Richard Ned Lebow: Between peace and War: The Nature of International Crisis

Between peace and War: The Nature of International Crisis

Verlag: John Hopkins University Press [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-0-8018-3247-5

Preis: 19,90 Euro bei Amazon.de [Stand: 01. Januar 1970]
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Das obige Buch gibt einen guten Überblick über Ursachen, Verlauf und Entstehen von Krisen. Ich selber habe sehr viel darüber gelernt. Der Autor zeigt, wie wichtig Fehlwahrnehmungen und Fehlkalkulationen sind. In Anlehnung an Robert Jervis argumentiert er, Außenpolitik werde durch eigene Werturteile über die vermeintlichen Pläne und Absichten anderer Staaten beeinflusst. Wenn diese Urteile einmal festgelegt seien, könnten sie als stereotype Wahrnehmung zu Vorteilen werden und damit die Lösung von Krisen verhindern, da Missverständnisse und Fehlkalkulationen auf der eigenen Seite verhinderten, die Absichten des Gegenspielers vorurteilsfrei zu analysieren. Dies zeigt der Autor anhand zahlreicher Krisen auf., die er als "Learning experience", also als Chance, daraus zu lernen, begreift. So führte die Kuba-Krise zur Entspannung, weil beide Gegenspieler einander zunehmend vertrauten. "The Chinese ideogram for crisis connotes both: danger and opportunity. Until now we have examinated only the dangerous side of crisis, the possibility that it will lead to war. But crisis can also faciliate the resolution of conflict and reduce the probability of future confrontations." (S. 309). Krisen können also auch zur Vertrauensbildung beitragen. So wurde die Kuba-Krise zum "Katalysator der Entspannung" (S. 337). Die Kuba-Krise wird näher untersucht in dem Buch: "We all lost the cold war" desselben Autors. Dieses Buch ist sicherlich aktueller als das vorliegende. Dieses ist jedoch als theoretische Grundlage unverzichtbar. Es gibt meines Erachtens kaum ein besseres Buch über Ursachen, Struktur und Lösungsmöglichkeiten politisher Krisen. Es zeigt, wie wichtig offene Diskussion freie Meinungsäußerung in Krisenstäben ist. Dies wird hier konkret am Vergleich von Faschodah-Krise 1898 zwischen Frankreich und Großbritannien und Kuba-Krise 1962 zwischen USA und UdSSR untersucht. Die Faschodah-Krise konnte entspannt werden, weil Premierminister Salisbury eine offene Diskussion in seinem Krisenstab zuließ und Alternativmöglichkeiten deutlich wurden. Die Kuba-Krise wurde zwar auch gelöst, aber Kennedy engte die Lösungsmölichkeiten sofort ein: die sogenannte "diplomatische Option" kam nicht in Frage. Obwohl Verteidigungsminister McNamaha überzeugt war, dass, dass die sowjetischen Atomraketen auf Kuba keine Auswirkungen auf das gesamtstrategische Gleichgewicht hätten und sich daher aus seiner Sicht eine diplomatische Verhandlung mit den Sowjets angeboten hätte, wurde er gezwungen, diese Option zu vergessen und militärische Aktionen vorzuschlagen ("McNamaha was bludgeoned into accepting the need for forceful accounts"). Er schlug dann die - im Vergleich zu Luftangriffen und Invasion - gemäßigtere Blockade Kubas vor. Wie wichtig also Stereotype, Vorurteile und die Wahrnehmung des Andersdenkenden ist und wie wichtig es andererseits ist, den politisch Andersdenkenden nicht zu de! mütigen und alle Seiten ihr Gesicht wahren zu lassen, wird deutlich. Nur dann kann es zu Deeskalation von Krisen kommen. Faktoren, die zu Eskalation und Deeskalation von Krisen beitragen, werden ebenso untersucht. Es ist klar, dass ein Autor, der so dezidiert die politische Psychologie betont, den Denkansatz des "Vaters" der Realisten (einer Denkschule in den Internationalen Beziehungen), Thukydides in einem Schlusskapitel widerlegt (Thucydides rebutted), obwohl Thukydides - wie Gert Krell in seinem Buch: "Weltbilder und Weltordnung" zeigt - nicht unbedingt nur dieser Denkrichtung zugeordnet werden kann, sondern vielfältig interpretierbar ist.
Fazit
Krisen hätten nicht nur machtpolitische Ursachen, Kriegs- und Krisengründe seien vielfältig. Dies verdeutlicht zu haben, ist das Verdienst dieses großartigen Standardwerkes, welches zu den Besten gehört, die es zu diesem Themenbereich gibt.
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We all lost the cold war von Richard Ned Lebow, Janice Gross Stein

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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 23. Februar 2004

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