Patricia Cornwell: Bastard

Bastard

Verlag: Hoffmann und Campe [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Thriller
ISBN-13 978-3-455-40331-2

Preis: 24,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 09. Dezember 2016]
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Scarpetta zum 18.

Es ist sicher die Figur ihres Lebens, wie Patricia Cornwell gern auch zugibt.
Kay Scarpetta, die Gerichtsmedizinerin, nun mit Sitz in Neuengland und eigenem, neuen Institut, das auf die Eröffnung der Arbeit wartet. Während im letzten Buch, "Scarpetta" breite Informationen über die "private Seite" der Protagonistin einen guten Teil des Buches füllten (Scarpetta Fans waren sicherlich angetan von diesen intimen Einblicken in das Familienleben der Gerichtsmedizinerin), legt Cornwell in "Bastard" den Focus wieder deutlich stärker auf den Fall, der im Raume steht (auch wenn das innere Erleben ihrer Protagonisten nicht zu kurz kommt).
Auf gut 500 Seiten wendet sie sich hier nun modernsten Techniken und Wissenschaften zu und verknüpft dies, gewohnt routiniert, mit der wohl angeborenen Hartnäckigkeit ihrer Protagonistin.
Denn es findet sich, neben den aktuellen und vorrangigen Ereignissen, auch ein Mord im Hintergrund, der zwar geklärt scheint, der ihr aber, so gut kennt man Scarpetta inzwischen, mit einigen Ungereimtheiten, bis dato schon keine Ruhe gelassen hat. Ein Mord, der durchaus Verbindungen zum eigentlichen Fall noch aufweisen wird.

Während Kay Scarpetta ihren Spind bei der Army ausräumt und sich ihrem nun wieder beginnend Leben als "Private" zuwendet, stirbt ein Mann auf offener Straße. Nicht einfach so, ein Mord liegt nahe. Aber wie dieser verübt wurde, das stellt die Gerichtsmedizinerin doch vor ein hartes Rätsel. Nun aber auch intensiv kundig in neuesten gerichtsmedizinischen Verfahrensweisen ("virtuelle Autopsie"), findet Scarpetta die Todesursache doch. Und als sie das Problem des Mordes löst, ist dies nicht das Ende des Falles, sondern (wie in den Scarpetta Thrillern gewohnt) erst der Anfang zu einer höchst gefährlichen Ermittlung, die weite Kreise ziehen wir und auch das engste Umfeld Scarpettas mit einbeziehen wird. Auf allen Seiten.

Seiten mit vertrautem Personal für den, der Scarpetta schon etwas länger als Leser begleitet. Die Nichte Lucy. Der enge Freund und ehemalige Polizist Pete Morino. Und Natürlich Benton, der oft eher im Hintergrund sich befindende Ehemann Scarpettas. Auch Jack Fielding, ein alter Kollege, tritt hinzu, hier aber deuten sich bereits im ersten Teil des Buches einige Ungereimtheiten an, die Jack Fielding verdächtig erscheinen lassen. Aber in welche Richtung genau? Und, vor allem, warum? Das sind die Fragen, die sich durch die Geschichte hindurch ziehen.

Eine Geschichte, die viel mit moderner Medizin-Technik und militärischen Geheimnissen zu tun hat (Mikrorobots und mit einem lange kaum fassbaren Mörder). Hier hat Patricia Cornwell einerseits hervorragend recherchiert. Andererseits ist dies auch ein Problem des Buches. Vielleicht hat Cornwell zu gut recherchiert und ist bemüht, alle Recherche Ergebnisse einfließen zu lassen, mit der Folge doch mancher Längen im Buch, die dem Tempo der Geschichte nicht gut tun. Daneben stehen zudem auch sehr routiniert wirkende Teile, die zwar flüssig zu lesen sind, aber ein rechtes Spannungsgefühl an manchen Orten des Buches nicht wirklich aufkommen lassen.
Gründlich vor allem in der Breite geht Cornwell vor. Wer ein schnelles, aktionsreiches Tempo erwartet, wird hier nicht auf seine Kosten kommen. Wer eine breite Darstellung auch des Innenlebens der Figuren und der inneren Zusammenhänge zu schätzen weiß, der wird sich auch am "menschlichen Faktor" und teils langatmigen technischen Erläuterungen des Buches nicht stören und durchaus den flüssigen Stil und die im Kern spannende Geschichte genießen können.
Fazit
Im Gesamten gut recherchiert mit spannender Grundidee, an einigen Stellen aber zu ausführlich und langatmig, im Stil manches Mal fast schon zu routiniert, bietet der "neue Scarpetta" durchaus noch gute Unterhaltung und sorgfältig gestaltete Einblicke in die Arbeit der inzwischen gut bekannten und vertrauten Gerichtsmedizinern, löst aber keine leidenschaftlichen Begeisterungsstürme aus.
6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne
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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 30. September 2011

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