Pierce Brown: Red Rising

Red Rising

Verlag: Wilhelm Heyne Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Science Fiction
ISBN-13 978-3-453-26957-6

Preis: 16,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 04. Dezember 2016]
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"Ich hätte in Frieden leben können. Aber meine Feinde brachten mir den Krieg." Mit diesen einprägsamen Worten beginnt Pierce Browns sehr lesenswertes Erstlingswerk, das nun auch in deutscher Übersetzung vorliegt. In Browns erstem Band der "Red Rising"-Trilogie (der zweite englischsprachige Band "Golden Son" erscheint im Januar 2015) hat die Menschheit in der Zukunft das Sonnensystem kolonisiert. Die Gesellschaft ist in Kasten unterteilt, denen verschiedene Farben zugeordnet sind, mit der Masse der Arbeiter ("die Roten") am Ende und der Führungsschicht der "Goldenen" an der Spitze. Unter der Oberfläche des Mars arbeiten Millionen "Rote" und bauen Rohstoffe ab. Sie ertragen die harten Lebensbedingungen, denn ihr Ziel soll der gesamten Menschheit dienen: Den Mars für menschliches Leben umzuwandeln und die übervölkerte Erde zu entlasten.

Der Protagonist dieses Buches ist ein "Roter" namens Darrow, der zu Beginn etwa 16 Jahre alt ist. Als er erleben muss, wie seine geliebte Ehefrau (die Lebenserwartung der "Roten" ist aufgrund der harten Arbeitsbedingungen sehr gering) aufgrund eines harmlosen Protestes hingerichtet wird, zerbricht er. Er will sich ebenfalls das Leben nehmen, doch da wird Darrow von einer Gruppe Rebellen gerettet, die ihm eine niederschmetternde Wahrheit enthüllen: Die Marsoberfläche ist längst durch Terraforming verändert, hunderte Städte existieren dort in blühenden Landschaften. Die "Goldenen" leben in einem üppigen Luxus und vergnügen sich auf Kosten der anderen Kasten.

Darrow erfährt, dass die Menschheit bereits vor Jahrhunderten zu den anderen Planeten und Monden des eigenen Sonnensystems aufgebrochen ist. Der Mond (Luna), der Mars und die Venus sowie andere Monde wurden kolonisiert und terraformt. In dieser Zeit bildeten sich bei den Kolonisten die "Farbkasten" aus, mit den reichen Goldenen an der Spitze. Dann jedoch rebellierten die Kolonien gegen die Nationen der Erde - und gewannen. Die Nationen und Konföderationen der alten Erde wurden zerschlagen, seitdem beherrschen die "Goldenen" die Weltengesellschaft. Das Leitmotiv der inzwischen genetisch stark veränderten "Goldenen" lautet, dass nur der Stärkere überlebt. Die Demokratien der alten Erde werden als "Krebsgeschwüre" bezeichnet und die Gleichwertigkeit des menschlichen Lebens als "noble Lüge" verachtet. Das große Vorbild hingegen ist das römische Imperium.

Die Rebellen (die "Söhne von Ares") wissen, dass offener Widerstand mühelos vom Militär niedergeschlagen würde; ein ganzer Mond wurde bereits vor Jahrzehnten aufgrund eines Aufstands atomisiert. Ihr Plan ist daher subtiler. Darrow wird in einem langen und schmerzhaften genetischen Prozess in einen "Goldenen" verwandelt, physisch und geistig stark verändert sowie mit einer neuen Identität versehen. Bald darauf wird er an der Akademie des Mars aufgenommen, wo er aufsteigen soll, um das System zu infiltrieren.

Am Institut muss er bald erleben, wie rücksichtslos und brutal selbst die "Goldenen" untereinander sein können. Die Hälfte der Studenten werden bereits am ersten Tag durch Duelle untereinander getötet, danach beginnt das "Spiel", wo mehrere Gruppen in einem künstlich terraformten Marstal gegeneinander antreten, bis nur noch eine Gruppe mit dem Primus an der Spitze übrig ist. Es eröffnet sich eine völlig fremde Welt für Darrow, der von den Machtspielen und dem amoralischen Verhalten der "Goldenen" abgestoßen ist, aber auch erkennen muss, dass viele von ihnen nur ein Produkt der Gesellschaft sind und durchaus zu Mitgefühl fähig sind. Er freundet sich mit einigen an, lacht mit ihnen, genießt bald auch Respekt - doch im Inneren ist Darrow von Rache fast zerfressen und hat nur ein Ziel: Den Umsturz des dekadenten und von politischen Machtkämpfen geprägten Systems. Doch der Weg dorthin wird auch Darrow verändern.
Fazit
Browns erfolgreicher erster Roman ist absolut gelungen. Die erdachte Welt ist interessant und gewaltig, die Charaktere recht unterschiedlich. Das Grundschema ist zwar nicht neu: Ein junger Mann wird erwachsen, mit Problemen konfrontiert und hat ein Ziel fest im Blick. Das alles schildert Brown aber plastisch und spannend, mit einigen Wendungen. Immer wieder blitzt zudem in der teils sehr harten Handlung Humor auf. Es ist ein düsterer Roman, der aber getragen wird von moralischen Fragen, die eher subtil wirken. Man darf auf die beiden Folgebände gespannt sein. Ein nicht nur für Leser von Sci-Fi-Literatur empfehlenswertes Buch, das nicht ohne zeitgenössische Gesellschaftskritik ist.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne
Weitere Rezensionen zu Büchern von Pierce Brown:
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Vorgeschlagen von B. Kiemerer [Profil]
veröffentlicht am 20. November 2014

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