkes "Machtprobe" von 1989 an. Seine sicherlich provozierende, aber meines Erachtens durchaus korrekte These: Mit der Regierung Bush sei eine Administration an das Ruder gekommen, die von Anfang an jeglichem Multilateralismus eine Absage erteilt habe (S. 92) und selektive Weltherrschaft als "Pax americana" anstrebe. Der 11. September habe Bush die Gelegenheit gegeben, diese Politik zu verwirklichen (S. 106). Diese von Bush betriebene Politik sei Geopolitik klassischen, nicht jedoch modernen Stils (S. 138). Eine "Pax americana" sei als Folge dieser eingeschlagenen Politik ausgesprochen wahrscheinlich. Deutlich werde dies am Konzept des globalen Präventivkrieges (S. 179). Hierzu muss gesagt werden, dass diese Sicht natürlich sehr einseitig ist, da diese von Bush herausgegebene "Nationale Sicherheitsdoktrin" zwar präemptive, jedoch keine Präventivkriege erlaubt (vgl. dazu: Karl-Heinz Kramp: "Von der Prävention zur Präemption? Die neue amerikanische Sicherheitsstrategie" in: "Internationale Politik", Dezember 2002, S. 19-24). Die Frage, ob Bush mit dem von der UN vermutlich nicht legitimierten Irak-Krieg gegen seine eigene Doktrin der Präemption (Prävention ist nicht erlaubt), verstößt, müsste also genauer untersucht werden. Tatsache ist meines Erachtens jedoch, dass mit Ausbruch des Irak-Krieges die von Czempiel in diesem Buch bereits 2002 ausgesprochenen Befürchtungen höchste Aktualität bekommen haben, wie ein Kritiker Czempiels, Gregor Schöllgen, ein Anhänger der realistischen Schule in den Internationalen Beziehungen, in einer Rezension dieses Werkes in der Wochenzeitung: "Die Zeit" zu recht festgestellt hat. Wenn aber die Prophezeiungen Czempiels bisher gestimmt haben, so besteht größter Anlass, seinen Empfehlungen, die insbesondere auf eine stärkere Beachtung der "Gesellschaftswelt" und auf eine aktivere Rolle der westeuropäischen Verbündeten drängt, um Alternativen zu der Politik Bushs anzubieten, befolgt werden sollten.
Fazit
Wie immer man zu Czempiel und seinen Thesen stehen mag: Es handelt sich um ein wichtiges, wenn auch sicherlich einseitiges Buch, welches meines Erachtens zu den wichtigsten politischen Neuerscheinungen des Jahres 2002 gehört. Unbedingt lesen!
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 03. April 2003

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