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Vielen Millionen TV-Zuschauern war er über Monate ein allabendlicher Gast auf
den Bildschirmen, der Journalist Jörg Armbruster, der seit Jahren für die ARD
aus dem Nahen Osten berichtet. Von Ägypten über Tunesien bis hin nach Syrien war
er über eine lange Zeit Berichterstatter dessen, was man seit einiger Zeit als
die Arabellion bezeichnet.
In seinem hier vorliegenden Buch "Der arabische Frühling" kann man noch einmal genau nachlesen, wie da war, "als die islamische Jugend begann, die Welt zu verändern". Das Buch hat den unschätzbaren Vorteil, dass hier nicht nur ein Augenzeuge des Geschehens berichtet, was sich genau abspielte auf dem Tahrir-Platz in Kairo und daran anschließend in vielen anderen nordafrikanischen Ländern und Teilen des Nahen Ostens, sondern dass er es reflektiert tun kann. Jörg Armbruster hat für sein Buch mit vielen Organisatoren der Aufstände in den unterschiedlichen Ländern gesprochen, mit ehemaligen politischen Gefangenen und mit Politikern, die vielleicht einmal die Zukunft dieser Länder bestimmen werden. Über allem steht die bange Frage, wie es nun weitergehen wird. Haben diese Länder eine demokratische Zukunft, oder werden die alten Kräfte wieder die Oberhand gewinnen? Welche Rolle wird der Islam spielen? Sind diese Gesellschaften überhaupt reif für ein demokratisches System nach westlichem Vorbild? Wird der Westen als Vorbild überhaupt gebraucht oder gewollt? Oder entpuppt sich der arabische Frühling nur als ein kurzes Intermezzo vor einem kalten Winter, in dem die Repression zurückkehrt und ein politischer Islam sich als Rettungsanker anbietet, der die Gesellschaften nicht nach vorne bringen wird. Alles, so Jörg Armbruster in seinem Fazit, wird davon abhängen, ob den Millionen von jungen Menschen in diesen Ländern eine Perspektive aufgetan werden kann, in der sie eine Zukunft, das heißt eine Arbeit haben werden. Schon jetzt, so Armbruster verbreite sich immer mehr eine Stimmung unter den die Revolution tragenden jungen Menschen, dass sie sich fragen, was sie eigentlich nun von der Entwicklung haben. Enttäuschung und Ungeduld machen sich breit. Den westlichen Ländern und seinen Politiker schreibt er auch etwas ins Stammbuch: "Es wäre also nicht verkehrt, wenn man die 1001 Vorurteile wenigstens um die Hälfte reduziert und der Westen von seinem hohen Ross steigt, um sein Verhältnis zu den Arabern gründlich zu überdenken. Dazu gehört unter anderem die Einsicht, diese Araber können die Demokratie genauso gut lernen wie Europäer, vielleicht noch ein bisschen besser, weil sie sich ihre Demokratie selbst erstritten haben. Sie sind bereit, die Werte ihrer Gesellschaft in Frage zu stellen." Fazit
Die Demokratie in arabischen Ländern wird anders aussehen als bei uns, Werte und
Grundrechte werden anders interpretiert werden. Wie es ausgehen wird, bleibt
offen. Die letzten Nachrichten aus den betroffenen Staaten, etwa das Pogrom
eines ägyptischen Mobs gegen die israelische Botschaft in Kairo, bei dem Polizei
tatenlos zusah, geben mir persönlich sehr zu denken und machen mich eher
skeptisch.
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