Bizarre Wortwelten blühen in René Sommers "Eine Störung erreicht
Westeuropa"; Beispiele für die Bilderflut bietet nicht nur die erste Zeile
des Titelgedichtes - - "schon bald soll es/weiß gepolsterte kissenmonster
geben/die ohne sonnenbrille & schminke/eine fantasie für orgel/&
toilettenspülung spielen/hennen/die dem wolf die tür öffnen/&lackstiefel/welche
ohne frau spazieren gehn". Das Gedicht wird zunehmend kritisch gegenüber
denjenigen, die "auf der schaukel aus glas schweben" und sich
"fragen woher eigentlich der wind kommt"; an dieser Stelle ist Sommer
auf dem Sprung zur trögen Gesellschaftskritik heutiger Tage heutiger Autoren,
doch, und das macht diesen Gedichtband zu einem guten, er -springt nicht-.
Sommer bleibt in allen Gedichten kritisch, doch er moralisiert nicht; er ist
intelligent, jedoch nicht altklug, nicht aus Kreide, Duden oder Elfenbein;
"entdeckungsreisen quer durch den kopf", das möchte Sommer. In seinem
Kopf hat er u. a. Andy Warhol, Jim Morrison, Godot, einen ungenannten
Schuhputzer, Schubert, Goethe, Bach; Fragen zur "aktuellen lage des
jazz" finden ihren Antworter; Briefträger, die seit "5 Jahren schwarz
arbeiten", können ihr Gewissen kühlen; Leute, die beabsichtigen,
"Fußgängerforscher" zu werden, werden auf die Berufsrisiken aufmerksam
gemacht.
Fazit
Sommers "Ströung", verwegen, ein bißchen verkokst, vernagelt,
verträumt, verschroben, insgesamt aber konsequent, dingfest, erlebbar; ein
Augen- und Leseschmaus.
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