Kathrin Fischer: Generation Laminat

Generation Laminat

Verlag: Albrecht Knaus Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Biografie
ISBN-13 978-3-8135-0458-3

Preis: 0,87 Euro bei Amazon.de [Stand: 05. Dezember 2016]
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Ein politischer Blick auf die Gegenwart des Lebens

Was sich in Gestaltung des Buches und Wahl des Titels darstellt wie eine Fortsetzung (oder ein "Trittbrett") zur "Generation Golf", entpuppt sich bei der näheren Lektüre als ein durchweg interessantes, natürlich aus konkreter, also auch einseitiger, Sicht geschriebenes, politisches Buch. Eine Bestandsaufnahme einer "ganz normalen" gebildeten Frau, die eins und eins zusammenzählt und die gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen in ihrer "bewussten" Lebenszeit (die letzten 30 Jahre) wunderbar akzentuiert darzustellen versteht. Veränderungen, die klarstellen, dass es durchaus nicht nur subjektiv gefühlt für viele, gerade in der Mittelschicht des Landes, "bergab geht". Das es nicht mehr möglich ist, von einem "Mittelschichtgehalt" ein Haus zu erbauen und eventuelle Kinder kräftig auf ihren Ausbildungswegen zu unterstützen (nicht nur beides zugleich geht kaum mehr, sondern keins von beiden und so manches mehr).

Und das, vorweg gesagt, in ganz hervorragender Sprache. Allein das stellt schon eine Wohltat im Wust der mäandernden Literatur zur "Lage der Nation" dar. Differenziert, wenig populistisch, kaum verkürzend, verständlich und fließend im Stil, ordnet sich Kathrin Fischer in der gesamten Form bestens ihrem Thema unter. Und dieses ist nur in zweiter Linie eine "Generationenschilderung". In erster Linie legt Kathrin Fischer eine Bestandsaufnahme der Entwicklung der "sozialen Marktwirtschaft" vor. Vermag auf den Punkt den theoretischen (Keynes) und praktischen (Bismarck, Erhardt) Rahmen des "Wohlfahrtsstaates Deutschland" zu benennen, skizziert die sozialen und politischen Hintergründe dieses sich über 100 Jahre entfaltenden Erfolgsmodells verständlich und legt sodann die schrittweise sich vollziehende Abwärtsbewegung deutlich vor Augen. Ohne Hetze oder Häme erläutert sie, wie sehr sich im Kern die Veränderung der Arbeitswelt, die mehr und mehr höhere Bewertung von "Erfolg" statt, wie lange Zeit, der "Leistung", auf den einzelnen Menschen und die gesamte Gesellschaft auswirkt.

Nicht zum Guten, soviel ist sicher nach der Lektüre des Buches, das nicht den Anspruch einer wissenschaftlichen Facharbeit erhebt, durchaus aber sich der ausgewählter Fachleute bedient und deren Analysen mit aufnimmt. Eine Veränderung, die tatsächlich systemisch zu begreifen ist, die eine "große Transformation" darstellt, die man nicht einfach so geschehen lassen darf.

Auf diesem Wege erläutert Fischer ebenso verständlich den Sinn und Zweck, letztlich den "Segen" der Sozialversicherung, aus einer Zeit kommend, in der allein "Eigentum" Sicherheit darstellte und nun unter Bismarck und seinen Nachfolgern "soziales Eigentum" die Risiken des Lebens abfederte und damit den Weg erst freimachte für einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung. Die "Rettung des Kapitalismus durch mehr Staat" (Keynes) die offenkundig lange Jahre gut funktioniert hat. Und die rückbesonnen werden sollte in all den Irrungen und Wirrungen des "enthemmten Kapitalismus" mit seinen brachialen Folgen für Staaten und Gesellschaften.

Bevor nun aber umgesetzt wird, was der Patenonkel des Nachbarfreundes des Sohnes der Autorin empfiehlt ("Ich würde den Leuten empfehlen, schon einmal schießen zu lernen"), bietet Kathrin Fischer klare und handfeste Möglichkeiten an, sich dieser Entwicklung nicht kampflos zu ergeben. Klassische Möglichkeiten der Einmischung, der Information, der Bildung und der Entwicklung politischer Forderungen. Die auch jüngere Geschichte des Landes zeigt, dass Protestbewegungen durchaus in der Lage waren, zu mobilisieren und Verhältnisse zu ändern. Was nötig sein wird. Denn auch das stimmt: "Noch nie in der Geschichte hat irgendjemand Privilegien freiwillig hergegeben". Die fünf Punkte der "Weltrettungsanleitung", die sollte nun aber jeder selber im Buch nachlesen, es lohnt sich.
Fazit
"Generation Laminat" ist eine unaufgeregte, durchaus konstruktive Bestandsaufnahme der gesellschaftlichen Gegenwart im Rahmen der jüngeren Zeitgeschichte. Hervorragend zu lesen und differenziert in Stil und Darstellung vermischt Fischer viel Persönliches (ihre Geschichte, ihre Ängste, ihr Freundeskreis) mit klaren, politischen Analysen und Aussagen und bietet damit einen wichtiger, kritischen Beitrag im Blick auf all die "neoliberalen" und "renditeorientierten" Veränderungen, die offenkundig die Staaten und Gemeinwesen an die Grenzen der Belastbarkeit jetzt schon führen.
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 12. März 2012

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