Els Beerten: Als gäbe es einen Himmel

Als gäbe es einen Himmel

Verlag: S. Fischer [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-8414-2135-7

Preis: 19,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 08. Dezember 2016]
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Krieg, Freundschaft, Ideale, Liebe und verführt werden

Verführt wird man durchaus im und durch das Buch, in vielfältiger Form. Der Leser durch diese flüssig und mit großem Sprachschatz intensiv erzählte Geschichte. Remi, 10 Jahre alt, durch die faszinierende Welt der Älteren und, vor allem, durch Ward, den Freund seiner Geschwister. Renee, die Schwester Remis, durch Ward, durch die Liebe an sich. Und Jef, der ältere Bruder Remis durch seine tiefe Freundschaft zu Ward, die aber doch ihre Bewährungsprobe nicht wirklich übersteht. Ward auch, durch die Ideologie des dritten Reiches, eigentlich aber durch sein inneres Wesen, das nach Größe strebt. Eine Größe, die der begnadete Saxophonist einerseits in der Musik findet, mit der er auf seinem Instrument die "Sterne vom Himmel" zu holen versteht. Eine Suche nach Größe aber auch, die nach mehr strebt, die durch Personen angeregt werden kann, die durch einen seiner Lehrer in die Ideologie führt. Die falsche, wohl. Fast eine Ironie im Buch ist es dann, dass eben Jef, der nie nach Größe strebte, der nichts besonderes sein wollte, der lieber "in die Grube" zum Arbeiten einfuhr statt seinem Vater zu folgen und ein Studium, etwas "Besseres" zu beginnen, eine Art "Held" wird. Aber nur fast eine Ironie.

Denn jene "Heldentat", die ihn in den Genuss der Verleihung einer Medaille durch den belgischen Widerstand gelangen lässt, wird sich als etwas ganz anderes in Wahrheit herausstellen, das aber erst ganz zum Schluss der Geschichte.

Eine Geschichte, die hauptsächlich (aber bei weitem nicht nur) in den letzten Monaten des zweiten Weltkrieges spielt. In einem kleinen Dorf in Belgien, das im September 44 bereits dem Frieden entgegen sieht. Eine begrenzte Welt im Buch, die sich weiterhin einengt, da der eigentliche "Ort" der Handlung das Leben vierer junger Menschen ist, deren Drei zu einer Familie gehören Die Geschwister Jef, Renee und Remi und ihres Freundes Ward.

Ein Wagnis zudem in der Erzählform ist Els Beerten zudem eingegangen. Aus den genannten, vier verschiedenen Perspektiven heraus erzählt sie ihre Geschichte, Kapitelweise, je in der Ich Form. Ein gelungenes Wagnis, kann man konstatieren, denn da sich die Betrachtungen der je recht kurzen Kapitel in der Regel auf die gleichen Zeiträume der Ereignisse bezieht, verwirrt diese Erzählform weniger, denn dass sie einen dichten Teppich webt, in dem die verschiedenen, subjektiven Empfindungen und Haltungen der Protagonisten einfließt. Ein Webstück, in dem die innere Suche nach Orientierung der jungen Jahre ebenso intensiv dargestellt wird, wie die perfide Maschinerie der Ideologie der Nationalsozialisten, aber auch die sich überkreuzenden und Lebenswege der Protagonisten.

Ein Buch zudem aber auch, in dem wenig sich so herausstellen wird, als es zu Anfang scheint. In dem die innere Geschichte des zweiten Weltkrieges ideologisch genauso ihren prägenden Einfluss hat, wie die Beziehungen der jungen Menschen untereinander. Beziehungen, die wechseln. Die erleben müssen, wie Ward sich auf Seite Deutschlands stellt und in den Krieg zieht und wie er zur Persona non grata werden muss. Zumindest im Äußeren der Haltung der zurückgebliebenen Dorfbewohner. Nur der 10jährige Remi versteht die Welt an diesem Punkt nicht mehr und ist ob seines Alters aber der Hilfloseste von allen.

Wie passend im Buch, dass die Blaskapelle des Dorfes, in dem sich alle Beteiligten kennenlernen, "Unsere Sehnsucht" heißt, denn Sehnsucht ist es, die im Eigentlichen den Kern des Buches trägt. Eine Sehnsucht nach Tiefe, nach einem "Mehr als das, was da ist", die sich in der Musik Bahn bricht, die aber auch im Leben ihren Ort sucht. Auf bei Jef, der doch jener ist, "der Angst hat, seine Flügel auszubreiten". Und bei der die Protagonisten bitter zu lernen haben werden, dass man "Wärme und Freundschaft in keinem Laden findet".
Fazit
Freundschaft, die Verrat ausgesetzt ist, eine Geschichte mit doppeltem und dreifachen Boden, die sprachlich und in der Konzeption als ganz hervorragender Entwicklungsroman von Els Beerten umgesetzt wurde, der seine großen Stärken in der sensiblen und intensiven Zeichnung der Figuren findet. Ein Buch, sicher in erster Linie, aber bei weitem nicht nur, für Jugendliche und Heranwachsende. Über innere Verführung, Lügen, Krieg, heranwachsende in unruhigen Zeiten und die Suche nach einem eigenen Leben.
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 26. Oktober 2011

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