Jasmin Ramadan: Das Schwein unter den Fischen

Das Schwein unter den Fischen

Verlag: Klett-Cotta Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-608-50120-9

Preis: 17,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 05. Dezember 2016]
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Schräge Kost a la carte.
Nicht nur ein Imbiss ist das, was uns die Autorin Jasmin Ramadan mit ihrem Werk "Das Schwein unter den Fischen" anbietet. Es ist schon ein komplettes Menu, das sich hier aus den skurrilen Typen zusammensetzt, mit denen es Celestine zu tun hat. Die absolut kürzeste Rolle spielte dabei wohl ihre leibliche Mutter, die sich nach Beendigung ihrer Au-Pair-Zeit wieder nach Frankreich absetzte und Stine - oder auch Stint - beim Vater Reiner ließ und damit ihr Aufwachsen in einem stark unterpriviligierten Milieu heraufbeschwor. Ihre Stiefmutter Ramona, in die der verlassene Reiner sich rettungslos verliebte, weil sie mit unnachahmlicher Grazie und leuchtend rot lackierten Fingernägeln an der Tankstelle selbst geschmierte Mettbrötchen an ihn verkaufte, brachte auch keinen positiven Niveauschub nach oben mit sich, dafür war ihr Talent zum Bauchtanz zu mini - und ihr Alkoholbedarf zu maximal ausgeprägt. Reiners Schwester, Tante Beatrix, oder liebevoll Trixi genannt, hatte vor Jahren schon dem männlichen Geschlecht abgeschworen. Nur hatte das den Verlust ihres Elternhauses zur Folge, als sie beim lesbischen Treiben von ihrer Mutter erwischt wurde. Diese Oma Senta allerdings war es, der die Familie ihre Existenz, ihren Kiosk, verdankte, den sie sich von ihrem Erbe kaufen konnten. Dass sie damit jedoch in eine familien - und generationenüberdauernde Kioskdynastie einsteigen sollte, widerstrebte Celestine gewaltig und wurde ihrem beständigen Drang nach Höherem nicht gerecht!

Die Schriftstellerin hat eine Begabung außergewöhnliche Charaktere zu zeichnen, die zuerst amusieren und zum Lachen bringen, danach allerdings Nuancen von Tragik und Verzicht mitklingen lassen. Freies und Ungebundenes, was man sich außerhalb der Normen glaubt erlauben zu können, wird plötzlich begrenzt und verhindert, was man erreichen möchte, kann man nur erträumen, weit entfernt von der Realität, mit der man es danach wieder zu tun hat, inmitten einer Familie, in der solche "Angehörigen" wie der Kater Friedrich(übrigens eine Hinterlassenschaft der leiblichen Mutter)und der Hund Anaconda noch die kleinsten Probleme bedeuteten.
Fazit
Man erlebt ein kurzweilig gemischtes Kaleidoskop von Ansichten, Positionen und Gefühlen, während man Celestine begleitet. Die Geschichte reiht verrückte, bunte Seifenblasen aneinander, vielfarbig und fragil, oft in derbe Worte gepackt, dann wieder Ausdruck von Sensibilität und Einfühlung, sehr vielschichtig und deshalb lesenswert.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von brillenbaby [Profil]
veröffentlicht am 04. März 2012

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