Knut Görich: Friedrich Barbarossa. Eine Biographie

Friedrich Barbarossa. Eine Biographie

Verlag: Verlag C. H. Beck [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Biografie
ISBN-13 978-3-406-59823-4

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Kaiser Friedrich I. aus dem Hause der Staufer (gest. 1190), auch bekannt als Friedrich Barbarossa, galt lange Zeit als ein großer mittelalterlicher Herrscher. Doch ist der Barbarossa-Mythos modernen Ursprungs. Im 19. Jahrhundert wurde das Interesse an "Nationalhelden" geweckt, so dass unter anderem Friedrich I. eine Rolle im neuen Nationalbewusstsein der Deutschen spielte - vor allem als "schlafender, aber wiederkehrender Kaiser". Dieses Bild hat auch lange Zeit die Geschichtsschreibung geprägt. Man sah in Barbarossa den durchsetzungsstarken Kaiser, in dessen Regierungszeit das Heilige Römische Reich eine mittelalterliche Großmacht war. Viel Schein war freilich dabei: Mit seiner Italienpolitik ist der Staufer letztendlich weitgehend gescheitert, auch im Kampf mit dem Papsttum musste er einlenken; in Deutschland hingegen erstarkten weiter die Territorialfürsten.

Prof. Knut Görich darf sicherlich als einer der besten Kenner Barbarossas bezeichnet werden. In seiner Habilitationsschrift "Die Ehre Friedrich Barbarossas" arbeitete Görich in beeindruckender Weise einen Faktor der Herrschaftsszeit Barbarossas heraus, der neu war: der "honor imperii", die "Ehre des Reiches", wurde nicht (wie zuvor) juristisch, sondern als Begriff der sogenannten "symbolischen Kommunikation" gedeutet. Dieser Punkt spielt auch in Görichs vorliegender Barbarossa-Biographie eine wichtige Rolle, wobei anzumerken ist, dass sich Görich der Grenzen des Mediums der Biographie bei einer mittelalterlichen Persönlichkeit sehr bewusst ist.

Görich schildert detailliert das Leben und vor allem die Zeit Friedrich Barbarossas: Von den Anfängen der Staufer, über die Königswahl und die Kaiserkröngung, weiter über den Streit mit Papst Alexander III. bis zur Sackgasse der Italienpolitik und dem Tod des Kaisers auf dem Kreuzzug. Anschaulich und dennoch ohne wissenschaftliche Abstriche kann der Leser die Ereignisse verfolgen, die immer wieder in den geschichtlichen Kontext eingeordnet werden. Nicht nur die rein politische Geschichte, sondern unter anderem auch die Mechanismen der Politik Barbarossas werden eindrucksvoll dargelegt. Die Quellen werden immer kritisch beleuchtet und die moderne Forschungsliteratur ist umfangreich verarbeitet worden. Der Darstellung schließt sich ein Blick auf das Nachleben des Kaisers sowie ein Anmerkungsapparat und eine vorzügliche Literaturliste an.
Fazit
Görichs Barbarossa-Biographie darf sicherlich als großer Wurf bezeichnet werden. Nicht nur aufgrund des inhaltlichen Umfangs, sondern vor allem im Hinblick auf die Methodik und der Darstellungskraft. Görich macht endgültig Schluss mit einem zu idealisierten Bild des Kaisers, legt dessen Stärken, aber auch dessen Schwächen offen und beschönigt die bisweilen brutale Machtpolitik des Staufers nicht, der hart gegen die aufständischen Städte in Italien vorging.

Die Schilderung Görichs ist sehr gut lesbar, ohne jedoch zu vereinfachen. Manche seiner Deutungen mag man anders beurteilen (der Aspekt des "honor" ist schließlich in der Forschung nicht unumstritten), doch regt das Buch, das mehr ist als eine reine Lebensbeschreibung, zum Nachdenken an. Es sei jedem historisch interessierten Leser daher wärmstens empfohlen.
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Vorgeschlagen von B. Kiemerer [Profil]
veröffentlicht am 04. November 2011

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