Robert Harris: Angst

Angst

Verlag: Wilhelm Heyne Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Thriller
ISBN-13 978-3-453-26704-6

Preis: 0,25 Euro bei Amazon.de [Stand: 06. Dezember 2016]
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Wenn ein Abgrund sich auftut

"Am Anfang steht der Versuch, die Ursprünge des Universums zu ergründen, und am Ende hat man Ebay", sagt einer der Professoren, die am CERN in der Schweiz den Grundlagen des Universums auf der Spur ist.

Das allein macht zunächst noch keine Angst, gibt aber die inhaltliche Richtung und grundlegende Sorge des Romans vor, die Robert Harris an sich selber anhand seiner Beobachtungen des computergestützten Handels an der Börse feststellte und nun in einem hochintelligenten Thriller mit vielen Hintergrundinformationen zum Ablauf des modernen, algorhitmisch gestützten Börsenhandels als Buch verarbeitet. Entwickelt für ganz andere, forschende Ziele, werden selbst komplexe, kaum zu beherrschende oder zu verstehende Programme umgehend für rein egozentrische, pekuniäre Ziele eingesetzt. Mit teils dramatischen Folgen durchaus auch in der Realität und nicht nur in diesem Buch.

Auch die Hauptfigur des Romans, Professor Alex Hoffmann, innerlich exzentrisch, öffentlichkeitsscheu, war am Cern und hat sich verbissen in die Entwicklung selbstlernender Algorhitmen. Mit seinen Ergebnissen gründete er vor 8 Jahren im Buch einen Hedgefonds, dessen Software umfassend das Internet nach Angstparametern absucht, den Börsenhandel daraufhin überprüft und eigenständig Trades vollzieht aufgrund der Berechnungen. Und dies äußerst erfolgreich mit 83 Prozent Rendite in den letzten Jahren.
Während Hoffmanns Partner Investoren einlädt, um den Hedgefonds finanziell zu erweitern, hat Hoffmann selbst plötzlich ganz andere Probleme. Zunächst erhält er ein Buch, eine Erstausgabe von Darwins Betrachtungen der Gemütsbewegungen beim Menschen mit einem Lesezeichen dort, wo die Angst dargestellt wird. Dann wird am gleichen Abend bei ihm eingebrochen durch einen Mann, der dem Buch fast entsprungen scheint. Noch mehr merkwürdige Ereignisse geschehen und lassen Hoffmann selbst, aber auch seine Frau und sein Umfeld, an seinem Verstand zweifeln.

Zugleich beginnt im Handelsraum seiner Firma eine intensive, eigenständige Tätigkeit des Algorhitmus, die mehr und mehr zu einer Gefahr nicht nur für die Gelder des Fonds selber werden, sondern die gesamte Börsenwelt in Mitleidenschaft ziehen könnten.
Als Hoffmann dann noch feststellt, dass alle Räume der Firma, wie auch seine private Villa umfassend überwacht werden, versteht er ganz langsam, was wirklich hinter den verschiedenen Bedrohungen stehen könnte. Und das er tatsächlich das Ziel eines Komplotts ist, um den einzigen Mann aus dem Spiel zu ziehen, der die Technik vielleicht noch beherrschen könnte.

Robert Harris versteht es sprachlich hervorragend, eine bedrängende Atmosphäre zu schaffen, ohne das all zu viel bereits passiert wäre. Zunächst auf der inneren Ebene seines Protagonisten vollzieht er hintergründig nach, wie ein Abgleiten in eine umfassende Angst vor sich geht, bevor er dann, diese persönliche Ebene immer im Blick haltend, die Bedrohungen über einzelne Personen heraus erweitert.

Das zudem Harris hervorragend recherchiert hat, die Welt der Hedgefonds, der Börse und, vor allem, des computergestützten Handels fundiert darstellt und gerade durch diese Realitätsnähe die immensen Gefahren dieser modernen Art, Finanzgeschäfte in Millisekunden zu tätigen fassbar in den Raum stellt, dies alles komponiert er mit großer Qualität zu einem intensiven Leseerlebnis auf vielen Ebenen zusammen.
Fazit
Im Gegensatz zu manch andern Romanen des Autors (wie Vaterland), setzt Harris in "Angst" kein Szenario "knapp neben der Realität", sondern bildet nur im Rahmen eines hervorragenden Thrillers bestehende Realitäten ab, die durchaus "Angst" hervorrufen sollten. Bedenkt man in Ruhe, wem und in welcher Form die Menschheit mittlerweile einen hohen Teil ihres wirtschaftlichen Wohlergehens anvertraut hat. Mit weitreichenden Folgen, wie man jeden Tag aufs Neue zu sehen bekommt.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne
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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 30. November 2011

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