Till Raether: Blutapfel

Blutapfel

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Krimi
ISBN-13 978-3-499-26709-3

Preis: 14,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 06. Dezember 2016]
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Wer Adam Danowskis reduziertem Lebenstempo folgen will, sollte zunächst einen Gang herunterschalten. Der hochsensible und wenig belastbar wirkende Ermittler der Mordbereitschaft innerhalb der Hamburger Kripo ist seit seinem Abenteuer auf dem Kreuzfahrtschiff im Hamburger Hafen in Treibland noch immer in therapeutischer Behandlung. Mit seinem Kollegen Finzi ging es in der Zwischenzeit sogar so weit bergab, dass er im Pflegeheim untergebracht werden musste. Irgendetwas gibt es für Adam immer zu versieben. Sein dringendster Wunsch, er möchte von Frau, Kindern und Kollegen am liebsten in Ruhe gelassen werden. Adams Situation am Arbeitsplatz ist kritisch, seine Kollegen fühlen sich durch seine Hypersensibilität belastet. Im Zuge der bevorstehenden Pensionierung von Adams Chefin stehen der Abteilung grundlegende Veränderungen bevor. Doch selbst wenn Adam beruflich kürzer treten und seine Frau Karriere machen würde, verringerte das die Summe seiner Belastungen in Beruf und Familie nicht.

Adams ermittelt aktuell im Mord am Fahrer eines Q7 mitten im Verkehr des Hamburger Elbtunnels. Da auf keiner Überwachungsaufnahme ein Verdächtiger zu erkennen ist, muss der Täter mit dem Tunnelsystem bestens vertraut sein und sich zu Fuß vom Tatort entfernt haben. Wer würde einen vierzigjährigen hilfsbereiten Bilderbuchnachbarn wie Oliver Wiebusch erschießen? Und was will ein Täter vermitteln, der seine Munition signiert? Ein Tatmotiv ist für die Ermittler lange nicht zu erkennen. Das emotionsbesetzte Thema Tunnel führt Adam und seine Kollegin Meta bald zu einer virtuell vernetzten Clique, die brachliegende Gebäude und Bunker sammelt, die "Lost Places" der Zivilisation. Wenn jeder der Erste und Einzige sein will, kann das Urban Exploring der Randgebiete zu einer äußerst heiklen Konkurrenzsituation führen. Raether und Kollegen geraten mit ihren Ermittlungen schon bald an den Punkt, an dem sie sich selbstkritisch fragen müssten, ob dieser Fall sich nicht als eine Nummer zu groß für sie entpuppen wird.

In "Blutapfel" begibt Till Raether sich in die Bunker und Tunnel der Hansestadt, ein zwar nicht neues, aber noch unverbrauchtes Szenario. Der titelgebende Blutapfel als Zierfrucht steht augenfällig für den Kontrast zwischen Schein und Sein. Der Autor zeichnet ein fein beobachtetes Portrait einer Siedlung am Hamburger Stadtrand und wartet u. a. mit der Lebensweisheit des Brigitte-Redakteurs auf - unordentliche Zeugen sind immer interessant. Dabei unterhält Raether seine Leser in origineller, zu Adams reduziertem Temperament passender Sprache. Die Haupt- und Nebenfiguren sind sehr differenziert und liebevoll gezeichnet. Eine auffallend unauffällige Person aus Raethers ersten Krimi zieht noch immer ihre Fäden, und als Leser fragt man sich, was Tracey Harris ausgerechnet in Hamburg zu suchen hat, eine amerikanische Agentin mit Sprachkenntnissen von allen Konfliktherden dieser Welt. Leslies Wünschen und Ansichten als berufstätige Mutter kann man ausgiebig folgen oder beobachten, wie Adams Kollegin Meta ihm mit ihrem Interesse an seinen Problemen peinlich nahekommt. Die Zusammenarbeit der beiden wenig belastbaren Ermittler Adam und Finzi führt in der Summe zu bemerkenswerten Ergebnissen.
Fazit
Ein verschachtelter Plot, angesiedelt an den "Lost Places" Hamburgs, mit vom Leben deutlich belasteten Figuren wartet mit einigen Überraschungen auf. Volle Punktzahl!
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 30. Mai 2015

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