Stefan Melneczuk: Rabenstadt

Rabenstadt

Verlag: Blitz-Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Thriller
ISBN-13 978-3-89840-313-9

Preis: 14,19 Euro bei Amazon.de [Stand: 10. Dezember 2016]
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Nach dem Erfolg seines Romans "Marterpfahl" und der durchaus lesenswerten "Geisterstunden"-Collection präsentiert Stefan Melneczuk nunmehr seinen neuen Roman "Rabenstadt" in einer auch äußerlich wieder sehr ansprechenden Hardcoverausgabe mit einem dekorativen und auch inhaltlich stimmigen Titelbild von Mark Freier.

Der Roman selbst ist ungewöhnlich aufgebaut, denn er beginnt mit dem Ende bzw. einer Nachbetrachtung des Protagonisten zu den Ereignissen. Und selbst im Verlauf der eigentlichen Handlung schildert der Ich-Erzähler seine Erlebnisse teilweise in Rückblenden. So liegt er gleich zu Beginn verletzt und mit Klebeband gefesselt in einem dunklen Kellerraum und versucht sich zu erinnern. Was sofort auffällt, sind die guten Ortskenntnisse des Autors - die Handlung spielt in einem in die Jahre gekommenen Wuppertaler Villenviertel - und seine Fähigkeit zu anschaulichen Beschreibungen. Selbst als Ortsunkundiger (wie ich) vermag sich der Leser die Straßen, Gärten und Gebäude des Umfeldes vorzustellen und wird damit zum Augenzeugen des Geschehens.

Der Einstieg ist rasch wiedergegeben: Ein Paketbote (der Ich-Erzähler) verfährt sich infolge eines defekten Navigationsgerätes im Briller Viertel und versucht, die Zieladresse zu Fuß ausfindig zu machen. In der einsamen Gegend begegnet er keinem Passanten, bis er schließlich vor einem Hauseingang auf ein Mädchen triff, das auf allen Vieren hockt und eine Hundeleine um den Hals hat. Als es plötzlich davonläuft oder -gezogen wird, setzt er ihm nach und wird beim Eindringen in einen Garten brutal niedergeschlagen. Er verliert das Bewusstsein und erwacht irgendwann später in besagtem Keller.

Zum Glück widersteht der Autor der Versuchung, die Gefangenschaft bzw. das Martyrium des Handlungsträgers so exzessiv in die Länge zu ziehen, wie es prominentere Autoren wie Stephen King schon häufiger praktiziert haben. Auch wenn dem Gefangenen ausreichend Gelegenheit zu Selbst- und Weltbetrachtungen gegeben wird, verspürt der Leser nie den Drang, mangels Handlungsfortschritts einfach ein paar Seiten zu überblättern. Angesichts des vorweggenommen Ausgangs des Abenteuers ist das keine geringe Leistung des Autors. Die Person des Täters bleibt lange Zeit über im Dunklen, und als er schließlich in das Geschehen eingreift, kommt es auch schon zu einem dramatischen Showdown. Damit ist der Roman jedoch nicht zu Ende, denn der Paketbote ist selbst Träger eines dunklen Geheimnisses, das sich erst später offenbart. So wird der Leser auch jenseits des Ortes des Verbrechens mit seelischen Abgründen und Alptraumszenarien konfrontiert, die auch ihn jederzeit betreffen können.
Fazit
Vielleicht ist das sogar die eigentliche Leistung des Buches, dem Leser über den an sich schon grausigen Kriminalfall hinaus die Augen für die dunklen Seiten menschlicher Existenz zu öffnen. Die "Rabenstadt" Wuppertal ist hierfür ein perfekter Rahmen, und drei zusätzliche Geschichten vom "Kreuz Wuppertal-Mord" runden den Lesegenuss ab. Mit "Rabenstadt" liefert Stefan Melneczuk einmal mehr den Nachweis, dass er auch jenseits der Schubladen des Genres zu den herausragenden "Spannungsautoren" dieses Landes gehört.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von frankh [Profil]
veröffentlicht am 22. September 2011

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