Ekkehard Eickhoff: Kaiser Otto III. Die erste Jahrtausendwende und die Entfaltung Europas

Kaiser Otto III. Die erste Jahrtausendwende und die Entfaltung Europas

Verlag: Klett-Cotta Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Biografie
ISBN-13 978-3-608-94188-3

Preis: 19,80 Euro bei Amazon.de [Stand: 04. Dezember 2016]
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"Mirabilia Mundi" wurde er bewundernd genannt, das "Wunder der Welt". Kaiser Otto III. (gest. 1002) hat bereits seine Zeitgenossen in Erstaunen versetzt. Als sein Vater, Kaiser Otto II., 983 starb, war der Sohn noch ein Kleinkind. Seine Mutter Theophanu, eine Verwandte des byzantinischen Kaiserhauses, sorgte für eine umfassende Erziehung des Jungen und dafür, dass er 994 die Herrschaft ungefährdet antreten konnte. Otto III. war nicht nur sehr gelehrt (was an sich schon eine Besonderheit unter den mittelalterlichen Herrschern im Westen darstellte), sondern hatte offenbar auch durchaus Charisma. Der Kaiser blieb nicht ohne Erfolge, doch scheiterte seine Italienpolitik, die bereits von Zeitgenossen kritisiert wurde.

Ekkehard Eickhoff ist ebenfalls eine gewisse Ausnahmeerscheinung unter den Historikern. Obwohl promoviert und habilitiert, war er vor allem als nicht unwichtiger deutscher Diplomat tätig. Seine historischen Abhandlungen richten sich an ein breiteres Publikum, sind aber wissenschaftlich fundiert - und vor allem sehr gut geschrieben. Eickhoff unternimmt in dieser Darstellung nicht nur den Versuch, das Leben Ottos seit seiner Kaiserkrönung 996 zu schildern, sondern bettet dessen Vita in den gesamteuropäischen Kontext ein. Betrachtet wird der hohe Norden bis Island, die Weiten Osteuropas sowie das Kaiserreich Byzanz, außerdem der Westen und Italien.

So entfaltet sich vor dem Leser ein regelrechtes Panorama der mittelalterlichen Welt um das Jahr 1000, wobei Eickhoffs Stil oft sogar fesselnd, immer aber gut verständlich und dennoch sehr informativ ist. Chronologisch verfolgt der Autor das Leben des Kaisers, doch sind immer wieder Exkurse eingeflochten, so unter anderem zur Besiedlung Grönlands im Norden oder dem Bildungsaustausch mit der arabischen Welt. Sicherlich ließe sich über manche Nuance der Darstellung streiten; so ist es unsicher, dass ein mittelalterlicher Herrscher wie Otto tatsächlich eine so planmäßige Politik betreiben konnte, wie dies teils angedeutet wird. Vor allem aber kann der Leser unter anderem die dramatische Italienpolitik Ottos verfolgen, der vielleicht eine regelrechte Erneuerung des alten Imperiums angestrebt hatte (was aber umstritten ist), und sich dabei etwa mit mächtigen stadtrömischen Adeligen streiten musste. Ebenso wird deutlich, wie Otto auch den Osten Europas in seine Politik einbezog, vor allem Polen und Ungarn. Ottos große Begeisterung für die Stadt Rom verhinderte jedoch nicht, dass seine Stellung in der "Ewigen Stadt" prekär war und bis zu seinem frühen Tod auch blieb.
Fazit
Eickhoffs Buch ist weit mehr als eine (Teil-)Biographie. Es ist vielmehr ein hervorragend lesbares Portrait Europas um das Jahr 1000 und teils ein regelrechter Lesegenuss. Wer eine fachlich fundierte und dennoch stilistisch gelungene historische Darstellung auf gehobenen Niveau sucht, wird hier fündig. Im Übrigen seien auch Eickhoffs andere historische Werke (vor allem zum "Türkenkrieg" im 17. Jahrhundert und zu Venedig) dem geneigten Leser zur Lektüre empfohlen.
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Vorgeschlagen von B. Kiemerer [Profil]
veröffentlicht am 18. November 2011

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