Raimund Schulz: Feldherren, Krieger und Strategen. Krieg in der Antike von Achill bis Attila

Feldherren, Krieger und Strategen. Krieg in der Antike von Achill bis Attila

Verlag: Klett-Cotta Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-608-94768-7

Preis: 32,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 08. Dezember 2016]
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Der Krieg als gewaltsame Auseinandersetzung spielte in der Menschheitsgeschichte bekanntlich eine zentrale, wenngleich unrühmliche Rolle. Seien es die assyrischen Aufzeichnungen über Kriegszüge, die Berichte klassischer Autoren beginnend mit Herodot und Thukydides oder die modernen Bilder von militärischen Konflikten weltweit, der Krieg bestimmte maßgeblich die Geschichte des menschlichen Zusammenlebens.

In Deutschland war man in der historischen Forschung aus guten Gründen nach den beiden verheerenden Weltkriegen skeptisch gewesen, sich dem Faktor Militärgeschichte wieder zu nähern. Allerdings ändert das nichts an der Bedeutung des Faktors Krieg. Im anglo-amerikanischen Raum war man seit jeder weniger belastet, doch ging man auch andere Wege. "History of War" meint dort nicht in erster Linie eine reine Abhandlung von Schlachten. Vielmehr ist der Begriff weiter gefasst: Die Geschichte der militärischen Auseinandersetzungen wird eingebettet in die politgeschichtliche Entwicklung.

Raimund Schulz verfolgt im vorliegenden Buch einen ähnlichen Ansatz und reiht nicht Schlacht an Schlacht, sondern betrachtet das Gesamtbild, von der politischen Ebene bis hin zur Logistik. Eine derartige Darstellung in deutscher Sprache hat für die Antike bislang gefehlt, weshalb der Versuch einer "pragmatischen Militärgeschichte" zu begrüßen ist.

Schulz schildert die Zeitspanne von der archaischen Zeit Griechenlands, weiter über das klassische Zeitalter und den Hellenismus bis in die römische Zeit. Behandelt werden die Perserkriege, die Auseinandersetzung zwischen Athen und Sparta, der Alexanderzug bis nach Indien, die "Lernphase" Roms im Konflikt mit den hellenistischen Staaten und Karthago, bis hin in die römische Kaiserzeit. Leider endet der Überblick im 5. Jahrhundert, so dass die weitere Entwicklung in der endenden Spätantike weitgehend ausgeklammert wird. Bedenkt man die großen Konflikte zwischen Ostrom und Persien in dieser Zeit und der folgenden arabischen Expansion, ist es bedauerlich.

Schulz betrachtet immer wieder die Voraussetzungen und Grundlagen der Konflikte, seien es Athens Machtpolitik, die Macht römischer Feldherren am Ende der Republik (die politischen Einfluss durch ihre militärische Gewalt gewannen) oder die Militarisierung in der späten Kaiserzeit aufgrund der zunehmenden Bedrohungslage. Auch der Faktor Logistik oder die Religion wird betrachtet, wie infolge der Christianisierung des Reiches seit Konstantin. Nicht ganz überzeugend erscheint die Relativierung hinsichtlich des großen Feindes Roms im Osten, dem Sasanidenreich seit dem 3. Jahrhundert n. Chr., dessen militärisches Potential von anderen Forschern durchaus höher eingeschätzt wird. Das sind aber Randnotizen, die den guten Gesamteindruck nicht stören.
Fazit
Schulz hat mit der vorliegenden Darstellung einen nicht unwichtigen Beitrag zur Neudeutung militärischer Konflikte in der Antike vorgelegt. Die Schilderung ist immer sachlich, aber gleichzeitig gut lesbar und informativ. Gerade deshalb wäre es begrüßenswert, wenn Schulz die Leerstelle hinsichtlich des 6. und frühen 7. Jahrhunderts geschlossen hätte, da die Darstellung um 500 abbricht.

Davon abgesehen handelt es sich um eine lesenswerte Darstellung vom Krieg in der Antike, die nichts beschönigt und dennoch wertvolle Einblicke vermittelt, denen man sich nicht verschließen sollte.
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Vorgeschlagen von B. Kiemerer [Profil]
veröffentlicht am 22. Februar 2013

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