Sandro Veronesi: XY

XY

Verlag: Klett-Cotta Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-608-93960-6

Preis: 22,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 08. Dezember 2016]
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Verwirrung in und um San Guida

"Warum weiß ich, was richtig ist und tue trotzdem weiter das Falsche? Ohne auch nur ein bisschen zu kämpfen - tue ich das Falsche."

Ein philosophische, tief grüblerische Frage ist es, welche die Psychoanalytikerin Giovanna sich selber stellt. Zu einem Zeitpunkt, zu dem das, was man im Buch als Handlung bezeichnen könnte, doch schon um einiges fortgeschritten ist. Ein Satz, der durchaus Charakteristisches für das Buch in sich trägt. Denn trotz allem, was vorgefallen ist am Rande des kleinen Dorfes, trotzdem Giovanna durchaus sich müht, aus eigenem Antrieb Licht in das Dunkel des Geschehens zu bringen, immer bleibt sie (vor allem) mit sich beschäftigt, mit ihren Fragen, ihrer Weltsicht.

11 Leichen wurden nahe beim Dorf gefunden. Touristen. Und jeder und jede der Toten ist an einer anderen Todesursache verstorben. Alles tappt im Dunkeln und von offizieller Seite her wird letztlich alles dafür getan, der Sache nicht weiter nachzugehen. Die Psychologin Giovanna aber gibt keine Ruhe. Ein Zeichen an sich selbst deutet sie in die Richtung, dass das Geschehen im Dorf mit ihr zu tun hat. Vielleicht auch, weil sie auf der Spur der Tragödie auch auf dem Weg zu sich selbst sich befindet? Oder zumindest meint, auf diesem Weg zu sein? Auch der Pfarrer des Dorfes, Don Ermete geht, wiederum aus anderen Gründen, dem Geschehen nach. Beider Wege kreuzen sich durchaus hier und da, letztendlich aber gehen beide ihre ganz eigenen Wege in dieser Sache. Auch ganz eigene Wege im Blick auf ihr inneres Erleben.

Wege, die dem Leser nicht unbedingt einsichtig erscheinen mögen und die, soweit sei vom Ende des Buches verraten, auch nicht unbedingt zu einem wirklichen Abschluss und Ergebnis führen. Es scheint eher, als hätte Veronesi seine Protagonisten auf ihre Wege geschickt, um in teils endlos anmutenden Gedankenströmen den eigenen, inneren Stimmen zu lauschen, eigenen Gedanken und Assoziationen nachzugehen. Die eigenen Erlebnisse des Lebens, Traumata und Schuld, aufzuarbeiten. In manchen Teilen verliert das Buch dabei sehr den eigentlich roten Faden der 11 Todesfälle aus den Augen, was es dem Leser nicht einfach macht, sich durchgehend inmitten des Geschehens wiederzufinden.

"Ich weiß gar nichts, mein Herr, aber verirrt haben Sie sich". Dieser Satz aus dem Buch kann fast als Zusammenfassung des Leseerlebnisses gelten. Verirren kann man sich gut inmitten all der Worte und Sätze, die im Empfinden ohne Punkt und Komma aneinander gereiht scheinen und einen endlosen Strom ergeben. Ein Strom, der leider über weite Teile des Buches zu assoziativ einherkommt, der dem Leser zwar einen weitreichenden Einblick in das Innenleben zumindest der Hauptfiguren ermöglicht, der aber an die doch interessante Grundidee, warum 11 Leichen mit 11 verschiedenen Todesursachen am Rande eines kleinen Dorfes zu finden sind, zu wenig Anhaftpunkte bietet. Zuwenig auch im Bereich des Mysteriösen. Der Tod im Wald aufgrund eines Hai Bisses, das deutet ja durchaus in mythische Richtungen, die aber, leider, ebenfalls nicht stringent genug ausgeführt werden.
Fazit
So verbleibt eine Nabelschau, die durchaus sprach- und bildgewaltig von Sandro Veronesi zu Papier gebracht wurde und ein, durchaus gelungener, intensiver Blick auf das Leben in einer in sich geschlossenen Enklave, das ganz eigenen, teils grausamen Regeln in der Moderne noch folgt. Mit Folgen nicht nur für 11 Touristen. Im Gesamten aber, trotz der mitreißenden, sprachlichen Form, wirkt das Buch ein Stück zu unausgegoren.
5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 04. September 2011

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