Angelicka Eck (Hg.): Der erotische Raum

Der erotische Raum

Verlag: Carl-Auer Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Psychologie & Psychotherapie
ISBN-13 978-3-8497-0096-6

Preis: 29,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 07. Dezember 2016]
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Lustlosigkeit als Kompetenz

Es ist eine nicht neue, nichtsdestotrotz aber immer wieder individuell drängende und wichtige Frage. Die Frage der Frauen nach der Lust, spezieller und genauer eben spürbare Unlust. "Wollen wollen", aber nicht in dieser Richtung empfinden können ist eine der zentralen Fragen weiblicher Sexualität in der Psychotherapie. Gerade weil in diesem Feld auch das "Willen wollen" (natürlich nicht im erotischen Sinne) der Therapeuten eine große Rolle spielt. Die Therapie bei sexueller Unlust, sowie anderer sexueller Störungen, gilt als schwierig, langwierig, nicht immer aussichtsreich, zumindest immer aber ergibt sich ein zäher, schwieriger Prozess der Therapie. Die Autoren dieses Buches setzen daher, völlig zu Recht, zwei Schwerpunkte.

Zum einen wird die sexuelle Unlust als Teil der weiblichen Sexualität sehr genau erfasst, beschrieben und in ihren vielfältigen Erscheinungsformen aufgenommen. Durchaus auch gewürdigt, denn letztendlich ist die Prämisse des Buches klar und liegt auf der Hand: Gegen das eigene Empfinden, gegen die eigene "Lustlosigkeit" wird sich keine Lösung finden lassen. Somit ist "Lustlosigkeit" tatsächlich als Kompetenz und Ressource zu verstehen, mit der gearbeitet werden muss. Sowohl auf der Seite der "Lust", als auch auf Seiten der ambivalenten Empfindungen, der weitreichenden Fantasien, der Kenntnis und der Zuwendung zum eigenen, weiblichen Körper.

Alles Elemente, die im Buch sachlich, ruhig, tiefgreifend und überaus konstruktiv aufgenommen werden und damit vielfache Impulse geben, sich selbst als Frau seinem Körper, der eigenen Haltung und Empfindung Sexualität gegenüber und der Möglichkeit, den eigenen Weg zwischen "Wollen" einerseits und "nicht Wollen wollen) anderrseits Schritt für Schritt anzugehen. Aber auch die Berater/Therapeutenseite rücken die Autoren im Buch in den Blick. In Fragend er Konstruktion von "Ist- und Sollwert", in Fragen der zugrunde gelegten Arbeitshypothesen und Prämissen und in vielfachen Hinweisen aus der Praxis heraus, was sich als sinnvolle Herangänge und Instrumente bisher erwiesen haben.

Lust und Werte, die historische Genese von Faszination an der Lust der Frau und deren gleichzeitiger Unterdrückung, weil zugleich auch als bedrohlich empfunden spielen dabei ebenso für den gegenwärtigen Status Quo eine gewichtige Rolle, wie die Anforderungen der "modernen Welt" mit ihren freiheitlichen Möglichkeiten, damit einhergehend aber auch einer "Verrätselung der Frage nach dem eigenen Begehren".

Durch die wissenschaftliche Sprache, die das Verstehen für den interessierten Laien nicht immer einfach gestaltet, fordert die Lektüre Konzentration, lohnt sich aber immens allein schon ob der Breite der Herangehensweise und der sehr wertfreien und klaren Schilderung von Hintergründen und Ausdrucksformen weiblicher Sexualität, auch der wertschätzenden Annäherung an die "gehemmten Seiten" der weiblichen Erotik.

Als Schutz vor Stress, als Differeenzierung eben auch im Blick auf Abneigungen, im Rahmend er inneren psychosexuellen Entwicklung und in andren Bereichen ist "Hemmung" als Ressource zu verstehen. Ohne das Problem damit auszuklammern und unter Aufnahme der vielfachen belastenden Begleiterscheinungen und auch der möglichen Ursachen der "Unlust" ergibt sich nach der Lektüre ein umfassendes und fundiertes Bild vom Weg der Erotik und des Begehrens, der nicht "angeboren" ist, sondern schrittweise im Zuge der Entwicklung erlernt wird.
Fazit
Wie Störungen in dieser Entwicklung dann auch ganz praktisch bearbeitet werden können, auch darüber gibt das Buch Auskunft.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 22. April 2016

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