Felix J. Palma: Die Landkarte der Zeit

Die Landkarte der Zeit

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-499-25319-5

Preis: 9,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 10. Dezember 2016]
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Es handelt sich bei DIE LANDKARTE DER ZEIT um einen Roman mit einigen unterschiedlichen Handlungssträngen, die zunächst scheinbar wenig bis nichts miteinander zu tun haben. Da ist ein Fabrikantensohn, der seine Geliebte vor den Untaten von Jack the Ripper schützen will. Und schon wird klar, dass wir uns im viktorianischen Zeitalter bewegen. Einem Zeitalter, dass der Steampunk seit einiger Zeit für sich vereinnahmt und der Liebesroman gerade wieder neu entdeckt. In dieser Zeit besteht eine Agentur, die überraschend Zeitreisen anbietet. Eine junge Frau, die mit ihren modernen Ansichten einer Suffragette ihrer Zeit im viktorianischen London weit voraus ist und sich in einen General aus der Zukunft verliebt. Und wie sollte es anders sein, es fehlt nur noch der obligatorische Polizist, in diesem Fall ein Polizei-Inspektor namens Garret, der eine Mordserie aufklären möchte und überzeugt ist, dass der Mörder eine Waffe aus der Zukunft benutzt. Das hört sich alles erst einmal recht einfach an, ist in Wirklichkeit jedoch etwas verwirrender.
Der eben erwähnte junge Mann heisst Andrew und hegt Selbstmordabsichten. Er konnte seine Geliebte nicht schützen und diese ist nun gestorben. Wie das bei Verliebten so ist, der Eine will nicht ohne die andere sein. Im letzten Moment kann aber Andrew Harringtons Vetter Charles die Tat verhindern. Er setzt ihm zudem noch den Floh ins Ohr, mit einer Zeitreise in die Vergangenheit die Tat ungeschehen zu machen. Andrew lässt sich auf die Idee ein, denn was könnte es schöneres geben, als wieder mit der Frau die er liebt zusammen zu sein. Acht Jahre Trauerzeit sind plötzlich vergessen, wenn er mit Zeitreisen Murray in die Vergangenheit reisen kann und seine geliebte Marie Kelly zu schützen. Als letztes Opfer von Jack the Ripper kann die Hure durch den reichen Andrew am Ableben gehindert werden.
Claire Haggerty aus der Vergangenheit, will durch die Zeit reisen. Claire ist der Ansicht, sie ist in ihrer Zeit, London 1896 falsch am Platz. Die Frau verliebt sich dabei in den Hauptmann Shackleton. Wieder in ihrer Zeit zurück, beginnt sie einen regen Briefverkehr. Andrew ist darüber wenig amüsiert.
In einem Londoner Hospiz lebt der Elefantenmensch. Mit seinem Aussehen erregte Joseph Merrick, wie er wirklich heisst, aufsehen und durchaus Ekel. Unterstützung findet er nur bei einer Wohltäterin, von der er weiss, dass sie eine erfolgreiche Schauspielerin ist. Für sie bastelt er Kathedralen aus Karton zusammen.
Eine ganz besondere Rolle spielt dabei H. G. Wells, der Autor und Erfinder der Zeitmaschine. Er taucht immer mal wieder auf und sorgt dafür, dass die Handlungsstränge untereinander verknüpft werden können und sei es nur durch den Einsatz der Zeitmaschine.
Die Geschichten werden von einem unbekannten Erzähler nachdenklich, ideenreich vorgetragen. Diese Person scheint mehr zu wissen, vor allem wie die Geschichte ausgeht und bietet auf dem Weg zu einem dann doch nur "irgendwie gearteten Schluss" einige humorige, zum Schmunzeln anregende Gedankenstränge. Dies macht den Leser weiterhin neugierig und er bleibt, trotz mancher langweiliger Sequenzen, immer dabei. Diese Erzählungen, die immer wieder miteinander verknüpft werden, bietet der Erzähler in einem recht amüsanten Ton an.
Fazit
Félix J. Palma schrieb einen ungewöhnlich skurillen Roman, der sich aus vielen kleine absonderliche Geschichten wie ein Puzzle zu einer grossen zeitreisenden Gedankenspielerei zusammenfügt. Dies gelingt ihm so geschickt, dass am Ende ein gelungenes Bild einer ungewöhnlichen Welt dabei herauskommt. Das Buch war schön zu lesen, eine gelungene Mischung aus phantastischem Abenteuerroman und spannender Kriminalgeschichte sowie als kleines Schmankerl etwas Liebesgeschichte. DIE LANDKARTE DER ZEIT überzeugt in erster Linie durch gute Vergleiche, schöne Metaphern und eine Art zu schreiben, die wirklich spitze ist, was sicherlich auch auf die gute Arbeit des Übersetzers Willi Zurbrüggen zurückzuführen ist. Félix J. Palma schafft es jedoch, die einzelnen Handlungsfäden so geschickt miteinander zu verknüpfen, dass sie erst am Ende ein Gesamtbild ergeben und scheinbar klare Sachverhalte so zu verändern, dass erst zum Ende des Romans noch unklarer wird, was erfunden und was wahr ist.
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Vorgeschlagen von erik schreiber [Profil]
veröffentlicht am 13. Februar 2013

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