Martina Rellin: Wir sind die neuen Liebhaber

Wir sind die neuen Liebhaber

Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-89602-400-8

Preis: 0,31 Euro bei Amazon.de [Stand: 28. September 2016]
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Ein Seitensprung, das ist, wenn eine Ehe gerettet wird. Ein Seitensprung ist sozial. Ein Seitensprung ist eine Wohltat. Ganz nach dem Buchmotto "Angst tötet die große Liebe" schildern 20 Männer, viele verheiratet, ihre befreienden Erfahrungen rund ums Fremdgehen. Die meisten versichern, dass "das keine Liebe" sei, sondern - nur Sex; nach dieser fixen Überzeugung hat einer der Protagonisten, Arvid, seinen Bericht betitelt, wobei, schreibt Arvid, "Sex doch das ganze Leben" ausmache; und die Liebe? Bei Arvid "war das schon immer so, dass er nicht treu war", und er verheimlicht seine Untreue ("Sie ahnt nichts. Ich spiele den Saubermann."), denn "für meine Frau würde eine Welt zusammenbrechen, wenn sie das erfahren würde". Arvid ist auch einer, der seine Liebhaberin die Pille nehmen lässt, denn er ist "kein Kondomfreund". Er "bumst auch generell keine Frauen von Freunden und Bekannten", bis auf-, und "findet auch nichts Schlimmes an seinem Verhältnis", außer seine Frau würde-, und er findet jederzeit "jemand neuen, wenn das (…die Auslebung sexueller Bedürfnisse) nicht klappt", und wenn es seine Frau wäre-. Georg sagt, dass "Frauen Romantik mögen" und auch mal "durchaus richtig gefickt werden wollen"; ihren Liebesschwüren sei nicht zu trauen, "alles ist endlich" (und falls nicht, beendet es Georg) und "einen zu kleinen Schwanz" möchte keine. Und auch Georg sagt, "wenn man mit einem Partner länger zusammen ist (…), ist es zwangsläufig natürlich so, dass Spannung nachlässt, dass Unverhofftes nicht mehr passiert. In bekannten Gefilden überrascht man sich nicht."; Folge: man holt sich seinen Sex, d. h. seine Liebe, woanders. Norbert ist ehrlich, Norbert war die erste Hälfte seiner Ehe seiner Gattin treu, die zweite Hälfte füllt er aus mit einer Affäre, die zu mehr und mehr wird, die schließlich Liebe heißt. Da Frauen "zarter besaitet" sind als Männer, kommt Norberts Liebhaberin, selber verheiratet, irgendwann zu ihm, und klopft an um eine feste Beziehung; Norbert "versucht zu klären: `Schatz, der Alltag käme auch bei uns irgendwann`"; sprach der Gatte zur Gattin. So authentisch das beschrieben wird, so erbärmlich ist es. Norberts Ehe läuft weiter, sie wird sicher noch Jahre laufen, aber die Liebe, der Sex, das Gefühl ist weg. Alles, was prickelnd und erfrischend ist, läuft außerhalb der Partnerschaft ab: Fazit Norberts. Und wozu dann Beziehung? "Das Verhältnis von Diana und mir lebt auch vom Geheimnis, von einer Spannung, die man nie aufgelöst haben möchte.". Die Ehe als Hafen für das schönste Schiff, oder so. Aber wozu Beziehung? "Einen Entscheidungspunkt fürchte ich wie der Teufel das Weihwasser" - - Norbert, der wilde Liebhaber. Martin Rellin hat authentisch, nachvollziehbar, ohne moralisierenden Schmuck geschrieben. Lediglich die teilweise gewollte Bosheit stört, z. B. Alex beim gemeinsamen "Jahr-2000-Fick": "schön, was man auf einem Trip-Trap-Stuhl für Kinder so alles machen kann", heißt es da mehr eklig als lustvoll. Nach der Lektüre kam mir auch der Titel komisch vor; treffender wäre "Wir sind die neuen Ehemänner", denn die meisten "Liebhaber" haben ihre Frau gar nicht lieb und leben ihr "wirkliches Leben" mit der Zweiten. Der streckenweise bekenntnishafte Ton ließ sich nicht vermeiden, belastet trotzdem. Für heikel halte ich den heimlichen Aufruf "Seid untreu und ihr seid frei!", aber das wird jeder, Leser und Leserin für sich entscheiden.
Fazit
Die Zielgruppe. Für wen ist dieses Buch geschrieben? Für Frauen und Männer, die damit liebäugeln, fremd zu gehen? Oder Frauen und Männer, die einmal betrogen wurden, und nun erfahren, wie raffiniert sie überstiegen wurden? Oder Martina Rellins Fans? Oder für den Mann, der nachempfinden möchte, wie das war, in seiner Jugend? Oder sogar für die Frau, die sich nach einer festen Beziehung sehnt, getreu dem "alles ist endlich"? Quintessenz: keine.
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Vorgeschlagen von Paul Niemeyer [Profil]
veröffentlicht am 15. Oktober 2003

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