Diana Raufelder: Wir zwei sind Du und Ich

Wir zwei sind Du und Ich

Verlag: PepperBooks [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Jugendroman
ISBN-13 978-3-943315-06-6

Preis: 11,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 05. Dezember 2016]
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Als Ricarda Ben begegnete, beneidete sie ihn glühend, weil er schon zur Schule ging und sie erst ein Kita-Kind war. "Warum weinst du denn, kleine Prinzessin?", hatte Ben Ricarda gefragt. Dieses Zusammentreffen war der Beginn einer engen Kinderfreundschaft. Ben lebt allein mit seiner deutschen Mutter, zu seinem Vater in der Türkei hat er keinen Kontakt. Ricarda sucht so oft wie möglich die Herzlichkeit von Bens Mutter, die sie selbst zu Hause vermisst. Doch die Freundschaft mit Ben wird durch den Tod von Bens Mutter abrupt beendet. Noch am Tag von Lolas tödlichem Unfall schickt das Berliner Jugendamt Ben überstürzt zu seinem Vater in die Türkei, ohne dass die Kinder ihre Adressen austauschen können.

Als Schülerin einer 10. Klasse nennt sich Ricarda inzwischen Ri und erlebt gerade den schlimmsten Durchhänger, den man sich vorstellen kann. Am liebsten würde Ri sich fort von allen Schulproblemen und Elternansprüchen zurückträumen in ihre Kindheit mit Ben. Kurz vor Weihnachten glaubt Ri, Ben wieder in Berlin gesehen zu haben. Das kann nur ein Traum sein! Doch das parkende Auto, auf dessen Seitentür Stern und Mond gemalt wurden, ist kein Traum. Stern und Mond trugen die Kinder damals als Symbole ihrer Freundschaft als Schlüsselanhänger. Völlig auf die Suche nach Ben konzentriert, wird Ri vom eskalierenden Konflikt mit ihren Eltern kurz vor den Feiertagen endgültig aus der Bahn geworfen. Doch wer hätte gedacht, dass Stern und Mond sie und Ben wieder zusammenführen könnten.

Das düstere Buchcover, hinter dem ich keine Erlebnisse einer Fünfzehnjährigen vermutet hätte, verbirgt die gefühlvolle Geschichte einer platonischen Freundschaft. Wer die eigene Pubertät nicht völlig verdrängt, wird sich in Ris winterliche Depression und ihr Abtauchen in das Glück vergangener Jahre gut einfühlen können. Ri durchlebt krasse Wechsel zwischen Realitätsflucht und erstaunlicher Einfühlung einer Pubertierenden in ihre Eltern zurück zu einer lebensfremden Phase, in der das Mädchen sein Elternhaus verlässt ohne einen Gedanken an die Finanzierung ihres Lebensunterhalts zu verschwenden. Ris Probleme wären auch ohne den überzeichneten Gegensatz zwischen forderndem Vater und schwacher Mutter nachvollziehbar. Als Kind, das eine Berliner Kita besucht, fällt die Figur der kleinen Ricarda durch ungewöhnliche Dialektausdrücke auf, die sie wie ein erst frisch nach Berlin gezogenes Kind wirken lassen. Ris Charakterisierung wirkt dadurch inskonsequent. Die angedeutete Fremdheit der Familie in Berlin wird nicht weiter vertieft. Anstatt wie in dieser Geschichte den jugendlichen Figuren eine Problemlösung durch den erwachsenen Freund zu präsentieren, würde ein Jugendroman glaubhafter wirken, wenn die Protagonisten den ersten Schritt zur Lösung ihrer Probleme selbst tun könnten. Die Atmosphäre am Ende des Buches könnte für sich wirken, ohne dass die Autorin ihr Fazit mit spürbarer pädagogischer Absicht betonen müsste. Vor der Neuauflage des Buches (das zuvor in einem Druckkostenzuschuss-Verlag erschien) hätte Diana Raufelder einen kritischen Blick auf überflüssige Adjektive, Wortwiederholungen und die Erzählperspektive werfen sollen.
Fazit
Ein gefühlvoller, flüssig lesbarer Romanerstling über eine platonische Freundschaft, der durch eine Überarbeitung des Texts noch gewinnen würde.
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne

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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 02. Juni 2013

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