Anne C. Voorhoeve: Nanking Road

Nanking Road

Verlag: Ravensburger Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Jugendroman
ISBN-13 978-3-473-40102-4

Preis: 3,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 09. Dezember 2016]
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Die Vernichtung der deutschen Juden und den Zweiten Weltkrieg überlebt Franziska Mangold in Liverpool Street in einer englischen Pflegefamilie. Wie das Schicksal der Familie Mangold hätte verlaufen können, wenn rechtzeitig die gemeinsame Emigration nach Shanghai gelungen wäre, lässt Anne C. Voorhoeve ihre Hauptfigur nun in "Nanking Road" erzählen. Franz Mangold als assimilierter Jude wird unter der Bedingung aus dem KZ Sachsenhausen entlassen, dass er Deutschland verlässt. Shanghai ist die einzig denkbare Zuflucht der Familie, weil für das ausländische Settlement in der von den Japanern besetzten Stadt noch kein Visum gefordert wird. In einem sehr knappen Zeitfenster reisen Mangolds aus Deutschland aus. Das Vermögen der Familie ist beschlagnahmt, die Reichsfluchtsteuer gezahlt. Bis zur letzten Minute fürchten Franziskas Eltern, dass ihre Fluchtpläne noch scheitern könnten. In Berlin bleiben Ziskas beste Freundin Bekka zurück und die Familie ihrer Tante Ruth.

In Shanghai werden die Emigranten von jüdischen Hilfsorganisationen unterstützt, wohlhabende Gönner gründen Schulen für die Kinder. Die Jugendlichen passen sich zumeist schneller an als die Erwachsenen. Franziskas Generation muss eigene Kräfte mobilisieren; denn die Eltern sind erschöpft vom täglichen Kampf ums Überleben in einer völlig fremden Kultur. Gewohnte Worte haben in China eine andere Bedeutung erhalten. Die Straße dient hier nicht allein dem Verkehr, sie ist der Lebensraum, in dem gekocht, der Mensch und seine Wäsche gewaschen, wo gehandelt und gestorben wird. Franziska erkennt, dass es auch chinesische Flüchtlinge gibt und sie von niemandem Hilfe erwarten können. In den Köpfen der Menschen sind im Kriegsverlauf neue Ghettos entstanden. Als assimilierte Juden werden Mangolds die neuen Gräben besonders deutlich, die zwischen den Kriegsparteien, zwischen Deutschen, Juden und Chinesen verlaufen. Für Verfolgte mit jüdischen Vorfahren, die erst vom Hitlerregime zu Juden erklärt wurden, ist Jesus hier offenbar nicht mehr zuständig, überlegt sich Franziska.

Franziska verbringt in Shanghai ihre prägenden Jugendjahre und findet hier Freunde und Unterstützer. Die scharfsinnige Zehnjährige wächst zu einem selbstbewussten Teenager heran und überlebt mithilfe ihrer eigenen Urteilsfähigkeit. Ziskas Mutter dagegen hat sich so lange vor den Deutschen unsichtbar machen müssen, dass sie die Furcht nie mehr ganz ablegen kann, durch einen winzigen Fehler Schuld am Schicksal anderer auf sich zu laden. Das Überleben kann von einem Brief abhängen, der seinen Empfänger nicht erreicht, oder von einem gescheiterten Zusammentreffen. Überleben oder Vernichtung trennt nur ein dünner Grat. Auch Franziska kann sich nicht von Schuldgefühlen befreien, weil sie noch lebt, während das Schicksal der Zurückgelassenen lange ungeklärt bleibt. Im Epilog vermittelt Voorhoeves - inzwischen erwachsene - Icherzählerin nach Ende des Kriegs zwischen Eltern und ihren entfremdeten Kindern, die in England überlebten. Mit diesem Schluss erinnert die Autorin an jene Frauen, die ein fremdes Kind retten konnten, indem sie es in schweren Zeiten als Pflegekind aufnahmen.
Fazit
Mit Franziska ist Anne Voorhoeve auch in diesem historischen Jugendroman eine glaubwürdige Figur gelungen, deren Einzelschicksal beim Leser Anteilnahme und Interesse für Emigrantenschicksale zur Zeit des Nationalsozialismus weckt.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 31. Januar 2014

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