Stephen King: Mind Control

Mind Control

Verlag: Wilhelm Heyne Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Thriller
ISBN-13 978-3-453-27086-2

Preis: 22,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 10. Dezember 2016]
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Spannender und passender Abschluss der Trilogie

Wenn da dieser Schmerz an der Seite in Magenhöhe nicht wäre, Bill Hodges würde ja gar nichts sagen, nichts beklagen an seinem aktuellen Leben. In Ruhestand gegangen, mit der Weggefährtin Holly, die damals "Mr, Mercedes" mit einer mit Stahlkugeln gefüllten Socke so ziemlich endgültig außer Gefacht gesetzt hatte (dauerhaft zu "Gemüse" degradiert, könnte man auch sagen, wenn man die Hirnverletzungen des Mörders Brandy Hartsfield näher beleuchtet) Einen privaten Ermittlerdienst auf den Weg gebracht. Es läuft. Wenn auch ruhig. Wie erwähnt, bis auf diese Schmerzen.

Um die sich Hodges aber gerade nicht kümmern kann, denn gerade, als der Arzt ihn zur Auswertung verschiedener Tests aufruft, steckt sein Alter Partner Pete ihm ein ungewöhnliches Verbrechen. Doppel Suizid. Und das von mindestens einer Frau, die damals vom alten Mercedes gezielt mit überrollt worden war. Was verständlich wäre, im Übrigen, denn viel an echtem Leben war dieser Frau und pflegenden Mutter nicht mehr möglich gewesen. Doch das wird nicht der einzige Selbstmord bleiben. Und warum findet sich bei jedem der Betroffenen eine alte Spielkonsole, die schon lange vom Markt verschwunden war? Und warum sind die alle so versessen darauf, sich auf diesem "Zappit" oft nur die Demo eines Spieles, "Fisher Hole" anzusehen?

Je tiefer Hodges, nicht zuletzt getrieben auch von Holly, in diese für ihn unbekannte Technik eintaucht und als die beiden eine dazugehörige Homepage entdecken und als Jerome's Tochter, des Dritten im Bund von damals, sich vor ein Auto zu werfen gedenkt, wird das Undenkbare denkbar. Kann es sein, dass das durch und durch Böse Stück Fleisch in Zimmer 217 der Klinik doch noch zum Denken fähig ist? Auf eine Art und Weise "wieder erweckt", die so nicht geplant war, dennoch aber Früchte getragen hat? Dass Dr. Babineau, der behandelnde Arzt, da was in Gang gesetzt hat, was er eigentlich gar nicht gewollt hatte? Das sind erst Fragen, die noch an der Oberfläche kratzen. Denn es ist viel schlimmer, als Hodges und Holly Gedacht hätten. Und wird noch schlimmer werden. Dann eines ist Hartsfield grundlegend auf jeden Fall. Tief auf Rache aus.

Stephen King schreibt, wie gewohnt, fließend, intensiv, erzeugt dichte Atmosphären und behält dennoch eine Leichtigkeit, die das Lesen zum Vergnügen macht. Und, ebenso wie immer, lässt er sich Zeit, gibt dem Aufbau der Spannung viel Raum. Die er nutzt, um tiefer und tiefer in die Persönlichkeiten der Beteiligtene einzutauchen, auch solche zu benennen und emotional mit dem Leser zu verweben, die eher Nebenrollen spielen, die fast gar nicht weiter vorkommen, wie die neue Partnerin seines alten Freundes Pete im Polizeidienst.

Denn am Ende wird sich zeigen, wie alles mit allem zusammenhängt, wie Nebensächlichkeiten, hier ein "nicht-Ernstnehmen" des Falles durch die neue Partnerin von Steve erst die Türen für die weitere Entwicklung "des Plans" öffnet. Wobei im Gesamten die Hommage an Thomas Harris "Lecter" erkennbar als Motiv im Raum steht. Gefangen, gesichert, dennoch in der Lage, zu manipulieren und die Gedanken von änderten zu lenken, das verbindet Brady Hartsfield ohne Weiteres mit Hannibal Lecter.

"Wir sind dazu geschaffen, zu beharren. Und dadurch finden wir heraus, wer wir sind".

Ein Wahlspruch, der für alle Beteiligten gilt und bei dem sich erst im spannenden, breiten Finale zeigen wird, wessen Beharrungskräfte stärker sein werden. Um, ganz am Ende der Geschichte, zu erleben, dass letztlich alle Beharrungskräfte nicht ausreichen werden. Aber das ist dann schon ein anderer Gedanke, den King dem Leser unverblümt und melancholisch mit auf den Weg gibt.
Fazit
Ein hervorragend geschriebener, leicht und flüssig zu lesender, spannender Abschluß (und wirklicher Abschluss) der Trilogie um. Bill Hodges Kampf gegen "Mr. Mercedes", Brady Hartsfield. In dem, wie schon lange bei King, nicht mehr übernatürlicher Horror die Regie führt, sondern filigrane, Realitätsnähe Verflechtungen von Figuren und Ereignissen ein in sich passendes Ganzes ergeben werden.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne
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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 26. September 2016

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