Katarina Münk: Die Eisläuferin

Die Eisläuferin

Verlag: dtv [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-423-24881-5

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Eiskalt erwischt hatte es den Hippocampus der Regierungschefin eines westlichen Landes, als in Omsk ein Bahnhofsschild auf sie herunterstürzte. Die westliche First Lady befand sich gerade auf einem "incognito-Urlaub" mit der Transsibirischen Eisenbahn. Begleitet wurde sie nur von ihrem Ehemann und dem von Tolstoi erschaffenen Werk "Krieg und Frieden". Mitwisser dieser geheimen Urlaubsaktion war Herr Bodega, ihr Generalsekretär, der enge sms-Verbindung zu ihr hielt. Durch den unvorhergesehenen Kontakt mit dem maroden Bahnhofsschild wurde eine Amnesie ausgelöst, die eine Erinnerung von ca. zwanzig Jahren zunichte machte. Als diese Erkenntnis im kleinen Kreis der Eingeweihten amtlich wurde, setzte man eine Welle von Massnahmen in Gang, welche die Situation vertuschen sollten. Jeden Tag neu musste die Chefin auf die anlaufende Regierungsspur gebracht werden, ein Therapeut musste her, jede Situation erforderte Vorplanung. Dennoch verblüffte die Lady ihr Umfeld durch ihr Verhalten. Als ob eine neue Person am Werke sei, ging sie die Aufgaben mit anderer Grundhaltung an, mehr Spontaneität, mehr Handeln aus dem Bauch heraus, vieles simpler und trotzdem logisch. Dinge wurden durchgeführt, die man vorher mit ihrem Namen nicht verbunden hätte, von denen man niemals geglaubt hätte, dass sie in ihrem Inneren verborgen waren. Alles änderte sich - sie selbst, ihr Kontakt zu den Menschen und nicht zuletzt ihr Wissen um das, was wirklich bedeutsam ist. Sei es in dem Moment, in dem man es verliert, als auch dann, wenn man es - zumindest in kleinen Dosen - wiedererhält.

Lange muss man nicht rätseln, um welches Land es sich handelt bei dieser westlichen Nation. Wo denkt man schon 'mal an eine Jamaika-Koalition? In welchem bedeutsamen, westlichen Industriestaat hat die Chefin ein absolutes faible für Blazer (und das in allen Farben!), die obligatorischen T-Shirts mit halbrundem Ausschnitt und modischer Kette darauf? Auch ein blonder Aussenminister mit Brille könnte ein Hinweis sein. Der geneigte Leser wird also hier kaum Schwierigkeiten haben. Allerdings führt die Namenlosigkeit der Protagonisten leider auch zu einer gewissen "Abständigkeit" und verhindert etwas die mentale Kontaktaufnahme vom Leser auf der einen zur Romanperson auf der anderen Seite. Dennoch erfreut es den aufmerksam Lesenden, dass das Schicksal der Chefin an der Bio-Käsetheke eines Supermarktes unter dem Sonderangebotsschild für Parmigiano eine positive Wendung nimmt! Was für eine großartige Fügung!
Fazit
Der Schreibstil ist flüssig, an vielen Stellen blitzt ein herrlicher Humor auf, der die Stellen wettmacht, an denen Zähflüssigkeit die Oberhand hat.

Das Cover ist gekonnt gewählt, hat Beziehung zur story in den Details, von der blazergekleideten, flott dahergleitenden Regierungschefin(wir waren früher alle 'mal schlanker!) auf der immer wieder zum Aufziehen bereiten Spieluhr mit Reichsadleremblem und umlaufender schwarz-rot-goldener Raff-Bordüre.

Amusante Politsatire, sehr kurzweilig und empfehlenswert.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne

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Vorgeschlagen von brillenbaby [Profil]
veröffentlicht am 07. November 2011

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