Wladimir Tutschkow: Der Retter der Taiga

Der Retter der Taiga

Verlag: dtv [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-423-24367-4

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Wladimir Tutschkow, 1949 in Moskau geboren, gehört sicherlich zu den talentiertesten russischen Gegenwartsautoren. Auf den vorliegenden Band wurde ich durch die Buchmesse 2003 aufmerksam. In kurzen Erzählungen schildert er die neureiche russische Gesellschaft. Der Autor wurde - meines Erachtens zu recht - als Meister des Skurrilen bezeichnet und hat mich in vielem an Nikolaj Gogol erinnert, der ebenfalls zu seiner Zeit den Alltag auf fast surrealistische Weise nachgezeichnet hat. Ob man sie wirklich als die "besten Erzähllungen des Jahres" bezeichnen kann, bleibt natürlich Geschmacksache. Auch die Werke von Alexander Ikonnikow haben mir sehr gut gefallen. Aber auch Tutschkows Geschichten, die in der Tat vom absoluten Bösen handeln, zeigen, zu welchen Handlungen die Menschen in einer Gesellschaft fähig sind, in der es keine Werte gibt. Insofern haben mich die Erzählungen auch an die Romane Andrej Kurkows "Picknick auf dem Eis" erinnert. Ein "Happy end" gibt es nicht und Gerechtigkeit? Danach kann man lange suchen. Vielleicht ist ein Satz aus der Erzählung: "Der Herr der Steppe" für Tschuikows Intention bezeichnend: Dimitri, der Held, liest seine Lieblingsautoren Fjodor Dostojewski und Leo Tolstoi und "genoss die niederträchtigen Momente, in denen das Böse über das Gute triumphierte." Diesen Eindruck hatte ich von allen Geschichten: da heuert Steve in: "Die zwei Brüder" seelenruhig einen Killer an, um seinen Bruder umzubringen, da er an das väterliche Erbe kommen möchte. In der Erzählung: "Das Leben endete mit einem Herzschlag" scheut sich ein Mann nicht, seine Frau ermorden zu lassen, um an das Geld der Lebensversicherung zu kommen. Doch die Killer wollen sich mit dem vereinbarten "Lohn" nicht zufriedengeben. Um das Geld zusammenzubringen, ermordet der Mann noch seinen eigenen Sohn. Doch dies nutzt ihm nichts.
"Moral und Sittlichkeit hat derzeit niemand, der sich in die Einsamkeit zurückgezogen hat." Dieses Credo des Autors - ich beziehe mich auf das Nachwort - sind das Leitmotiv der Geschichten, die sehr an Stories von Jack Ritchie erinnern. "Klug, beunruhigend, perfekt" heißt es auf der Rückseite des Buches.

Stilistisch nicht so ausgefeilt wie Ikonnikow oder Kurkow (daher vergebe ich nicht die volle Punktzahl) zeigen die Erzählungen den "amoralischen Menschen" und läßt den Leser tief beunruhigt zurück? Sieht so die "schöne neue Welt" der Gegenwart und Zukunft aus?
Fazit
Mir ist die Gänsehaut bei der Lektüre einiger Geschichten heruntergelaufen. Dass dem Autor dies gelungen ist, spricht für seine inhaltliche Qualität.
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne

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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 23. Februar 2004

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