Joy Fielding: Herzstoß

Herzstoß

Verlag: Goldmann Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Thriller
ISBN-13 978-3-442-31206-1

Preis: 0,50 Euro bei Amazon.de [Stand: 06. Dezember 2016]
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Mutternöte

"Ich glaube nicht, dass wir den Tod eines geliebten Menschen je ganz überwinden. Wir lernen nur, mit seiner Abwesenheit zu leben", sagt Vic, die Zufallsbekanntschaft Marcys auf ihrer Reise durch Irland. Die auch ganz anders geplant war. Doch nun sitzt sie dort allein, hat die Trennung von ihrem Mann zu überwinden, der nach 25 Jahren Ehe sich einer anderen Frau zugewendet hat und hat vor allem die große, schwarze Leere der Trauer in sich über den vermeintlichen Tod ihrer Tochter Devon. Zwar wurde deren Leiche nie gefunden, aber in einem Kanu war diese auf einen See hinausgefahren und nicht zurückgekehrt, nur das Kanu wurde wieder aufgefunden.

Und nun hier, am anderen Ende der Welt, schöpft die Kanadierin auf einsamer Silberhochzeitsreise neue Hoffnung. Durch das Fenster eines Pubs in Cork sieht sie ihre vermeintlich tote Tochter. Aber ist das wirklich Devon? Spielen ihre Hoffnungen ihr einen Streich der Sinne? Marcy lässt alles stehen und liegen, quartiert sich in der irischen Universitätsstadt ein und macht sich auf die Suche nach Spuren ihrer Tochter. Unterstützt einerseits von Vic, jener Zufallsbekanntschaft aus ihrer Reisegruppe, aus der durchaus mehr entstehen könnte und Liam, einem charmanten, hoch attraktiven jungen Iren, Kellner in jenem Pub, aus dem heraus Marcy Devon das erste Mal "gesichtet hatte". Doch ihre Suche wird sie zu Verbindungen führen, die gefährlich sind.

Joay Fielding legt ein flüssiges, mit hoch gehaltenem Tempo versehenes Buch vor, in dem überzeugende Charaktere die Handlung voranbringen. Überraschende Wendungen, gerade auch, was die Vertrauenswürdigkeit so mancher Protagonisten angeht, würzen die knapp 380 Seiten währende Suche der fast verzweifelnden Mutter. Kaum jemand glaubt ihr und auch der Leser tut sich lange Zeit schwer damit, die kurzen "Sichtungen" und Eindrücke Marcys ernst zu nehmen. Als selbst Marcy fast bereit ist, sich selber Hirngespinste zu unterstellen, nimmt der Fortgang der Geschichte noch einmal eine überraschende und dramatische Wendung.

Bis dahin aber wird Marcy selber deutlich, dass nicht alles mit rechten Dingen zu gehen kann und ihre Suche nach ihrer Tochter keineswegs eine zwar intensive, im Ganzen aber doch harmlose Marotte sein könnte. Ihr Hotelzimmer wird verwüstet, gefährliche Zufälle treten hinzu. Dennoch braucht sie lange, um das ganze, perfide Spiel zu durchschauen, bei dem ihr eine durchaus tragende, letztendlich aber tragische Rolle zugedacht wird.

Gerade was so manche "Zufälligkeiten" angeht, versteht es Joy Fielding in diesem Buch sehr geschickt, verdeckte Spuren zu legen, die in einer überraschenden Auflösung zum Ende hin zusammenfallen werden. Durch Rückblicke in die eigene Lebensgeschichte Marcys mitsamt deren schwierigem Verhältnis zu ihrer Mutter und Rückblicke auf ihr eigenes Verhältnis als Mutter zu ihrer Tochter Devon verleit Fielding gerade der Figur der Marcy eine tragische Tiefe, die den Leser mit hinein zieht in die Welt der trauernden und doch hoffenden Mutter.
Fazit
Sprachlich flüssig und eingängig, durchaus logisch konstruiert, hier und da mit einigen Übertreibungen und auch Längen versehen, bietet das Buch solide, gute und durchaus spannende Unterhaltung mit differenzierten und weitgehend ausgefeilten Charakteren. Durchaus verzeihlich ist es auf diesem Hintergrund, dass die Auflösung des Thrillers zwar überraschend im Raum steht, aber doch altbekannt anmutet und das Finale auch ein wenig kurz daherkommt.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 14. September 2011

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