Arthur Miller: Hexenjagd

Hexenjagd

Verlag: Fischer Taschenbuchverlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: klassische Literatur
ISBN-13 978-3-596-27108-5

Preis: 7,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 01. Januar 1970]
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Ich habe Arthur Millers "Hexenjagd" im Theater gesehen und bin stark beeindruckt. Miller hat einen historischen Stoff aus den Pioniertagen der amerikanischen Geschichte neu geformt. Die Kleinstadt Salem lebt in einer streng hierarichisch-puritanischen Gesellschaftsordnung, überwacht von Moralgesetzen, von Tabu- und Verhaltenszwängen. Eines Tages wird die Nichte des sehr bigotten Pfarrers von Salem, die im Haushalt des Bauern John Proctor, eines gewissenhaften und ehrlichen Mannes arbeitete, von dessen Frau entlassen, weil sie ihren Mann beim Ehebruch mit dieser Nichte, Abigail Williams, erwischt hatte. Doch die Nichte ist äußerst verschlagen: sie klagt ihre Rivalin der Hexerei an und entfacht eine derartige Atmosphäre an Hass und Fanatismus, dass das Unheil seinen Lauf nimmt: von ihrem bigotten Onkel angeklagt, verurteilt das Gericht unter dem stellvertretenden Gouverneur Danforth, einem üblen Inquisitor vom Typ Freislers oder Wyschinskis, der Henkerjuristen Hitlers und Stalins, seine Gegner zum Tode. Doch John Proctor trägt noch am Schluss einen entscheidenden Sieg davon: er weigert sich, sein mündliches Schuldgeständnis zu unterschreiben und sich dadurch sein Leben zu retten: lieber stirbt er und bewahrt so seine Würde.
Ein außerordentlich beeindruckendes politisches Stück vor dem Hintergrund der McCarthy-Ära in den USA in den 1950-ger Jahren, aber sicherlich ohne die oben genannten Schauprozesse unter Hitler und Stalin nicht denkbar. Jede Form von Intoleranz und Hass wird verurteilt - es wird aber auch gezeigt, wie leicht es ist, angeblich edle Zwecke (hier Anklage der Hexerei zur angeblichen Verteidigung des reinen Glaubens) für niedere Motive (Hass, Eifersucht, Rachsucht) vorzutäuschen.
Fazit
Ich habe das Theaterstück gesehen und frage mich: wann endlich gibt es Toleranz? Wann endlich lernen die Menschen, dass durch Bigotterie und Aberglaube die menschlichen Werte des Miteinanders zerstört und ein Klima der Angst, der Furcht und des Hasses geschaffen wird, welches der ideale Nährboden für Diktaturen ist, die ihre unbequemen Gegenspieler zu Feinden der Menschheit etc. erklären und damit ausschalten? Ein Lehrstück über die Verführbarkeit des Menschen - immer wieder aktuell. Unbedingt lesenswert. Vergleichbar ist "Eine Messe in der Stadt Arras" von Andrzej Sczypiorski.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 12. März 2004

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