Michael R. Beschloss: Powergame

Powergame

Verlag: Econ Ullstein List Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Politik
ISBN-13 978-3-430-11241-3

Preis: 0,88 Euro bei Amazon.de [Stand: 11. Dezember 2016]
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Der amerikanische Historiker Michael Beschloss hat eine glänzende Analyse der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen zwischen 1961 und 1963 vorgelegt. Im Nachhinein markieren diese außenpolitisch bedeutsamen Jahre - man erinnere das Gipfeltreffen Kennedy-Chruschtschow vom Juli 1961, die Schweinebucht, die Kuba-Krise, das Atomteststopp-Abkommen - den Höhepunkt des Kalten Krieges und den Beginn der Entspannungspolitik. Diese wäre nicht möglich gewesen, ohne den Blick auf die beiden entscheidenden Akteure dieser Politik, Chruschtschow und Kennedy zu lenken. Bis heute ist dies die beste Darstellung der Außenpolitik der Kennedy-Jahre, die es gibt. Alle später erschienenen Darstellungen jener Zeit, etwa Bierlings: "Geschichte der amerikanischen Außenpolitik", Loths interessante Darstellung "Helsinki" , Brauburgers "Nervenprobe" - die aktuellste Darstellung der Kuba-Krise oder Drechslers Duographie über Kennedy und Chruschtschow bei dtv in der Reihe "Gegenspieler" stützen sich alle auf dieses Grundlagenwerk, welches die Politik Kennedys - insbesondere zur Zeit der Kuba-Krise, durchaus kritisch reflektiert. Das Buch ist atemberaubend spannened geschrieben und sehr gut lesbar. Sein Ziel, "die Beziehungen zwischen John F. Kennedy und Nikita Chrutschtschow darzustellen" (S: 7) ist wirklich gelungen. Mich hat das negativ gezeichnete Bild, welches in Teilen von Kennedys Verhalten, insbesondere während der Kuba-Krise entworfen wurde, überrascht. So urteilt Beschloss über dessen Verhalten in der Kuba-Krise: "Hätte der Präsident genügend Verständnis für das sowjetische Denken und Handeln aufgebracht und außerdem seine Warnung vom September bereits im März 1962 ausgesprochen [die Stationierung nuklearer Mittelstreckenraketen auf Kuba nicht zuzulassen; B.N.], wäre Chruschtschows Vorstoß mit größter Wahrscheinlichkeit unterblieben." (S. 553). Die Leistung Kennedys, einen nuklearen Konflikt vermieden zu haben, wird meines Erachtens von Beschloss zu wenig gewürdigt. Karl Drechsler sagt in seiner Duographie treffend: "Auf dem Höhepunkt des Konfliktes bewiesen Nikita Sergejewitsch Chruschtschow und John F. Kenney, daß sie über das notwendige Maß an Vernunft, Entschlossenheit und Durchsetzungskraft verfügten, um das Schlimmste, die Menschheitskatastophe eines atomaren Weltkrieges, zu verhindern." (Drechsler). Beschloss selber zitiert in seiner Biographie Jacqueline Kennedy, die Ehefrau des ermordeten Präsidenten, die in ihrem letzten Brief an Chruschtschow, nach dem Tode ihres Mannes, schrieb: "Sie und er waren Gegner, die jedoch die Überzeugung verband, daß man die Welt nicht in die Luft sprengen darf" (S. 677). Diese Leistung beider Protagonisten der Weltpolitik hätte Beschloss meines Erachtens deutlicher würdigen müssen. Wenn man von dieser Kritik aber absieht, handelt es sich um die beste Darstellung unter Nutzung der bis dahin zugänglichen Quellen (die russischen Archive wurden erst nach 1991 geöffnet), die bislang über diese Zeit veröffentlicht worden ist.
Fazit
Das Werk gehört zu den unverzichtbaren Grundlagenwerken dieser Zeit. Nach wie vor ausgesprochen lesenswert und meines Erachtens Pflichtlektüre für alle, die an der Darstellung jener Zeit interessiert sind.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 26. November 2003

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