Helmut Kohl: Mein Tagebuch

Mein Tagebuch

Verlag: Droemer Knaur [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-426-27241-1

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Das vorliegende Tagebuch Helmut Kohls trieft leider vor Selbstgerechtigkeit und Larmoyanz. Es ist sicherlich legitim, dass Helmut Kohl seine Sicht der Dinge, auch der Spendenaffaire, darstellt. Es ist sicherlich auch korrekt, dass zum Teil in der Presse zumindest unbewiesene Behauptungen gegen Kohl lanciert wurden. Die Selbstgerechtigkeit, mit der er - ohne einen Funken Selbstkritik - über sein Verhalten in der Spendenaffaire kokettiert, Personen wie Richard von Weizsäcker und andere in übelster Form abqualifiziert, ist jedoch erschreckend. Sie zeigt mir, was der Bundesrepublik fehlt: eine Amtszeitbegrenzung für das wichtigste Amt im Staat, das des Bundeskanzlers. Dieser gehört für mich nach zwei Legislaturperioden abgelöst. Der Mann verliert einfach Bodenhaftung. Um nicht ungerecht zu sein: es geht hier nicht um parteipolitische Abrechnungen: die Memoiren von Wolfgang Schäuble (Mein Leben) sind in ihrer Nachdenklichkeit wesentlich interessanter und reflektiver. Wie Kohl Schäuble in dem Buch behandelt, ist wirklich schlimm: dabei hätte Kohl durch einen rechtzeitigen Abgang und durch einen zeitigen Stabwechsel an Schäuble die Wahlniederlage der CDU vielleicht in dieser verheerenden Form abwenden können. Aber er ist durch und durch Machtpolitiker in dem Sinne, erst ich, dann die Partei (die bin ich), dann das Land (das bin ich) - ganz das Gegenteil, was er am Abend des 27.09.1998 in die Fernsehkameras sagte. Nun leiden Memoiren natürlich daran, dass der Schreiber zu oft die kritische Distanz an der Person verliert, auch Genschers Memoiren leiden daran. Aber eine solche Selbstgerechtigkeit und Uneinsichtigkeit hätte ich von einem früheren Bundeskanzler doch nicht erwartet.
Fazit
Die Memoiren zeigen für mich: Kohls Abgang war überfällig.
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 14. Januar 2004

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