Hans-Martin Schönherr-Mann: Vom Nutzen der Philosophie

Vom Nutzen der Philosophie

Verlag: Hirzel [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Philosophie
ISBN-13 978-3-7776-2247-7

Preis: 19,80 Euro bei Amazon.de [Stand: 10. Dezember 2016]
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Ein Loblied auf den Pragmatismus

Es ist nun beileibe keine neue Erkenntnis oder "Mode", die Haltung des Pragmatismus nach vorne zu rücken. "Anpacker", "Macher", "Vernunftmenschen" stehen seit ehedem hoch im Kurs. Wenn einer wie Altkanzler Helmut Schmidt verlauten lässt, dass er einen mit "Visionen" umgehend einer inneren Abteilung eines Krankenhauses empfohlen hätte und wenn man die Wertschätzung dem Pragmatiker Helmut Schmidt bis heute hin wahrnimmt, dann ist durchaus zu vermuten, dass der Pragmatismus zu allen Zeiten eine durchaus nutzbringende Führungseigenschaft war.

Allerdings, und dies sollte man im Hinterkopf bei der Lektüre des Buches haben, gerade der Pragmatismus braucht eine enge Werte Anbindung, denn er lässt sich durchaus in den Dienst auch zerstörerischer und kruder Ideologien stellen. Nicht nur die verblendeten Ideologen des dritten Reiches sind verantwortlich für die zerstörerischen Kräfte jener Zeit, ohne kühle Pragmatiker der Macht und der Umsetzung der Vorgaben wäre der Welt an sich vieles erspart geblieben an Gräueln. (Gut, dass Schönherr-Mann immer wieder auch auf das Gemeinsame, das Zusammenwirken der Menschen rekurriert. Dies als Leitlinie genommen, ist der pragmatische Ansatz sicherlich hoch interessant gerade im Anblick vielfacher Wertkonflikte der Gegenwart).

Aber was ist es nun genau, was man gewinnt, wenn man pragmatisch denkt? Hans-Martin Schönherr-Mann gibt breit und durchaus fundiert argumentiert Aufschluss über den Nutzen des Pragmatismus für die heutige Zeit. Und stellt von Beginn an klar, dass das überkommende Vorurteil, Pragmatiker hätten eben keine Prinzipien, so nicht stimmig ist und nie stimmig war. Wohl aber verweist er auf die Konkretion, die dem Pragmatismus innewohnt, sich um Probleme vorrangig zu kümmern und nicht abstrakten Ideengebäuden oder unnachgiebigen Dogmen das Wort zu reden. Die eigenen Leitlinien sind dabei durchaus vorhanden, treten aber zum Nutzen der Sache in den Hintergrund. So gewinnt die pragmatische Haltung vor allem Handlungsfreiheit in mannigfaltigen, teils auch festgefahrenen Problemlagen und sucht vorrangig Lösungen (und wieder sei betont, das die zu Grunde liegenden Leitlinien des Pragmatikers, die Werte, von entscheidender Bedeutung sind, letzte Linien nicht dem Machbaren zu unterwerfen). Ein wichtiger Ansatz auf der Basis der Erfahrungen, dass Diskussionen um Werte und Weltanschauungen oft kaum lösbar vorliegen.

Überall da also, wo Menschen darauf angewiesen sind, aus unterschiedlichen Haltungen heraus gemeinsame Probleme zu lösen, das führt Schönherr-Mann überzeugend aus, ist die Haltung des Pragmatismus jene, mit der am ehesten Kompromisse und Ergebnisse mit praktischen Folgerungen zu erzielen sind. Das " gemeinsam Machbare" tritt in den Fokus, nicht das "Normative".

Pragmatisch dann betrachtet Schönherr-Mann die Folgerungen grundlegender Philosophischer Felder für "die Machbarkeit" des Alltages, des Lebens.

Ethik, um das Leben zu gestalten, Wissen, um sich zu orientieren in der Welt, Politik, um das eigene Leben verantwortlich gestalten zu können. Kunst, Ökologie und vieles mehr überprüft Schönherr-Mann auf die Wichtigkeit des jeweiligen Feldes im Sinne der pragmatischen Notwendigkeit für das Individuum.

Hier und da wirkt dies allerdings doch sehr persönlich gefärbt (Sprachphilosophie, weil man nie weiß, was man sagt; Religion, um sich nichts vorbeten zu lassen u.a.).
Fazit
Immer aber, und das ist aufgrund der einfachen Sprache des Buches gut nachzuvollziehen, bleibt Schönherr-Mann auf seinen "pragmatischen Grundlagen" und Methoden. So mag das ein oder andere Kapitel inhaltlich zu subjektiv gewählt sein und nicht jedem Leser gleichermaßen in seiner Bedeutung sich erschießen, was man allerdings am Buch sehr gut nachvollziehen und lernen kann, ist eine differenzierte, pragmatische Haltung, die dazu benötigten "Tugenden" und die Umsetzung dieser Haltung im eigenen Leben und im Alltag. Wobei der Titel des Buches nur eingeschränkt und subjektiv zu verstehen ist und die Philosophie auf den Pragmatismus letztlich zentral zugrundeliegend nur vorliegt.
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 16. August 2012

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