Vor sechs Jahren entdeckte Brigitte Ehring das Dichten für sich; nun legt sie
ihr erstes eigenes Buch vor, etwas unglücklich betitelt mit "Das Grauen vor
dem Morgengrauen". 30 Beiträge zum alltäglichen und weniger alltäglichen
Dasein, mal in Gedicht-, mal erzählter Form, wobei die Gedichte deutlich besser
abschneiden. Vielleicht findet man ihr "Freude am Leben" in einer
Anthologie der nächsten Jahre wieder, oder "Das Warten des Poeten" in
einer Anleitung zum kreativen Schreiben, oder "Die Goldammer" in einem
Mörike-Jahrbuch. Anders gesagt: Ehrings Gedichte sind federleicht, ohne zu
bagatellisieren, sie stimmen nachdenklich, aber beanspruchen keine Philosophie
für sich, sie berühren, doch sie sind kein Strich sentimental. Die Erzählungen
sind leider mißlungen, die gewählten Motive wenig interessant, die Ausarbeitung
allzu schlicht, die Intention spannungsfeindlich überdeutlich, "Freitag,
der Dreizehnte" ist eines der dunklen Beispiele.
Fazit
Freundliches Fazit: Wer das erste Buch einer bisher unbekannten, dabei begabten
Dichterin nicht missen möchte, greife hier zu.
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