Nele Neuhaus: Unter Haien

Unter Haien

Verlag: Prospero Verl. [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Krimi
ISBN-13 978-3-941688-04-9

Preis: 2,48 Euro bei Amazon.de [Stand: 01. Januar 1970]
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Mir wurde dieses Buch von Nele Neuhaus als ihr bestes Werk empfohlen und ich mochte es, weil es meiner Meinung nach sehr spannend geschrieben ist und es mir beim Lesen genau darauf ankam. Dennoch hat das Buch in Bezug auf die Zeichnung der Charaktere (zu klischeehaft schwarz-weiß gezeichnet) und vor allem in Sachen Handlungslogik vor allem im zweiten Teil auch gravierende Schwächen.

Worum geht es: die aus Deutschland stammende Investmentbankerin Alex Sontheimer findet heraus, dass die Bank, bei der sie angestellt ist, in kriminelle Machenschaften und Insiderhandel verwickelt ist. Der Chef der Bank, Levy, hilft dem "Paten" von New York, Sergio Vitali, sein Geld steuerfrei in geheimen Konten auf den Cayman-Inseln anzulegen. Zusammen mit einem Mitarbeiter kommt Alex hinter dieses Geheimnis. Doch gleichzeitig erliegt sie dem Charme des weltläufigen Mafia-Chefs, denn sie ist ehrgeizig und ihr Traum ist es, zu den Reichen und Mächtigen im Lande zu gehören. Gleichzeitig empfindet sie jedoch auch Hochachtung und Sympathie für den Bürgermeister von New York, der sich dem Kampf gegen die Korruption verschrieben hat und sich zur Aufgabe gestellt hat, den "Paten" New Yorks endlich wegen dessen zahlreichen Verbrechen, die sich aber bisher nicht beweisen lassen, vor Gericht zu bringen und seiner Strafe zuzuführen. Alex gerät deshalb in einen Zwiespalt, der umso größer wird, je mehr sie h die Skrupellosigkeit und Kaltblütigkeit des Gangsterbosses, der sie mit seiner jovial-leutseeligen Art zunächst fasziniert hat, erkennt. Gleichzeitig spitzen sich die Ereignisse dramatisch zu, als auf die Familie des Bürgermeisters ein Attentat verübt wird und Alex aufgrund eines belauschten Gespräches zwischen Vitali und seinen Helfern zu einer wichtigen Zeugin gegen den Mafia-"Boss" New Yorks wird. Dieser versucht sie daher, mit allen Mitteln zum Schweigen zu bringen...

Die Bewertung dieses Krimis hängt meines Erachtens von der Erwartungshaltung des Lesers ab. Wer gerne spannende Thriller liest, der wird mit diesem Buch sicherlich auf seine Kosten kommen. In Puncto "Suspense" ist das Buch meines Erachtens gelungen, man hört nicht auf zu lesen, bis man das Ende erreicht hat.

Leider sind die Charaktere - und zwar ausnahmslos - sehr klischéehaft angelegt, es gibt nur die "Guten" und die "abgrundtief Bösen". Diese schwarz-weiß-Zeichnung ist sehr penetrant, interessante "graue Charaktere" sucht man in diesem Buch vergebens.

Zweitens ist die Handlung - so spannend sie ist - besonders in der zweiten Hälfte nicht immer glaubwürdig. Einerseits werden missliebige "Zeugen" trotz guter Bewachung ohne Probleme von den Mafiosi umgebracht, andererseits gelingt der Protagonistin Alex immer wieder, Sergio Vitalis "Schergen" zu entkommen. Klar, dies ist notwendig, weil die Heldin "gut", "sympathisch" ist und als Zeugin im Prozess gegen Vitali unbedingt benötigt wird. Die Protagonistin darf - dies wird schon am Anfang klar - auf keinen Fall sterben.
Andererseits ist genau dieser Verlauf im zweiten Teil der Handlung zu konstruiert. So befremdet etwa die Naivität von Alex. Am Anfang als "eiskalte" und erfolgreiche Investmentbankerin beschrieben, ist ihre Naivität gegenüber den kriminellen Machenschaften und Geschäften ihres neuen Arbeitgebers für mich nicht nachvollziehbar. Auch, dass Sergio Vitali sich sehr lange Zeit von Alex "einwickeln" lässt und lange nicht durchschaut, hat mich nicht überzeugen können.
Zu sehr wirkt es - vor allem im zweiten Teil so, als beuge sich insbesondere die Logik der Handlung dem - gewünschten - Ende. Es gibt noch mehr Beispiele einer sehr konstruierten Handlung, die erkennbar darauf ausgerichtet ist, ein "Happy end" zu erzeugen. So bleibt es insbesondere vollkommen unglaubwürdig, dass der Mafia-Boss New Yorks so viele Spitzel in den Behörden New Yorks - insbesondere Polizei und FBI - platziert hat und dennoch von der sich über ihn zusammenziehenden "Schlinge" am Ende vollkommen überrascht wird. Es "kann" nicht sein, was nicht sein "darf" - dieses Prinzip dominiert die Handlung und dies macht sich insbesondere im zweiten Teil des stellenweise zu lang gewordenen Werkes bemerkbar.

Trotzdem ist das Buch spannend und die Betroffenheit des Lesers dürfte in der Mitte des Buches am größten sein, als bei einem Bombenattentat auf den Bürgermeister dessen Familienmitglieder getötet werden. Es ist die Stärke der Autorin, Empathie und Sympathie für die handelnden Protagonisten, insbesondere für den New Yorker Bürgermeister und Alex Sontheim aufzubauen. Dies wiederum ist eine der Stärken dieses Thrillers.
Fazit
Fazit: Wer einen spannenden Thriller lesen will, sich an Klischees und teilweise arg konstruierter Handlung nicht stört, dem sei das Buch empfohlen.
Wer auf solche Aspekte allerdings großen Wert legt, der dürfte von Nele Neuhaus Roman eher enttäuscht sein. Die "Prioritätensetzung" des Lesers ist meines Erachtens entscheidend, ob er das Buch mag oder nicht. Da es mir in erster Linie auf spannende Unterhaltung ankam und die Autorin genau dies beherrscht, hat mir das Buch gefallen. Wer allerdings auf eine logische, widerspruchsfreie und ausgefeilte Handlung sowie glaubwürdige und nicht eindimensionale Charaktere setzt oder gar Freude an "grauen" Anti-Helen hat, der wird das Buch allerdings nicht mögen und wohl enttäuscht beseitelegen.
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 10. März 2012

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