Lavie Tidhar: Bookman

Bookman

Verlag: Piper Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Science Fiction
ISBN-13 978-3-492-70242-3

Preis: 16,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 04. Dezember 2016]
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Als die Frau, die er liebt, in seinen Armen stirbt, beschließt der junge Dichter Orphan, seine Lucy zu rächen und aus dem Reich der Toten zurückzuholen. Doch seine Reise in die viktorianische Unterwelt ist mehr als riskant: Der Bookman, der gefährlichste Terrorist Londons, ist nicht nur schuld an Lucys Tod, sondern plant, das englische Königshaus zu stürzen und eine vernichtende Rebellion über das Ewige Empire zu bringen.

Ophan, der Dichter erinnert sehr stark an Orpheus in der Unterwelt, ist ein Waise. Er ist verliebt in Lucy und möchte ihr einen Heiratsantrag stellen. Aus diesem Grund klaut er eine Flasche Wein und bringt diese mit einem Brot zu seinem blinden Freund Gilgamesch, eine Erinnerung des israelischen Autors an die Bibel. Der Mann lebt unter der Brücke und hält sich irgendwie über Wasser. Orphan mit der kupferroten Haut berichtet Gilgamesch von seinem Vorhaben. Wenig später liest er aus der Zeitung vor und berichtet, wie Terroristen in Clownsmasken Oscar Wilde überfielen. Eine Zeile weiter wird als Premierminister ein gewisser Moriaty erwähnt, Sherlock Holmes Gegenspieler bei Arthur Conan Doyle. Und so geht es weiter im ganzen Buch, versteckte und offene Hinweise auf jede Menge Literatur und die Schreiber davon. Damit zeigt Lavie Tidhar, dass er belesen ist, aber mit der Zeit wirkt es für mich etwas aufdringlich.

Bei einem Besuch im Rose-Theater will Orphan seinen ganzen Mut zusammennehmen und Lucy fragen. Das Theater soll den passenden Rahmen bilden, allerdings endet der Abend in einer Katastrophe. Weniger, weil Lucy nein sagt, sondern auf Grund eines Attentates. Ein explodierendes Buch kostet dem Hauptdarsteller, einem gewissen Irving in der Rolle von Lord Shakespeare, das Leben. Kurz darauf verschwindet Orphans Freund Gilgamesch spurlos, nicht ohne seinem Freund einen Brief mit seltsamen Hinweisen über dessen Herkunft zu hinterlassen. Gleichzeitig macht Gilgamesch Andeutungen über die Herrschaft der Echsen und die Übernahme des Empires. Die von ihm geäusserte, unmissverständliche Warnung gegenüber den Echsen, deren Königin eine vergiftete Fliedenladung erhielt, laut Zeitung, ist für Orphan erst einmal nicht einzuordnen. Genausowenig wie die Hinweise über seine eigene Herkunft.

Der nächste Tag ist etwas ganz Besonderes, für Orphan und Lucy und die Menschheit, denn eine Raumsonde soll zum Mars gesendet werden. Lucy steuerte der Mars-Sonde eine Edison-Platte mit Walgesängen bei. sie als Meeresbiologin mit Schwerpunkt Wale hat es geschafft, neben Vogelgezwitscher an diesem Projekt beteiligt zu sein. Lucy nimmt selbstverständlich an den Feierlichkeiten teil. Wie bereits im Theater explodiert ein Buch. Lucy ist das Opfer und Orphan kam nicht rechtzeitig zur Rettung.
Fazit
Dies ist der Auftakt einer Geschichte, die im Steampunk-Genre eingegliedert ist, doch finde ich persönlich, es hätte etwas mehr Dampf für die Geschichte gebraucht. Der Begriff Steampunk, eigentlich nur ein Sub-Genre der Science Fiction, wird inflationär gebraucht. Viele Geschichten sind nur Schauerromane, wie sie um 1850 in der Literatur bevorzugt wurden. Die heutigen Schauerromane werden mit etwas ungewöhnlicher Technik, in der Hauptsache Dampf und Zahnräder, aufgemotzt und ein neues Etikett aufgeklebt. Lavie Tidhar konnte dem Steampunk keine wirklich neuen Seiten abgewinnen. Dampfbetriebene Luftschiffe und Fahrzeuge, ungewöhnliche Geräte und menschenähnliche mechanische Wesen, dem Roboter der SF ähnlich, und viele Anleihen bei anderen Literaten. Das alles im viktorianischen Zeitalter angesiedelt spiegelt noch keine wirkliche Neuerung wieder. Hinzu kommt der störende Eindruck, schon wieder ein Waisenkind, das die Welt rettet. Aber immerhin, eine ungewöhnliche Geschichte, die einen anderen Weg, als die momentan aktuelle Phantastik-Strömung. Eine Reise zum ICH könnte man es auch nennen, denn am ende findet Orphan seinen Paten, der ihm verrät, dass er eigentlich William Chaska heisst. Diese Information ist zwar wichtig für ihn, doch gilt seine Suche Lucy. Natürlich ist, wie auch bei den Schauerromanen, ein Happy End Pflicht. Die Liebhaber phantastischer Literatur dürfen sich hier auf ein Abenteuer freuen, das viele Wendungen mit sich bringt, teilweise den Leser packt und nicht mehr loslässt. Im Vergleich zu anderen Steampunk-Romanen ein Roman, der wegen der vielen bekannten literarischen Figuren, im Gedächtnis bleiben wird. Trotz meiner Kritik in vielen Punkten freue ich mich auf die Fortsetzungen.
6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne

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Vorgeschlagen von erik schreiber [Profil]
veröffentlicht am 14. Mai 2013

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