Lloyd Jones: Die Frau im blauen Mantel

Die Frau im blauen Mantel

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-498-03238-8

Preis: 1,07 Euro bei Amazon.de [Stand: 10. Dezember 2016]
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Vor der Küste Italiens stößt der Schleuser seine Passagiere von Bord. Wer nicht schwimmen kann, ertrinkt. Ines erreicht den Strand mit einer Plastiktüte, die ihren Mantel und ihre Hoteluniform enthält. Ines Schicksal setzt sich erst allmählich wie ein Puzzle zusammen aus den Zeugenaussagen derer, denen sie als Reisende ohne Papiere auf ihrem Weg von Tunesien nach Europa begegnete. Im Hotel For Seasons lernte Ines, Geld mit Hotelsex zu verdienen und sie lernt von einem Gast Schwimmen. Sie bekommt ein Kind von einem schwarzen Hotelgast. Ines Zimmergefährtin misstraut dem Mann, wei er sein Schwarzsein "nicht lebt". Im Glauben, dass der Mann sie liebt, unterschreibt Iris Papiere, die sie nicht versteht. Germayne hat Iris als preiswerte Leihmutter missbraucht und verlässt das Land mit dem gemeinsamen Sohn.

Ines zahlt für die Überfahrt über das Mittelmeer; schlägt sich nach Berlin durch, um um ihren Sohn zu kämpfen. Die Frau mit dem auffällig eleganten Mantel findet auf ihrer Reise Unterstützung von den verschiedensten Menschen, Hilfe die Ines reglos annimmt, als hätte sie Anspruch auf Zeit und Geld der anderen. Auch in Berlin trifft Ines auf Menschen, die für sie sorgen. Die illegale Einwanderin findet sogar eine Vertrauensposition als Betreuerin eines blinden älteren Herrn. Ines, die Betrogene, hat sich ihre eigene Moral gebildet, es gibt nur noch Ines und ihren Sohn. Wenn sie um ihr Kind kämpfen will, braucht Ines Geld, viel Geld.

Lloyd Jones Rekonstruktion des Lebens einer illegalen Einwanderin wird aus vielen verschiedenen Perspektiven erzählt. Jones hat für diesen Roman mit einem Autorenstipendium in Berlin recherchiert. "Die Frau im blauen Mantel" besteht aus vier Teilen, die beiden mittleren Abschnitte spielen in Berlin. Wie beim Lesen eines Krimis sind Aussagen und Indizien zu sammeln und abzugleichen. Die Berichte überlappen sich; Ines Erinnerungen und die Sicht der anderen widersprechen sich teilweise. Beobachtungen von Zeugen vermitteln stets auch Entscheidendes über den Charakter des Befragten, erinnert eine Zeugin, die als Dokumentarfilmerin arbeitet. Hauptzeuge ist Defoe, ein Wissenschaftler aus Neuseeland, der bei Ines blindem Arbeitgeber wohnt, um dessen Sehnsucht nach einem intelligenten Gesprächspartner zu erfüllen. Ines macht sich in Ralfs Wohung unsichtbar und unhörbar, als wolle sie keine Spuren hinterlassen. Die Frau aus Afrika macht es anderen nicht leicht, ihr Handeln zu verstehen. Im letzten Teil des Buches fallen die noch fehlenden Puzzleteile an ihren Platz, als Ines selbst erzählt.
Fazit
Das Zusammenpuzzlen der Handlung aus der Perspektive vieler Beteiligter muss man mögen, um Gefallen an Lloyd Jones Roman zu finden. Als hinreißende Nebenfiguren erleichtern es Defoe aus Neuseeland und Hannah, die Exfrau des blinden Ralf, die spröde "Frau im blauen Mantel" zu verstehen.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 05. August 2012

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