Margit Stamm: Lasst die Kinder los

Lasst die Kinder los

Verlag: Piper Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-492-05711-0

Preis: 24,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 07. Dezember 2016]
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Den "Helikopter" landen

Viel ist in den letzten Jahren geschrieben und gesagt worden zum Phänomen der "Helikoptereltern". Zu jener Haltung zwischen "Management der eigenen Kinder" von früh an (in bester Absicht) bis hin zu jener Betrachtung von "Über-Behütung", die bereits in Kindergärten und Grundschulen von Beginn an ansetzt, mit Erziehern und Lehrerinnen den engen Kontakt sucht.

Eine Haltung sicherlich mitbegründet angesichts einer differenzierter werdenden Welt, in der vermeintlich nur "die Besten" einen einigermaßen gesicherten Platz finden werden. Gepaart mit der zunehmenden doppelten Berufstätigkeit der Eltern (und der Zahl der Alleinerziehenden), entsteh so eine Gemengelage aus Ganztagsschulen, Betreuungen, einer Verdichtung und Erweiterung des Schulstoffs auf den weiterführenden Schulen, die scheinbar den "vollen Einsatz" von Eltern erfordern.

Doch, und das fragt nicht nur Margit Stamm zurecht, wo bleibt da der Freiraum? Die Kindheit und Jugend als auch Erlebniswelt? Als eigener Lernort für Kinder und Jugendliche, die u.U. schon von klein auf an durch Smartphones "überwacht" werden, zumindest in ihrem Aufenthaltsort? Die im Kindergarten am besten bereits mit der ersten Fremdsprache beginnen, bei denen die Nachhilfeindustrie einen Boom erlebt. Kinder, die sich einer wesentlich engeren Rahmung und Kontrolle und Forderungen gegenübersehen, als es bis dato in allen Generationen vorher der Fall gewesen ist.

Nun mag es auch nicht die Krone der Erziehung gewesen sein, noch vor 80-100 Jahren Kinder einfach "nebenbei mitlaufen" zu lassen, doch gerade für eine gesunde Entwicklung, für eine Chance auf eigene Erfahrungen und damit der eigenen Persönlichkeitsbildung benötigen Kinder Freiräume. Experimente. Abenteuer.

So plädiert Margit Stamm zurecht und, sehr fundiert, auch überzeugend für eine "Entspannung". Für eine Beendigung, zumindest ein deutliches "Abstand nehmen" von "Förderwahn und Überbehütung". Und das nicht nur zum Wohl der Kinder, auch zum "Profit der Eltern".

"Je mehr unsere Gesellschaft Erfolg und Versagen den Müttern und Vätern zuschreibt und dabei mit Angstszenarien argumentiert, desto größer werden ihre Verantwortungs- und Schuldgefühle".

Je weiter die Lektüre fortschreitet, desto klarer wird, das Margit Stamm sehr sachlich Dinge versucht, wieder "zurecht-zu rücken", die "ver-rückt" worden sind. Mit dem Blick auf eine "Win-Win" Situation, die Eltern ein Mehr an Loslassen und eigener Entspannung erlaubt (man kann einfach nicht das Leben eines anderen, auch nicht des eigenen Kindes stellvertretend leben und regeln) und den Kindern damit ein Mehr an Freiraum für eine ganz eigene Erkundung der Welt überlässt.

Eltern sind "nicht an allem schuld" und statt des eher verkrampften und verkrampfenden Versuchs, "perfekte Eltern" zu sein oder zu werden, ist es der vielleicht bedenkenswert bessere Weg, "hinreichend gute Eltern" zu sein.
Fazit
Trotz der sehr sachlichen, teils wissenschaftlichen Sprache lesen sich die Einlassungen Stamms lesenswert und hilfreich und bieten nicht "einfach so", sondern mit Sinn und Verstand andere Denk- und Lebensmodelle für den Umgang mit den eigenen Kindern an, als sich zu sehr in die Erfahrungswelt und das Erleben der Kinder kontrollierend und bestimmend einzubringen.

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre für alle Eltern.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 04. April 2016

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