Joel Dicker: Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert

Verlag: Piper Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-492-05600-7

Preis: 22,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 05. Dezember 2016]
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Im Bücherherbst 2013 kommt man um einen Roman nicht herum: "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" von Joel Dicker. Ein Roman, der monatelang an der Spitze der französischen Bestsellerliste stand und jetzt auch in Deutschland für Furore sorgt. Doch worum geht es in diesem Wälzer?

Dem 30-jährigen Marcus Goldman gelingt gleich mit seinem ersten Roman ein Bestseller. Jedoch leidet er seitdem an der Schriftstellerkrankheit und bringt kein Wort mehr zu Papier. Er zieht sich in die amerikanische Provinz zurück und besucht in Aurora seinen ehemaligen Professor Harry Quebert, seinerseits einer der erfolgreichsten Autoren der Gegenwart. Kurz nach Marcus' Ankunft passiert es: Auf dem Anwesen von Harry wird die Leiche von Nola Kellergan gefunden. Das Mädchen ist 1975 im Alter von fünfzehn Jahren verschwunden. Als herauskommt, dass Harry eine Affäre mit dem Teenager hatte, wird er verhaftet und des Mordes angeklagt. Marcus ist von der Unschuld seines Mentors überzeugt und beginnt zu hinterfragen, was vor 33 Jahren wirklich passiert ist.

Nimmt man nur diese kurze Beschreibung, ist man versucht zu denken, das der Roman nur ein normaler Krimi ist. Doch das Werk von Joel Dicker ist so viel mehr. Es ist genauso Liebesgeschichte wie Gesellschaftsroman. Es ist ein Buch über das Schreiben und ein Krimi, der mit einer großen Portion Twin Peaks (eine hervorragende US-Serie aus den 90'er Jahren) angereichert wurde. Das ist der Stoff, aus dem Bestseller gemacht werden.

Sicher scheiden sich auch an diesem Roman die Geister. Von der Kritik und vielen Lesern hochgelobt, gibt es auch Stimmen, die den Roman als platt, abgedroschen oder langweilig bezeichnen. Geschmäcke sind halt (Gott sei Dank) verschieden.

In meinen Augen ist Joel Dicker ein Werk gelungen, vor das ich nur den Hut ziehen kann. Ich fand keine der gut 750 Seiten langweilig oder gar überflüssig. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, das gerade die letzten 150 Seiten zum Besten gehören, was ich bisher gelesen habe (und das ist schon eine ganze Menge gewesen). Joel Dicker schafft es meisterhaft, den Leser auf immer wieder falsche Fährten zu locken. So gut wie jede Figur kommt im Verlauf der Handlung als Täter infrage, nur um kurz darauf wieder aus dem Kreis der Verdächtigen zu verschwinden. Bei allen Kehrtwendungen gibt es dann noch eine Auflösung, die in meinen Augen einfach nur genial ist.

Doch nicht allein die Krimihandlung ist es, die diesen Roman auszeichnet. Joel Dicker schafft es auch, ein plausibles, stimmungsvolles und interessantes Bild der amerikanischen Provinz in den 70er Jahren zu zeichnen. Und dies mit allen Moral- und Sittenvorstellungen, die dazu gehören. Dies alles würzt Joel Dicker mit einem unterschwelligen Humor, der immer wieder aufblitzt. Als Beispiel möchte ich die Telefonate von Marcus mit seiner Mutter nennen.

Natürlich sind die Figuren oft das Salz in einer Romansuppe. Neben Marcus und Harry wimmelt es in Aurora von Charakteren, die diesen Roman so besonders machen. Da ist natürlich Nola, die Harry den Kopf verdreht, da ist Jenny, die ihrerseits ein Auge auf Harry geworfen hat und da ist vor allem Luther Caleb, ein Junge, der von einer Jugendgang brutal zusammengeschlagen wird und der für mich einer der vielen Höhepunkte des Romans ist.

Und letztendlich ist der Roman ein augenzwinkernder Blick in die schillernde Welt der Literatur. Der Buch-in-Buch Aspekt war es, der mich als Autor gerade im Vorfeld interessiert hat. Jedes Kapitel beginnt mit einem Auszug aus Gesprächen zwischen Harry und Marcus, in denen Harry seinem Schützling die Arbeitsweisen eines Autors näher bringt. Gerade in diesen Abschnitten gibt es so tolle Sätze wie "Nach der Liebe bleibt nur das Salz der Tränen", die nicht nur für den Moment gemacht sind.
Fazit
Ich verbeuge mich vor Joel Dicker und seinem Roman "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert". Ein Roman, der es versteht über eine solche Länge zu begeistern, zu fesseln, zu Tränen zu rühren und zum Lachen zu bringen kann nur ein sein: grandios!
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne
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Vorgeschlagen von Michael Krause [Profil]
veröffentlicht am 28. September 2013

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