Wilhelm von Sternburg: Die deutschen Kanzler: Von Bismarck bis Kohl

Die deutschen Kanzler: Von Bismarck bis Kohl

Verlag: Aufbau Verlagsgruppe [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-7466-8032-3

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Der vorliegende Band "Die deutschen Kanzler", zuletzt aktualisiert 1998, enthält biographische Portraits der deutschen Kanzler von Bismarck bis Kohl. Jeder Kanzler wird von einem ausgewiesenen Kenner portraitiert, wobei insbesondere Rudolf Augsteins Bismarck-Portrait, Fritz Fischers Darstellung Bethmann Hollwegs, des "rätselhaften Kanzlers" faszinieren. Viele heutzutage schon vergessene Kanzler, etwa Graf Hertling, Gustav Bauer etc. werden portraitiert. Sehr gelungen auch das Portrait Gustav Stresemanns aus der Feder des Herausgebers Wilhelm von Sternburg und Detlef Junkers Portrait von Brüning, des ersten Präsidialkanzlers der Weimarer Republik von 1930-1932. Kurz, jedem historisch Interessierten, dem sich - wie mir - Geschichte durch Biographien erschließt, ist dieser Band zu empfehlen. Er ist wesentlich besser als Marion Gräfin Dönhoffs "Deutschland, deine Kanzler", da hier mehrere ausgewiesene Fachhistoriker den Kanzler, mit dem sie sich am meisten beschäftigt haben, portraitieren. Das düsterste Portrait ist natürlich dasjenige Hitlers aus der Feder Joachim Fests. Bei den Bundeskanzlern, die uns näherstehen, fallen parteipolitische Wertungen auf. So ist Weidenfels Adenauer-Portrait sehr sympathisch. Er habe seine Ziele verwirklichen können und sei von seltener Souveranität gewesen. Auch die Portraits der sozialdemokratischen Kanzler Brandt und Schmidt werden von engen Weggefährten bzw. Bewunderern geschrieben. Brandt wird von seinem Redenschreiber Klaus Harprecht äußerst wohlwollend portraitiert. Der "Macher" Helmut Schmidt von Zeit-Herausgeber Sommer als "Mann der Stunde" bezeichnet, der sich "um das Vaterland verdient gemacht habe". Jürgen Leinemanns Portrait von Helmut Kohl dagegen ist eher kritisch-distanziert abgefasst, wobei Kohl zum Zeitpunkt des Erscheinens des Buches noch im Amt gewesen ist. Dennoch erschließt sich in ungeahnter Art und Weise sehr plastisch die deutsche Geschichte von 1871 bis 1998, wobei natürlich 3 Portraits fehlen, nämlich die der wirklich mächtigsten Männer ihrer Zeit: der beiden Hohenzollern-Kaiser Wilhelm I. und Wilhelm II. (den nur 3 Monate im Amt befindlichen Friedrich III. spare ich hier aus). Außerdem wäre natürlich ein Portrait des zweiten Reichspräsidenten Weimars, Paul von Hindenburg, angebracht gewesen. Leider sind aber nur die Regierungschefs portraitiert, auch wenn sie bis 1945 weniger Machtbefugnisse hatten als die Staatsoberhäupter. Ebert und Hitler finden sich nur deshalb in der Liste, weil sie beide auch Reichskanzler gewesen sind: Ebert zwischen 1918 und 1919 vor seiner Wahl zum ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik, Hitler, weil er Reichskanzler war und erst nach Hindenburgs Tod im August 1934 auch Staatsoberhaupt wurde. Insofern sind die Portraits, so lesenswert sie sind, in dieser Hinsicht unvollständig. Vielleicht kann dies bei einer Neuauflage korrigiert werden. Insgesamt nicht nur "ein lesenswertes Buch", wie die Westdeutsche Allgemeine bilanziert, sondern ein faszinierendes Lesebuch über 100 Jahre deutsche Geschichte, deren Höhen und Tiefen anhand der Biographien "erlebbar" werden.
Fazit
Ein sehr interessantes, informatives und sehr gutes Buch für jeden Geschichtsinteressierten.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 23. Februar 2004

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