Britt Bolt: Das Haus der verlorenen Seelen

Das Haus der verlorenen Seelen

Verlag: Hoffmann und Campe [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Krimi
ISBN-13 978-3-455-40563-7

Preis: 22,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 10. Dezember 2016]
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Posthumus zum Zweiten

Nahtlos knüpft der neue Kriminalroman von Britta Bolt um ihren "merk-würdigen" Amsterdamer Ermittler Pieter Posthumus an die Atmosphäre des vorhergehenden Erstlingswerkes an. Noch immer lebt Posthums in "seinem Viertel", dieses Grenzgebiet zwischen "normalem" Leben in Amsterdam, Touristenzentrum und angrenzendem Rotlichtmilieu. Und weiterhin schlägt sein Herz (allerdings nicht ständig offen für jeden ersichtlich) für Anna, die Betreiberin seiner Stammkneipt, "Der dolle Hund", in dem sich jeden Sonntag mit Kuchen und Kaffee die Nachbarschaft wie im eigenen Wohnzimmer trifft. In diesen Räumen beginnt der Roman zudem und zeigt damit bereits auf, dass die altehrwürdige Gaststätte der räumliche Mittelpunkt allen Geschehens letztendlich ist.

Und ebenso umgehend geschieht das brutale, unfassbare Verbrechen, dass die herbe Beschaulichkeit des Viertels erschüttert. In der benachbarten Pension, in welcher Marloe seit Jahr und Tag gestrandeten jungen Menschen eine Bleibe gibt und eine Perspektive versucht, mit auf den Weg zu geben, wird einer der jungen Männer, ein ehemaliger Stricher, blutüberströmt und tot in seinem Zimmer aufgefunden. Was vor allem Marloe völlig aus der Balance bringt (wozu aber nicht viel gehört, kennt man sie erst einmal näher).

Posthumus ist als erster vor Ort, kann gar nicht anders, als seinen Blick gründlich schweifen zu lassen, beschließt über Nacht dann aber, es nicht mehr "falsch" anzugehen, wie beim letzten Mal, sondern der Polizei die Arbeit zu überlassen. Ein ehrlicher gemeinter, aber frommer Wunsch, als die Dinge eskalieren und zunächst Marloe verhaftet wird. Monate später kommt es zum Prozess, da wird Posthumus gar nicht anders können, als einzugreifen, denn für ihn sind all diese Leute Familie und nicht nur irgendwelche zufälligen Nachbarn.

Eine Entscheidung, sich dem Fall zuzuwenden, die Gefahr in sich trägt, wie Posthumus bald bereits merken wird. Neben den sehr besonderen, liebevoll und mit vielfachen Schattierungen gestalteten Personen des Romans spielt der Ort selbst eine mindestens ebenso wichtige und gewichtige "Hauptrolle". Bolt versteht es ganz ausgezeichnet, die Straßen, Wege, Gebäude und Zimmer zu beschreiben und ebenso der aktuellen Atmosphäre eine Stimme zu geben.

Veränderungen, Modernisierungen, der Kampf um den Bestand des eigenen, kleinen Geschäftes so mancher Anwohner, all dies findet Platz und wird breit, aber nicht den Fluss der Geschichte störend oder sich aufdrängend, beschrieben. Ein Stil, der den Leser mitten hinein nimmt in diesen Ort, in diesen ruhige erzählten Fluss der Ereignisse.

"Ich wollte nur sagen, dass Amsterdam schon immer seine dunklen Ecken hatte. Aber das ist eine Stärke. Was da auf De Wallen versucht wird, ist Teil eines größeren Vorhabens aus Amsterdam eine sterile Stadt zu machen - schön sauber, nett und aufgeräumt". Wie scheinbar heutzutage alles sauber und ordentlich zu sein oder dringend zu werden hat.
Fazit
Ein kluger Fall, ein Ausgeprägtes Lokalkolorit und differenzierte, durchaus auch gebrochene Figuren machen auch den zweite Fall des Pieter Posthumus zu einer empfehlenswerten Lektüre.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 11. April 2016

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