Henning Mankell: Die weiße Löwin

Die weiße Löwin

Verlag: dtv [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Thriller
ISBN-13 978-3-423-20150-6

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Zwiespältige Gefühle begleiten mich beim Lesen dieses Thrillers. Dieses Werk von Mankell steht - im Gegensatz zu dem Buch "Mörder ohne Gesicht" - weniger in der Tradition der Schweden Sjöwall/Wahlöö, sondern er erinnert mich eher an Thriller des Briten Forsyth. Thriller sind im Gegensatz zu Detektivgeschichten dadurch charakterisiert, dass stärker auf die Action, die Handlung Wert gelegt wird und weniger auf die Charaktere. Differenzierte Charaktere kommen in diesem Buch - mit Ausnahme des Kommissars nicht vor; alle Figuren sind qua definitionem eindeutig zuordbar. Gut geschildert die Geisterwelt der afrikanischen Riten, auch die Machenschaften der südafrikanischen Bruderschaft, einer rechtsradikalen Geheimorganisation. Allerdings - und dies mindert die Qualität des Krimis meiner Meinung nach bedeutend - baut Mankell zu viele Unwahrscheinlichkeiten in seine - für mich zu lang geratene - Handlung ein. So ist es völlig unwahrscheinlich, daß der - brutal gezeichnete - Killer Konovalenko die zufällig daherkommende Immobilienmaklerin erschießt - er müßte doch beim KGB gelernt haben, daß er damit nur die Aufmerksamkeit der Polizei auf sich zieht. Auch Wallanders - durchaus strafrechtliches - Dienstvergehen, den Killer auf eigene Faust zu jagen, wird als harmlose Marotte eines zeitweilig übergeschnappten Kommissars abgetan. Damit die Handlung auch bis zum Schluß spannend bleibt, geht am Ende eine Seite eines wichtigen Telex Wallanders nach Südafrika, welches die Identität des auf Mandela angesetzten Killers beschreiben soll - verloren; viel zu viel Unwahrscheinlichkeiten werden hier aufgebaut: angesichts der Wichtigkeit der Mitteilung und der Eile wäre ein Anruf notwendig gewesen oder zumindest - bei fehlender Unterschrift - eine Rückfrage. Dies passte natürlich Mankell nicht in seinen Plot. Ähnlich wie bei Forsyths "Schakal" muß das Attentat ja am Ende - beinahe - gelingen. Schade; durchaus hervorragende Passagen wechseln mit solchen Unwahrscheinlichkeiten ab. Außerdem ist mir der Krimi - wie Mankell überhaupt - zu brutal; die Tötungsszenen werden zu Hinrichtungen und bis in die Einzelheiten fast sadistisch nachgezeichnet. Ich frage mich: muß dies heute sein, um Lesepublikum zu bekommen?

Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 08. November 2003

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