Monika Osberghaus: Was soll ich denn lesen? 50 beste Kinderbücher

Was soll ich denn lesen? 50 beste Kinderbücher

Verlag: dtv [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-423-62151-9

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Sind es die alarmierenden Ergebnisse der Pisa-Studie oder ist es das Bedürfnis nach Orientierung in einer nicht mehr zu überschauenden Liste von Neuerscheinungen (rund 80 000 alleine in Deutschland pro Jahr), die zu immer neuen Kanons in der Kinder- und Erwachsenenliteratur führen?
Wie dem auch sei, das "Eselsohr" führt in seiner Novemberausgabe alleine 7 Neuerscheinungen vor, die Empfehlungslisten in der Kinder- und Jugendliteratur enthalten. Einer der besseren - so auch das Eselsohr - ist das vorliegende Buch.

"Was den beiden [Bezug genommen wird außerdem auf das Buch von Susanne Gaschke: Hexen, Hobbits und Piraten] als eine Art kommentierte Literaturliste aufgebauten Büchern anhaftet ist der Geruch nach der schönen Kinderbuchlektüre der Autorinnen... Das kollidiert an manchen Stellen mit dem Anspruch, nur die Bücher zu benennen, die Kinder lesen sollten und die "lesbar und interessant für Kinder von heute sind", wie Monika Osberghaus ihre Auswahl rechtfertigt und sogar verspricht, alle Titel seien daraufhin abgeklopft." Dies konstatiert - völlig korrekt - Ralf Schweikart in der zitierten Ausgabe des "Eselsohr". Nun gelingen Monika Osberghaus in der Tat überzeugende charakterisierungen von Figuren und Geschichten und ihre Auswahl ist im großen und ganzen - zu rechtfertigen. Sicherlich kommt ihr dabei zu Hilfe, dass die Autorin sich bewußt auf die Zielgruppe der acht bis zwölfjährigen Kinder konzentriert. Aber hier geht natürlich schon das kritische Nachfragen los: da wird als Titel ein Fußballbuch von Sammy Drechsel aus dem Jahre 1955 angeführt, welches dem Anspruch der Autorin, lesbar und interessant für heutige Kinder zu sein, deutlich widerspricht. Warum werden da nicht die "wilden Fußballkerle" von Masannek ausgewählt, die heute die "Hitliste" der Kinder anführen. Warum wird ausgerechnet Enid Blyton erwähnt (deren Beliebtheit die Autorin konstatiert und auch deren Erfolgsfaktoren treffend analysiert), aber dann der Blyton-Nachfolger Thomas Brezina vergessen? Von Science-Fiction mal etwas gehört? Nur aus dem Bereich der Märchen und phantastischen Kindergeschichten finden sich einige Titel von Ende über Preußler bis Tolkien.

Und damit kommt man zur unvermeidlichen Frage: Was soll das? Hier werden Leserinnerungen der Autorin vermittelt, aber ein Kinderbuchkanon ist dieses Buch nicht. Es mag ja für ratlose Eltern ganz interessant sein, über diesen literarischen Führer zu verfügen, bei vielen Kindern und Jugendlichen wird das Gefühl des "pädagogischen Zeigefingers" aufkommen und so wird dieser Kanon lediglich ein müdes Gähnen produzieren und - in Vergessenheit geraten.

Nichtsdestrotz erweist sich die studierte Germanistin als profunde Kennerin der Kinder- und Jugendliteratur, die fesselnd zu schreiben versteht. Dies kann man ihr - bei aller obigen Kritik - nicht absprechen, auch wenn der zeitweise sehr sentimentale Tonfall zuweilen stört. Zielgruppe sind - auch vom teilweise wissenschaftlichen Vokabular her - jedoch eindeutig Eltern, nicht Kinder. Außerdem handelt es sich um einen äußerst subjektiven Kanon, über dessen Auswahl man trefflich streiten könnte. Inweiweit der von der Autorin formulierte Anspruch, Kinder damit zum Lesen zu verführen, erreicht wird, bleibt für mich höchst zweifelhaft.
Fazit
Wie bilanzierte Ralf Schweikart im erwähten Artikel im "Eselsohr" vom November 2003: "Montag ist Listentag: Die 30 Wichtigsten, die 40 Bedeutensten, die 50 Besten. Die 70 Ultimativen. Die 80 Endgültigen. Wäre doch gelacht, wenn das nicht ginge." Damit ist alles gesagt.
5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne

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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 23. Dezember 2003

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