Sebastian Fitzek: Der Augenjäger

Der Augenjäger

Verlag: Droemer Knaur [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Thriller
ISBN-13 978-3-426-19881-0

Preis: 3,98 Euro bei Amazon.de [Stand: 08. Dezember 2016]
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Tempo und ständige Überraschungen

Natürlich kann das neueste Werk von Sebastian Fitzek in sich abgeschlossen als eigenständiger Thriller gelesen werden, für die nötigen Informationen sorgt Fitzek geschickt auf den ersten Seiten des Buches. Aber im eigentlichen Sinne ist der "Augenjäger" die direkte Fortsetzung des "Augensammlers" mit gleichem Personal (nun ja, einiges an Überraschungen wird auch hier auf den geneigten Lesern auf den ersten Seiten warten) und der inneren Fortsetzung der Geschichte, die im letzten Buch begann.

Eine Geschichte, die ein wahres Feuerwerk an überraschenden Wendungen bereit hält und mit hohem Tempo von Fitzek vorangetrieben wird. Just in jenen Augenblicken, in denen der Leser, vor allem nach den ersten 50 "Hochgeschwindigkeitsseiten", sich meint, zurücklehnen zu können und einigermaßen nun die Verhältnisse der intensiv gezeichneten Figuren untereinander einschätzen zu können, genau da führt Fitzek eine neue Volte ein, die wieder das vermeintliche logische Gebäude in den Grundfesten erschüttert und ganz neue Stränge vor die Augen legt. Eine Wendung, die beileibe nicht die letzte im Buch bleibt. Bis zur fast letzten Seite wird der Leser immer wieder sich innerlich neu einstellen müssen, um den Gesamtzusammenhang der Ereignisse und der Figuren erkennen zu können und die dramatischen Folgen der vielfachen Fehleinschätzungen im Buch im Gesamten vor Augen dann liegen zu haben.

Augen, jene kostbaren Organe, die man unwillkürlich zu Zeiten im Buch fast zuhält, um sie zu schützen. Zum Glück verzichtet Fitzek darauf, in allen blutigen Einzelheiten die Techniken des "Augenjägers" zu beschreiben. Die Details, die er beschreibt und die Ergebnisse der "Arbeit" des augenfixierten Serienvergewaltigers reichen bereits aus, um durchgängig Unwohlsein hervorzurufen. Da, wo einer Lider entfernt, damit die Opfer ihre Augen vor einer unnennbaren "Schuld" nicht zu schließen vermögen und die durchgängig weiblichen Opfer dann brutal vergewaltigt. Opfer, die dies in der Regel nur solange überstehen, bis sie Gelegenheit zum Selbstmord finden.

Die blinde Alina mit ihrer speziellen Gabe, ein stückweit zumindest die Zukunft schauen zu können, wird von der Polizei hinzugebeten, um, so möglich, Indizien gegen den Hauptverdächtigen Dr. Zarin Suker zu "sehen", damit dieser nicht aus Mangel an Beweisen auf freien Fuß gesetzt werden muss. Das gelingt ihr nicht in ausreichendem Maße, Zuker kommt frei und nun ist niemand im Buch mehr seines Lebens wirklich sicher. Mit Alina hat er ganz spezielle Pläne, Pläne, die auch eine andere, junge Frau betreffen. Pläne, die durchaus zurückreichen in die Ereignisse des letzten Buches um den Journalisten Alexander Zorbach herum, dessen Frau ermordet und dessen Sohn am Ende des "Augensammlers" entführt wurde. Zorbach, der zu Anfang des Buches dem als sicher identifizierten Mörder Frank Lahmann hinterher taumelt, um seinen Sohn Justin innerhalb der Zeit des Ultimatums zu retten. Eine Rettung mit perfiden Bedingungen und dem ersten lauten Überraschungsknall des Buches.

Ein Buch, in dem sich niemand darauf verlassen kann, dass gut gut ist und böse eben böse. Dass ständig die Linien zwischen Freund und Feind zu verwischen vermag und sich in keiner Form scheut, auch den eigentlichen Hauptfiguren inneren und äußeren Schaden zuzufügen. Schaden, der letztlich Wirkung zeigen wird, der nicht einfach plötzlich heldenhaft überwunden wird. Bis zur letzten Seite hin hält Fitzek Tempo und Volten, Wendungen und Hintergründe im Buch, die ein Ausruhen des Lesers nicht zulassen. Trotz der ein oder anderen Ungereimtheit (zwei Frauen, die eine schwer verletzt, die andere körperlich und psychisch am Ende, lassen sich auf der Fahrt eigentlich ins Krankenhaus doch noch absetzen für einen privaten Besuch? Nie, wenn die geschilderten Verletzungen zutreffen!), erleidet die hervorragend konstruierte Geschichte in ihrem roten Fadem durch solch (wenige) unrealistische Ereignisse keinen Abbruch. Von der ersten Seite an wird der Leser in das Geschehen um Alina, Alexander, Zuker, Lahmann und der ermittelnden Polizisten hineingezogen und nach einem Parforceritt über gut 400 Seiten ebenso mitgenommen hinterlassen, wie die Protagonisten im Buch. Nichts bleibt, wie es scheint und dennoch wirkt nichts an den Haaren herbeigezogen.
Fazit
Spätestens nach der Lektüre des "Augenjägers" dürfte klar sein, warum Fitzek einer der wenigen deutschen Thrillerautoren ist, der international erfolgreich reüssiert.
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne
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P.S. Ich töte Dich
Passagier 23
Splitter
Splitter

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 10. Oktober 2011

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