Der amerikanische Historiker Michael Beschloss hat eine glänzende Analyse der
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen zwischen 1961 und 1963 vorgelegt. Im
Nachhinein markieren diese außenpolitisch bedeutsamen Jahre - man erinnere das
Gipfeltreffen Kennedy-Chruschtschow vom Juli 1961, die Schweinebucht, die
Kuba-Krise, das Atomteststopp-Abkommen - den Höhepunkt des Kalten Krieges und
den Beginn der Entspannungspolitik. Diese wäre nicht möglich gewesen, ohne den
Blick auf die beiden entscheidenden Akteure dieser Politik, Chruschtschow und
Kennedy zu lenken. Bis heute ist dies die beste Darstellung der Außenpolitik der
Kennedy-Jahre, die es gibt. Alle später erschienenen Darstellungen jener Zeit,
etwa Bierlings: "Geschichte
der amerikanischen Außenpolitik", Loths interessante Darstellung
"Helsinki" ,
Brauburgers "Nervenprobe" - die aktuellste
Darstellung der Kuba-Krise oder Drechslers Duographie über Kennedy und
Chruschtschow bei dtv in der Reihe "Gegenspieler" stützen sich alle
auf dieses Grundlagenwerk, welches die Politik Kennedys - insbesondere zur Zeit
der Kuba-Krise, durchaus kritisch reflektiert. Das Buch ist atemberaubend
spannened geschrieben und sehr gut lesbar. Sein Ziel, "die Beziehungen
zwischen John F. Kennedy und Nikita Chrutschtschow darzustellen" (S: 7) ist
wirklich gelungen. Mich hat das negativ gezeichnete Bild, welches in Teilen von
Kennedys Verhalten, insbesondere während der Kuba-Krise entworfen wurde,
überrascht. So urteilt Beschloss über dessen Verhalten in der Kuba-Krise:
"Hätte der Präsident genügend Verständnis für das sowjetische Denken und
Handeln aufgebracht und außerdem seine Warnung vom September bereits im März
1962 ausgesprochen [die Stationierung nuklearer Mittelstreckenraketen auf Kuba
nicht zuzulassen; B.N.], wäre Chruschtschows Vorstoß mit größter
Wahrscheinlichkeit unterblieben." (S. 553). Die Leistung Kennedys, einen
nuklearen Konflikt vermieden zu haben, wird meines Erachtens von Beschloss zu
wenig gewürdigt. Karl Drechsler sagt in seiner Duographie treffend: "Auf
dem Höhepunkt des Konfliktes bewiesen Nikita Sergejewitsch Chruschtschow und
John F. Kenney, daß sie über das notwendige Maß an Vernunft, Entschlossenheit
und Durchsetzungskraft verfügten, um das Schlimmste, die Menschheitskatastophe
eines atomaren Weltkrieges, zu verhindern." (Drechsler). Beschloss selber
zitiert in seiner Biographie Jacqueline Kennedy, die Ehefrau des ermordeten
Präsidenten, die in ihrem letzten Brief an Chruschtschow, nach dem Tode ihres
Mannes, schrieb: "Sie und er waren Gegner, die jedoch die Überzeugung
verband, daß man die Welt nicht in die Luft sprengen darf" (S. 677). Diese
Leistung beider Protagonisten der Weltpolitik hätte Beschloss meines Erachtens
deutlicher würdigen müssen. Wenn man von dieser Kritik aber absieht, handelt es
sich um die beste Darstellung unter Nutzung der bis dahin zugänglichen Quellen
(die russischen Archive wurden erst nach 1991 geöffnet), die bislang über diese
Zeit veröffentlicht worden ist.
Fazit
Das Werk gehört zu den unverzichtbaren Grundlagenwerken dieser Zeit. Nach wie
vor ausgesprochen lesenswert und meines Erachtens Pflichtlektüre für alle, die
an der Darstellung jener Zeit interessiert sind.
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