Ruth Rendell: Schwefelhochzeit

Schwefelhochzeit

Verlag: Diogenes Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Thriller
ISBN-13 978-3-257-23102-1

Preis: 14,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 03. Dezember 2016]
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Schon immer habe ich Schwierigkeiten mit den psychologischen Romanen (Krimis ?) von Highsmith/Millar und auch Ruth Rendell alias Barbara Vine gehabt. Da wurde mir empfohlen, die "Schwefelhochzeit" zu lesen. Die Figuren sind differenziert gezeichnet. Allerdings - leider muß ich dies in dieser Härte sage - ist der Roman für mich Ausdruck einer krankhaft zu nennenden Phantasie und strotzt vor Unwahrscheinlichkeiten in der Handlung. Schon Jochen Schmidt hat in seiner hervorragenden Einführung "Gangster, Opfer, Detektive: Eine Typengeschichte des Kriminalromans" (Ullstein, 1989) erklärt, daß diese Einschätzung von Ruth Rendell offenbar zu Recht besteht - jedenfalls, soweit sie jene Sorte Romane angeht, die der Gattung des psychologischen Thrillers zuzurechnen sind (vgl. S. 236). Sein Vorwurf gegen Rendells (alias Vines) psychologische Thriller, die ohne Polizei und Mordaufklärung, ohne das klassische Wohodunit-Schema auszukommen suchen - die er gegenüber den durchweg überdurchschnittlichen Detektivgeschichten (mit Inspektor Wexford, B.N.) abgrenzt - sind genau die obigen: "Dabei neigt Ruth Rendell zu Handlungskonstruktionen, die allzu viele zufälle miteinander kombinieren und Geschichten, im Positiven und im Negativen, so glatt aufgehen lassen wie eine Rechenaufgabe" (Schmidt, S. 237). Dieser Fehler ist auch die große Enttäuschung des vorliegenden Romans. Es ist das klassische Thema der Dreiecksbeziehung (Ehemann, Ehefrau, Geliebte), welches schon bei Boileau-Narcejac vorkommt und hier kunstvoll erweitert wird: neben der alten Dame Stella (deren Ehemann selber eine Geliebte hatte und dann starb) hat auch die Pflegerin Jenny eine Dreiecksbeziehung. Schon diese - gewollte - Unwahrscheinlichkeit stört. Aber "natürlich" kommt hier der Zufall - ein Autounfall - der "Lösung" der Geschichte entgegen (mehr soll hier nicht verraten werden). Dies zeigt jedoch deutlich: die gesamte Story strotzt vor Unwahrscheinlichkeiten. Auch die Verbindung zwischen der alten Dame Stella und ihrer Pflegerin - der Spannung halber erst auf den letzten beiden Seiten offenbart - ist vollends konstruiert. Der Roman offenbart, wie krankhaft die Phantasie von Mördern (und leider offenbar auch Autoren, vgl. die Verbrennungsszene der Leiche am Ende) zu sein scheint. Glaubwürdige, und in der Handlung nachvollziehbare Kriminalromane - etwa der bei Diogenes erschienene Band von P. Quentin: "Familienschande" sind spannende psychologische Thriller, aber nicht solche konstruierten "Märchen" wie die vorliegende "Schwefelhochzeit". Außerdem neigt Barbara Vine zu Längen in der Darstellung. Die gesamte Story hätte auf 150 - 200 Seiten erzählt werden können - statt auf 440. So wirkt der Roman streckenweise arg ermüdend und langatmig. Erst auf den letzten hundert Seiten (ab S. 303 (Kap. 18) wird der Fall gelöst. Dies ist eindeutig zu spät. 150 Seiten sind hier schlicht überflüssig.
Fazit
Insofern überwiegt bei mir nach dem Lesen die Unzufriedenheit - ich bin gespannt, wie andere Leser über dieses Buch urteilen.
3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne

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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 07. September 2003

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