Andreas Föhr: Karwoche

Karwoche

Verlag: Droemer Knaur [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Krimi
ISBN-13 978-3-426-65252-7

Preis: 0,80 Euro bei Amazon.de [Stand: 10. Dezember 2016]
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Familienmord

Er wächst einem fast so langsam ans Herz, der Leonard Kreuthner.
Nein, nicht wegen seiner Ecken und Kanten, sondern trotz seiner Ecken und Kanten. Bei weitem gilt für diesen oberbayrischen Polizisten nämlich nicht "Raue Schale, weicher Kern", sondern der Kern ist ebenso rau, wie die Schale, zudem halbseiden und ein wenig dumpf im Handeln. Fettnäpfchen lässt er gerne mal nicht aus und im Herausreden hat er seine wahren Stärken.

"Vielleicht sollten Sie ihm mal eine Therapie spendieren, er macht einen recht wirren Eindruck", rät zumindest eine Zeugin im Buch dem ermittelnden Kommissar und ganz unrecht hat sie da nicht. Ein wenig erhellend wirkt da der Einschub der Kreuthnerschen Familiengeschichte, die ein wenig klärt, in welcher Ahnenreihe Leonard Kreuthner sich befindet und damit auch ein wenig seines Wesens näher beschreibt.

So auch gleich zu Beginn des Buches, in dem er auf der Landstrasse nach Tegernsee nach einer Wette mit seinem alterschwachen Passat ein Rennen gegen einen Kumpel fährt und dabei sich, den Bekannten und, vor allem, seinen Vorgesetzten, Kommissar Wallner (der nichtsahnend und wohl gelaunt mit seiner neuen Liebe Vera auf dem Weg ins lange Osterwochenende am Gardasee sich befindet) in äußerste Lebensgefahr bringt.

Flugs wird das Rennen von Kreuthner zur "allgemeinen Verkehrskontrolle" erklärt. Wie erstaunt stehen aber Kreuthner, Wallner und der Fahrer des am Rennen beteiligten Lieferwagens dann vor der "Ladung". Eine weibliche Leiche. Und ein Fahrer des Lieferwagens, der sich äußerst verdächtig benimmt. Nun ist ein solcher Leichenfund an sich nicht alltäglich am Tegernsee, die weiteren Ermittlungen aber bringen noch ganz andere Dinge zum Vorschein, an denen mehr Personen beteiligt sein werden, als man vorher denkt.

Wallner zumindest, trotz Urlaub, kann sich kaum losreißen von den Ermittlungen. Die Familie Millruth, Schauspieler und wohlhabend am Schliersee residierend, hat zumindest eine intensive Verbindung zur Toten gehabt (und selber einen ominösen Todesfall vor kurzem in der Familie erlebt). Und was ist eigentlich mit dem verschwundenen, ehemaligen rumänischen Hausmädchen der Millruths? Ereignisse tauchen auf, die Jahre zurückliegen und doch ihre Spuren für die Gegenwart hinterlassen haben. Ereignisse, die Kreuthner versucht, hilfreich zu lösen. Da ihm ein Disziplinarverfahren droht, will er dem einzigen Zeugen "Wallner" doch gut sein und zur Hand gehen und tappt prompt in die nächsten Fettnäpfchen.

Während Wallner nicht locker lässt und sich so langsam in das Dickicht der Geschehnisse (die von Föhr in drei Zeitebenen erzählt werden) vortastet. Vor 15 Jahren fing wohl alles an, am letzten Weihnachten bei Millruths fand es eine Fortsetzung, die bis in die Gegenwart reicht. Das alles geschieht ein wenig zum Leidwesen des eigentlich ermittelnden Kommissars Mike Hanke, der erst langsam seine Rolle in diesem Wirrwarr findet und einsieht, dass man einen Kommissar Wallner trotz dessen Urlaub nicht außen vor lassen kann. Nebenbei muss sich Wallner zwar auch noch um seinen merkwürdig sich verhaltenen Großvater kümmern, aber das fällt schon kaum noch ins Gewicht bei all den persönlichen Verwicklungen, die mehr und mehr in den Mittelpunkt des Geschehens rücken.

Andreas Föhr gelingt es mit seinem Stil, mit wenigen, kantigen Sätzen Personen und Orte zu beschreiben. Wenige Worte nur, und auch der nicht ortskundige Leser kann sich unter "Hausham" etwas vorstellen, spürt durch das Buch eine greifbare Atmosphäre des kleinen Ortes. So auch im Blick auf die Personen des Buches. Weniger seitenweise Erläuterungen bietet Föhr, um das Innere seiner Figuren näher vorzustellen, allesamt erklärt sich das Wesen der Figuren durch deren Handeln, die Art, zu sprechen, die Form, in der Dinge angegangen und Dialoge geführt werden. Und ebenso zugleich ergibt sich eine erkennbare, regionale Atmosphäre der Gegend um Tegernsee, Schliersee und Miesbach herum, die einfach stimmig und nie übertrieben wirkt.
Fazit
Gepaart mit einem wiederum sorgsam aufgebauten Fall, vielen Spuren und einem nicht umwerfend, aber doch durchaus noch mit Überraschungen versehenem Ende, weiß Föhr wieder einmal gut zu unterhalten. Auch wenn die Art seines Herangehens an seine Geschichten nun doch aus den letzten beiden Büchern heraus bekannt ist und sich nicht geändert hat. Ereignisse auf drei Zeitschienen (ferne Vergangenheit, jüngere Vergangenheit, Gegenwart) und ein "vor sich hin Machen" der diversen Figuren mit leicht mangelnder Abstimmung sind ein Schema, dass durchaus auch in diesem Buch wiederum gut funktioniert.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne
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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 14. November 2011

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