Eliza Graham: Weil du mich liebst

Weil du mich liebst

Verlag: Blanvalet Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-442-36975-1

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Schon etwas länger auf dem Markt ist die deutsche Übersetzung Weil du mich liebst des Debütromans von Eliza Graham. Nachdem sie für die englische Originalausgabe fünf Jahre lang einen Verleger suchte, schaffte sie es in die Bestsellerlisten. Die englische Autorin und Journalistin korrigiert und redigiert die Werke anderer Autoren, wenn sie nicht selbst schreibt. Bislang veröffentlichte sie vier Romane (Playing with the moon, Restitution, Jubilee, The history room).

Das Cover von Weil du mich liebst (die Rückenansicht einer Frau auf einem Steg ins Wasser, blauer Himmel, ein paar leichte Wölkchen) und der Titel deuten auf eine unterhaltsam-leichte Liebegeschichte hin, doch bereits ein flüchtiger Blick auf die Inhaltsangabe lässt darauf schließen, dass Grahams LeserInnen etwas mehr erwartet.

Aus verschiedenen Erzählperspektiven und Zeitebenen offenbart sich Stück für Stück eine Geschichte, die man nicht einfach so nebenbei lesen sollte. Dabei geht es nicht vorwiegend um Minna, die nach einem tragischen Schicksalsschlag allen Lebensmut verloren hat, nicht mehr essen kann und kurz vor dem Aus ihrer Ehe steht. Einen viel größeren Teil des Romans nimmt die Handlung um Felix ein, die eigentlich Felicity heißt, und etliche Jahrzehnte älter als Minna ist.

Die beiden Frauen begegnen sich 2006, nachdem Minna und ihr Mann ein Skelett am Strand gefunden und diesen Fund gemeldet haben. Schnell ist klar, dass es sich um die Überreste eines Soldaten der amerikanischen Streitkräfte handelt, der im Zuge des Zweiten Weltkrieges nach England gelangt und vor langer Zeit umgekommen ist. Felix erfährt durch einen Zeitungsartikel davon und macht sich auf eine Reise in ihre Vergangenheit, da sie den Soldaten und die Umstände seines Todes kannte.

Wie bereits erwähnt, spielt sich das Romangeschehen auf verschiedenen Zeitebenen ab. Mal sind Grahams LeserInnen in der Gegenwart bei Minna, mal bei Felix, mal bei beiden, dann geht es mit Felix in die 1940er-Jahre zurück. Minnas Geschichte wird von ihr selbst größtenteils in der Gegenwartsform erzählt. Die Handlungsfäden um Felix wiederum größtenteils in der Vergangenheitsform in dritter Person. Ihre Geschichte erstreckt sich über viele Jahrzehnte, während man Minna nur kurze Zeit begleiten kann.

Wer sich auf einen Handlungsfaden oder eine Zeitebene konzentrieren möchte, sollte ebenso die Finger von Weil du mich liebst lassen wie diejenigen, die Wert auf eine rasche Handlungsentwicklung legen. Detaillierte Beschreibungen sind zwar die Grundlage für die wunderbar dichte und authentisch wirkende Atmosphäre, sorgen jedoch gleichzeitig dafür, dass die Geschichte insgesamt in keinem allzu hohen Tempo erzählt wird. Längen bleiben im Gegensatz zu diversen Vorhersehbarkeiten außen vor. Letztere fallen insgesamt betrachtet allerdings kaum ins Gewicht. Was jedoch etwas aus dem Rahmen fällt, ist Minnas Entwicklung am Ende des Buches. Sie wirkt zwar nicht pauschal unlogisch oder unglaubwürdig, allerdings etwas zu übereilt erzählt.

Durch den einfachen Schreibstil kann man leicht ins Geschehen eintauchen. Jeweils anfangs der Kapitel wird durch Nennung der Namen klargestellt, um wen es darin geht. Bei den Kapiteln über Felix helfen die Jahresangaben zusätzlich beim Zurechtfinden. Das tragische Geschehen dreht sich um Schuld und Selbstvorwürfe, um Schmerz und Trauer, Tod und Verlust, Angst und Schatten, über die es zu springen galt und gilt. Beide Frauen haben genug erlebt, um in die Knie zu gehen. Beide haben sich innerlich abgekapselt. Und dennoch, als die beiden Frauen sich ihre Erlebnisse von der Seele reden, erfahren beide - durch eine Willkür des Schicksals zusammengewürfelt - nicht nur, wie stark sie sind. Sie erkennen auch, dass es immer Hoffnung gibt. Sie wissen, wie schlimm es ist, am Boden zu sein, aber auch, dass genau dieser Boden einem die Kraft geben kann, wieder aufzustehen. Und dass sich dieses Aufstehen lohnt.

Das Geheimnis um den Tod des Soldaten entzweite einst Felix und ihre große Liebe. Der Fund seines Skeletts bringt dann letztlich nicht nur Minna ihrem Ehemann Tom wieder näher. Er sorgt auch dafür, dass Felix aufarbeiten kann, was sie jahrzehntelang beschäftigt und ihr Leben beeinflusst hat. Und er bringt jemanden Frieden, den der tote Soldat nicht mehr kennenlernen durfte.
Fazit
Glück und Unglück liegen in diesem Buch nah beieinander. Eine ganze Bandbreite an Gefühlen erwarten LeserInnen, die sich darauf einlassen. Das dramatische Geschehen wird auf unaufgeregte, emphatische Weise ohne falsche Melodramatik erzählt. Kein Buch für nebenbei. Doch wer sich darauf einlässt, bekommt eine berührende Geschichte über zwei starke Frauen, über die Kraft der Liebe und der Hoffnung, der ich acht von zehn Punkten geben möchte.

Copyright ©, 2013 Antje Jürgens (AJ)
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Vorgeschlagen von Ati [Profil]
veröffentlicht am 14. Februar 2013

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