Georg M. Oswald: Unter Feinden

Unter Feinden

Verlag: Piper Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Thriller
ISBN-13 978-3-492-05383-9

Preis: 18,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 07. Dezember 2016]
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München im Ausnahmezustand

"Was hält uns davon ab, aus der Reihe zu tanzen? Nur die Angst!".

Und wo die Angst nachlässt, da löst sich die Reihe auf. Was das eigentliche Thema dieses Romans von Georg Oswald ist. Die Auflösung von Regeln und Strukturen auf allen Seiten der Beteiligten offen zu legen.

Ein Jugendlicher mit Migrationshintergrund (nicht so förmlich wird er und andere im Roman, vor allem polizeiintern, einfach nur "Arab" genannt) wird bei einem Autounfall in München schwer verletzt. Zeitgleich war eine große verdeckte Operation der Polizei vor Ort im Gange. Die Volksseele vor allem der Jugendszene kocht über, gibt der Polizei schnell die Schuld und liefert der Staatsmacht umgehend Straßenschlachten und den Geschäften Plünderungen.

Zeitgleich bereitet sich die Stadt und die Sicherheitskräfte auf eine internationale Sicherheitskonferenz vor, bei der ein Anschlag handfest zu befürchten ist.

Die Polizisten Martin Driller und Erich Kessel sind in beide Polizeiaktionen involviert.

Was den angefahrenen Jugendlichen angeht gar als Täter. Erich Kessel hat es trotz mehrfacher Anläufe nicht geschafft, clean zu werden. In einem Aggressionsschub unter Entzugserscheinungen hält er frontal auf den Jugendlichen zu.
Martin Driller tut, was er kann, um den Freund aus der Schusslinie zu halten, die ermittelnde Staatsanwältin abzublocken, seine bürgerliche Existenz, seine Familie zu retten (er saß nun einmal mit im Dienstwagen, mit dem der Jugendliche überfahren wurde), muss sich zeitgleich um die Probleme seines Sohnes in einer elitären, katholischen Privatschule kümmern und auch noch den Spuren des geplanten Attentates nachzugehen. Hierzu wiederum könnte ihm Kessel späterhin das ein oder andere mehr erzählen, sitzt aber zu sehr in der Zwickmühle der Drogensucht, die ihn für dunkle Elemente angreifbar macht.

Ein Ermittlerduo, das es in sich hat, durchaus auch in der sorgfältigen Schilderung der Persönlichkeiten und der in sich stringent logischen Abfolge der Ereignisse, welche die innere Haltung beider Polizisten am Ende in einem schwierigen Licht zurücklassen werden.

Nicht nur ein gelungener Kriminalfall bildet den roten Faden des neuen Romans von Georg Oswald, auch seine spürbare Kritik an den Verhältnissen auf allen Seiten der Gesellschaft zieht sich durch das Buch hindurch. Und das durchaus ausgewogen. Einerseits der kritische Blick auf die Parallelwelt der Gangs und Banden "da unten" im Zuge von Gewalt und Drogen, demgegenüber die brutale Grausamkeit der "Verteidiger der Demokratie", von denen sich so einige mit dunkler Vergangenheit mit auf der Konferenz versammeln werden. Das raue Klima, aus dem Driller und Kessel kommen im Widerschein der einfachen, bürgerlichen Existenz, die sich Driller mit seiner Frau aufgebaut hat. Eine Existenz, deren innere Werte durch jene Privatschule repräsentiert werden, mit der nicht nur Drillers Sohn, sonder auch er selbst in Reibung geraten wird. Zu Recht, wie man konstatieren muss im Ablauf des Buches.

Eine Welt voller Reibungsflächen skizziert Oswald und mitten drin seine beiden desorientierten Protagonisten. Am roten Faden der beiden Ermittlungen arbeitet Oswald erkennbare Probleme einer zerfallenden Gesellschaft ab und zeigt den nicht immer gelingenden Versuch, in dieser immer ungeordneteren Welt einen sicheren Platz zu finden.
Fazit
Hier und da mit einigen Längen versehen, in manchen Wendungen der Geschichte wenig realitätsnah (es ist kaum zu glauben, dass ein jugendlicher Gangführer ganz offen versucht, einen Polizisten zum Dealer zu machen) findet sich in "Unter Feinden" dennoch ein gut geschriebener und intelligenter Roman, der mehr zu bieten hat als nur ein einfache Verbrecherjagd oder die obligatorische Frage, wer es denn gewesen sei.
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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 15. Februar 2012

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