Sam Hawken: Die toten Frauen von Juarez

Die toten Frauen von Juarez

Verlag: Klett-Cotta Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-608-50212-1

Preis: 5,45 Euro bei Amazon.de [Stand: 09. Dezember 2016]
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Eine mexicanische Tragödie bildet den Rahmen für Sam Hawkens Roman über die toten Frauen von Juárez. Hier - in der Grenzstadt zu El Paso in den USA - herrscht die Mafia der Drogenbosse mit den Waffen der Gewalt, Brutalität und Menschenverachtung. Immer wieder werden Frauen und Mädchen vermisst, die niemals lebend zurückkehren und deren Verschwinden keiner aufklärt. Man weiß, dass solche Dinge passieren, spricht aber nicht darüber. Sie sind die "Mujeres sin voces", für die nur eine kleine Truppe Engagierter kämpft - nahezu machtlos, wie David gegen Goliath. Auch Kelly Courter, ein heruntergekommener amerikanischer Boxer, weiß von solchen Frauen, die jedoch wenig Raum einnehmen in seinen Gedanken. Er arbeitet für den Dealer Estéban als Drogenkurier und spielt in der Boxarena den punchingball für mexicanische Champions, die ihn - den "bolillo" - voll Begeisterung auf die Matte schicken. Blutige Spiele für eine Menge in Ekstase, deren Gröhlen das Letzte ist, was er hört, bevor es dunkel vor seinen Augen wird. Aber die Pesos stimmen, das Geld, das er verdient, um sich vielleicht einmal eine Zukunft mit Estébans Schwester Paloma, seiner Geliebten, aufzubauen. Der ständige Kontakt mit "motivosa", jedoch, dem Stoff, aus dem die Träume sind, wird auch ihm zum Verhängnis, bringt ihn auf die rauschhafte Bahn zur härteren Droge. Als Paloma dann plötzlich so unauffindbar ist wie die zahlreichen Frauen vor ihr, gerät Kelly ebenso in Verdacht wie ihr Bruder Estéban, Schuld an ihrem Verschwinden zu tragen.

Erst Rafael Sevilla, ein befreundeter mexicanischer Polizist, setzt sich auf die Spur der verschwundenen Frauen und versucht unter Einsatz seines Lebens, die Machenschaften der Täter zu entlarven. Er bewegt sich damit in einer Welt, die ihr eigenes Gesetz hat, in der man bereit sein muss zu töten, wenn man sein Leben behalten will.

Sam Hawken hat mit nachhaltigen, teils hart gewählten Worten ein unglaublich eindringliches Buch geschrieben. Schon die Grenzstadt Juárez wirkt durch seine Darstellung trostlos, schmutzig und grau, eine Ansammlung von lärmenden Fabriken und ärmlichen Wohnhäusern, in denen die Menschen ihre heruntergekommenen, zerschlagenen Körper ausruhen, denen nur Drogen und Alkohol ab und zu rauschhaftes Vergessen schenken. Die Schauplätze sind düstere, blutige Box - und Hahnenkampfarenen, in deren verräucherter Luft Männer ein brutales Vergnügen suchen, die selber nicht mehr wert sind als eine Schmeißfliege auf den Jackets der Drogenbosse und auch so von ihnen behandelt werden.
Fazit
Insgesamt kann man sich kaum befreien von dieser deprimierenden Darstellung, die nicht viel Raum für positive Gedanken bietet. Erbarmen, Entsetzen und Abscheu sind sehr dominant während des Lesens. Nur zum Ende hin spürt man ein wenig aufatmende Genugtuung, als Sevilla seinen Weg beschreitet, der den Frauen von Juárez endlich Gehör verschaffen wird - un vía de esperanza - ein Weg der Hoffnung.

Ein großes Stück aufrüttelnder Literatur.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von brillenbaby [Profil]
veröffentlicht am 24. April 2012

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