Günter Ohnemus: Siebzehn Tage im August

Siebzehn Tage im August

Verlag: Fischer Taschenbuchverlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Jugendroman
ISBN-13 978-3-596-85365-6

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"Der Tag, an dem Sven Kammermeier aus der Elften erschossen wurde, war schon schlimm genug, obwohl da noch niemand etwas davon gewusst hatte."

So beginnt ein Roman, der vielschichtig ist. Sven Kammermeier, ein übler Schläger, belästigt die türkische Freundin von Finn. Es kommt auf dem Schulhof zu einer Auseinandersetzung, bei der Sven Finn mit einem Messer angreift, doch von Finn geschickt abgewehrt wird. "Beim nächsten Mal geht nicht nur das Messer kaputt" erklärt Finn eisig.

Am selben Abend ist Sven tot. Erschossen. Finn ist verschwunden. Sein bester Freund Nick, der Ich-Erzähler des Romans, aus dessen Perspektive die Geschehnisse, die sich "siebzehn Tage im August" abspielen, geschildert werden, hält zu seinem Freund. Keine Sekunde zweifelt er an dessen Unschuld. Aber: Nick würde Finn auch dann decken, wenn dieser wirklich der Täter wäre. Die Polizei weiß von der Freundschaft der beiden, beschattet Nick auch, aber Nick gibt vor, mit seiner Pfadfindergruppe zu Beginn der Sommerferien in die Nähe von Passau zu reisen. Nicks Eltern und Schwester brechen in einen lange geplanten Urlaub nach Südfrankreich auf. Doch Nick fährt zwar gemeinsam mit den Pfadfindern in München ab, steigt in Landshut jedoch aus dem Zug und kehrt heimlich um. Er sucht Finn, der sich mit einem unbekannten Handy bei seinem Freund meldet. Bald treffen sie zusammen. Finn beteuert, Sven nicht getötet zu haben. Aber er hatte Sven am Mordtag verfolgt, weil Sven Finns Fahrrad aus Wut über die Geschichte am Morgen zertrümmert hatte. Und Finn war es, der Svens Leiche fand. Eine für Finn schwierige, fast aussichtslose Situation. Wie soll er seine Unschuld beweisen? Er will einfach "weg".

Zusammen fahren die beiden Freunde nach Passau, um in der Nähe des Lagers der Pfadfindergruppe zu sein, denn Nick vermutet, dass die Polizei sein Handy ortet. Würden sie in eine ganz andere Gegend fahren, würde die Polizei bald auf Nicks Spuren kommen. Auf dem Weg nach Passau treffen sie die Studentin Laura. Diese ahnt zunächst nichts von der Hintergrundgeschichte der beiden Jungen und bietet ihnen an, in der leerstehenden Wohnung einer Bekannten, die zur Zeit in England ist, zu übernachten. Dieses Angebot nehmen beide an. Die Sache wird gefährlich, als zwielichtige Typen, Freunde Svens oder dessen Mörder, im Lager der Pfadfinder auftauchen und Finn und Nick suchen. Die Ereignisse treiben nun schell einem dramatischen Höhepunkt zu...

Das Buch ist ausgesprochen spannend. Ich habe das Buch in einem Zug durchgelesen und konnte nicht mehr aufhören, zumal die Sprache einfach, jedoch klar ist. Die Kapitel - über 40 - sind nie länger als 5 Seiten, die Geschichte selber ist streng durchkomponiert.

Eigentlich ist das Buch kein Krimi, obwohl Krimihandlung vorhanden ist (es geht um die Aufklärung eines Verbrechens). In erster Linie ist das Buch eine Freundschaftsgeschichte. Zwei Freunde, 16 und 17, kennen sich seit Jahren und vertrauen einander blind. Finn hat Nick auf einer Klettertour vor einigen Jahren das Leben gerettet und ihn vor einem Absturz von einem Berg bewahrt. Seitdem ist für Nick klar, dass er alles tut, um Finn aus der Situation, in die er geraten ist, herauszuhelfen. Er würde Finn decken, auch wenn er die Tat begangen hätte, wie er seiner Freundin Mia deutlich klarmacht.

Dies ist die zentrale Frage des Romans. Wie weit darf Freundschaft gehen? Darf man einen Freund auch decken, wenn dieser einen Mord oder ein anderes Verbrechen begangen hat? Keine leichte Frage, auch nicht für den Protagonisten. Dennoch ist die Angelegenheit für ihn klar. Finn ist sein Freund, er geht mit ihm durch dick und dünn. Und es ist Nick, der die Initiative ergreift und die Flucht detailiert plant.

Während Nick sympathisch und lebensecht gezeichnet ist, wirkt der eigentliche Protagonist der Handlung, Finn, eher blass. Über die Tat selber wird nicht viel gesprochen, es gibt in der Regel nur Andeutungen. Im Mittelpunkt steht die Flucht, das Abenteuer. So witzig einzelne Stationen auch sind (so verstecken sie sich im Beichtstuhl des Passauer Doms, als sie einige Pfadfinder der Gruppe sehen, die den Dom besuchen wollen), so bleibt unbefriedigend, dass über Motiv und Tat zu wenig gesprochen wird. Blindes Vertrauen von Nick verbietet ihm, seinen Freund zu sehr mit Fragen zum Thema "zu löchern". Einerseits verständlich, andererseits nimmt dies dem Buch eine gewisse Spannung, eine Tiefe. Über die Beschränktheit der Polizei, die Nick nicht beschatten lässt und sich mit einigen Telefonaten zwischen Nick und der ermittelnden Kommissarin zufriedengibt, kann man sich nur wundern. In der Realität wären beide Flüchtigen wohl längst von der Polizei aufgegriffen worden. Dies darf aber im "Plot" nicht erfolgen, weshalb die Wahrscheinlichkeit der Geschehnisse hier meines Erachtens etwas arg strapaziert wird.

Dennoch ein spannendes Buch, welches zum Nachdenken anregt. Natürlich wird die Auflösung hier nicht verraten...
Fazit
Trotz mancher Schwächen ein Buch, welches nachdenklich macht und nicht zu den "0815"-Durchschnittstiteln gehört, wie ich finde. Trotz gewisser Schwächen daher wirklich lesenswert
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 23. September 2011

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