Sie gilt, zusammen mit Nelly Sachs und Else Lasker-Schüler, als bedeutendste
deutschsprachige Lyrikerin der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die
Erschließung ihres Werkes gipfelt mit den sämtlichen Gedichten in drei Bänden in
einem nächsten Höhepunkt. Damit hat der Wallenstein-Verlag sich nicht nur
selbst, sondern vor allem allen, d. h. den wenigen Kolmar-Liebhabern einen
Gefallen getan. Vom den drei einzelnen, nebeneinander gestellte Bänden strahlen
uns schöne, zugleich furchtsame Augen an, die in ihrer seltsamen Entrückheit
"Frau Kafka" vermuten lassen; die starken Augenbrauen multiplizieren
den Ernst des Gesichtes; und das pechschwarze Haar (pechschwarz - - ich schreibe
das, ohne zu vergessen, dass Kolmar 1943 in Ausschwitz umkommt) macht ihren
Ernst finsterer und ihre Schönheit dämonischer. Was ihr Gesicht verrät, verraten
ihre Gedichte doppelt: mythische Begebenheiten, Auseinandersetzungen mit
Geschichte, Ausgrenzung, Toleranz, Traum und Schattenwelt, Liebe, Sünde,
Begehren, Verbot, Beziehungen zwischen Pflanzen, Tieren und Menschen usw. Diese
Fülle an lyrischem Schaffen wird hinterleuchtet von einem soliden Werkkommentar,
der, glücklicherweise, nicht akademisch verschroben, sondern leicht, flüssig,
jedem zugänglich und gerade dadurch tief daherkommt.
Fazit
Diese drei Bände sind keine kleine Kostbarkeit; und sie werden sicher nicht
viele Käufer finden; wer jedoch Kolmars Zeilen begegnet, wird merken, es sind
mehr als Zeilen, und es ist mehr ein Buch, was er sich hier zulegt.
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