Inge Meyer-Dietrich: Geheimsache Daddy

Geheimsache Daddy

Verlag: Ravensburger Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Kinderbuch
ISBN-13 978-3-473-36837-2

Preis: 1,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 05. Dezember 2016]
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Der fremde Mann in Jeans und Lederjacke ist blond wie Vincent und hat sogar die gleiche Zahnlücke wie er. Für Vincent ist es, als würde er in den Spiegel sehen. Vincents Mutter hatte immer eisern über den Vater ihres Sohns geschwiegen. Sogar eine Schublade der Kommode war immer abgeschlossen, damit Vincent darin nicht nach Hinweisen auf seinen unbekannten Vater suchen konnte. Als Achtjähriger hat Vincent im Stadtviertel sogar Suchmeldungen nach seinem Vater geklebt. Einmal hatte seine Muttter sich verplappert und verraten, dass Vincent seinem Vater sehr ähnlich sieht. Seinen unbekannten Vater nennt Vincent Daddy; denn wer sonst als ein Engländer könnte die Reihe englischer Krimis im Bücherregal des Wohnzimmers zurückgelassen haben. Vincents Mutter liest keine Krimis.

Telefongespräche, die die Mutter neuerdings heimlich führt, heizen Vincents Forscherdrang erst richtig an. Für jemanden, der etwas ausspionieren will, ist Vincents Freundin Malin die ideale Unterstützerin. Den fremden blonden Mann in Lederjacke hat Malin aus der Seniorenresidenz kommen sehen. Ein paar Tage vor den Ferien gibt es für die Schule kaum noch etwas zu tun. Die beiden Freunde treffen sich am Nachmittag, um dem Fremden nachzuspionieren. Ihre Recherchen führen Malin und Vincent in ein Hotel, zum gehbehinderten Justus Blomdahl in die Seniorenresidenz und zu einem Kunstmaler, der in einem Hochhaus lebt.

Mit einer alleinerziehenden Mutter oder einem alleinerziehenden Vater zu leben, ist für viele Kinder alltäglich. Bei ihren Freunden erleben sie das Aufwachsen mit einem Elternteil als ebenso normal. Vincent kennt es nicht anders und hat sich doch immer nach seinem Vater gesehnt. Seine kindliche Hoffnung, dass alles wieder gut sein wird, wenn nur der verschwundene Vater seinen Sohn endlich kennenlernt, ist verständlich. Eine moderne, berufstätige Mutter, die ihrem Sohn Informationen über seine Herkunft verweigert, ist dagegen für ein Kind ein ernstes Problem. Wie kann ein Jugendlicher ohne Kenntnis seiner Wurzeln erwachsen werden? Mit seiner abenteuerlichen Vatersuche schlägt Vincent seinen eigenen Weg ein, ohne sich direkt mit seiner Mutter auseinanderzusetzen. Kinder wie Vincent müssen sich später einmal mit den Fehlern aussöhnen, die ihre Mütter evtl. in gutem Glauben machten.

Im Anschluss an die sehr gut nachvollziehbare Ausgangssituation hat mir der Verlauf der Geschichte nicht mehr gefallen. Malins und Vincents Detektiv-Abenteuer sind zwar spannend geschildert, aber mit dem für Elfjährige sehr großzügigen Freiraum fand ich sie unrealistisch. Die Eltern interessieren sich kaum dafür, wo ihre Kinder den Nachmittag verbringen, Vincent und Malin klingeln bei Fremden und ernennen sich selbst zu Altensittern in einer Seniorenresidenz - dass Kinder ihre Abenteuerlust in Hotels und Seniorenheimen frei ausleben, ohne dass ein Erwachsener eingreift, finde ich nicht glaubwürdig.
Fazit
"Geheimsache Daddy" als sozial engagiertes Problembuch für Leser ab 9 Jahre wirkt auf mich mit seinem glücklichen Ende gut gemeint; die Erfüllung von Vincents Vater-Sehnsucht findet auf einer fantastischen Ebene statt, die ich für betroffene Kinder unglücklich finde.
6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne

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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 31. Januar 2012

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